Mischtalent für Salzburgs Festspielleitung

13. Juni 2013, 19:02
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Sven-Eric Bechtolf, bislang Schauspielchef, ab sofort Mitglied des Festspieldirektoriums, ab 2015 künstlerischer Leiter

 

Er sei zu alt, um in Salzburg eine Karriereplattform zu suchen, sagte Sven-Eric Bechtolf vorigen Sommer im STANDARD-Interview: "Hätte ich den Job mit 35 bekommen, würde ich vielleicht darauf schielen, was danach kommt. Bei mir kommt nichts danach. Dann spiele ich wieder."

Gesucht oder nicht - nun sind die Festspiele doch noch eine Karriereplattform geworden. Ab sofort ist der 55-Jährige, der von Alexander Pereira als Schauspielchef an die Salzach geholt wurde, auch Mitglied des Festspieldirektoriums, in den Jahren 2015/16 ist er als künstlerischer Leiter für das gesamte Programm zuständig.

"Das klingt jetzt kokett", kommentierte der Vater eines erwachsenen Sohnes einmal seine unerwarteten Karrieresprünge, "aber die Dinge, die ich im Leben gemacht habe, sind auf mich zugekommen. Ich habe wenig unternommen, um etwas zu erreichen. Und wenn doch, ist es meist schiefgegangen." So wie etwa seine - missglückte - Aufnahmsprüfung am Wiener Reinhardt-Seminar. Doch auf der Heimfahrt nach Deutschland stieg er zufällig in Salzburg aus dem Zug - und landete am Mozarteum.

Später sollte der zweimalige Nestroy-Preisträger im Jedermann den "Teufel" und den "Guten Gesell" spielen.  Der Burgstar, der mit den ganz Großen der Regiezunft - Ruth Berghaus, Peter Stein, Luc Bondy, vor allem aber mit Andrea Breth - arbeitete, führte ab 1994 immer öfter auch selbst Regie, zunächst am Sprech-, ab 2000 auch am Musiktheater. Es war Alexander Pereira, der ihm am Zürcher Opernhaus erstmals die Bühne dafür bot.

"Ich verfüge über eine Mischbegabung, kann ein bisschen zeichnen, ein bisschen schreiben, ein bisschen singen, ein bisschen inszenieren und ein bisschen spielen. Alles zusammen bäckt man dann halt verzweifelt zu einem Theatertalent aus." Neben einer "Rusalka"-Inszenierung an der Wiener Staatsoper im Jahr 2014 plant der Vieltalentierte und Vielbeschäftigte, den gesamten Da-Ponte-Zyklus für die Salzburger Festspiele zu inszenieren. Auftakt ist heuer mit "Così fan tutte".

Der 1957 in Darmstadt geborene Sohn eines Bankiers und Enkel eines Marionetten- und Figurentheatermachers würzt Gespräche und Interviews mit feiner (Selbst-)Ironie: Wenn er sich nicht gerade als Feingeist geriere, gestand er einmal dem STANDARD, sei er eigentlich ein ruppiger Mensch. Beides, Feingeistigkeit und eine gewisse Ruppigkeit, werden ihm bei den Intrigenfestspielen in Salzburg zupasskommen. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 14.6.2013)

 

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    Sven-Eric Bechtolf, hier im Vorjahr bei der 'Jedermann'-Premierenfeier.

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