Auf dem Silvesterpfad

Kolumne13. Juni 2013, 18:46
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Dass man im Innenministerium auch den Wohlfahrtsfonds der Polizei und einen Jubiläumsfonds der Gendarmerie speiste, kam wohl nur aus der Sorge der jeweiligen Ministerinnen um ihr Seelenheil

Ihm bleibt wirklich nichts erspart! Da hatte seine Apostolische Majestät eine der helleren Ideen einer 68-jährigen Kaiserlaufbahn und wer verkehrt sie kaum 150 Jahre später in ihr Gegenteil? Ministerialbeamte der Republik, die sich als späte Brückenbauer zwischen Thron und Altar verstehen, indem sie Gelder zur Ausgestaltung der Reichshaupt- und Residenzstadt aus einem allerhöchsten Fonds entgegen dem Geist der Satzung, aber beinahe völlig uneigennützig, religiösen Werken zuführten. Immerhin katholischen. Unter der schützenden Hand der Innenministerin schob die dürre Hand der Bürokratie der toten Hand rund eine Million Euro zu, was in Zeiten, in der nur noch in Milliardenbeträgen gehandelt wird, nicht viel erscheinen mag. Aber die Kirche hat auch bei kleineren Zuwendungen, wie schon Goethe wusste, einen guten Magen.

Dass der Rechnungshof, der den klandestinen Vorgang neulich anprangerte, schon vor mehr als einem halben Jahrhundert die Auflösung des Fonds angeregt hat, mag man als Respektlosigkeit vor dem Erzhaus deuten. Da galt es dagegenzuhalten, und so dauerte es bis zum März 2013, ehe man sich im Innenministerium die Möglichkeit der Geldverteilung entwinden ließ und den Fonds auflöste, nachdem man 2009 dessen Satzungen bei allem Respekt vor der Trennung von Kirche und Staat ad maiorem dei gloriam hingebogen hatte.

Selbst wenn rein formal alles in Ordnung gewesen sein sollte - woran der Rechnungshof offenbar einige unchristliche Zweifel hegt - kann man es nur als unverschämt empfinden, den intendierten Zweck eines Wiener Stadterweiterungsfonds, nämlich Geld für Gebäude der Stadt bereitzustellen, in sein genaues Gegenteil zu verkehren, nämlich der Stadt diese Gelder zu entziehen und sie für die Renovierung von Kirchen und für eine ebenso katholische Universität in Rom auszugeben. Ein karitativer Zweck ist da nicht zu erkennen, und ein religiöser nur höchst einseitig. Immerhin ist seit Franz Josef der Islam eine anerkannte Religion, da hätte doch auch etwas für den Bau einer Moschee abfallen können.

Braucht die Wiener Universität kein Geld? Das Parlament knirscht in allen Fugen, um die Ausgaben für die Renovierung wird hart gefeilscht. Ein Denkmal auf dem Heldenplatz, für das sich die Republik nicht genieren muss, steht in Diskussion - so viele Orte gäbe es, an denen der Fonds eine segensreiche, wenn auch bescheidene Wirkung hätte entfalten können. Dass man im Innenministerium auch den Wohlfahrtsfonds der Polizei und einen Jubiläumsfonds der Gendarmerie speiste, kam wohl nur aus der Sorge der jeweiligen Ministerinnen um ihr Seelenheil.

Für ihre Verdienste um die Republik ward den agierenden Beamten himmlischer Lohn schon auf Erden. Überreicht vom Kardinal, ließ der Vatikan Orden auf die Gerechten tauen. Beim dort herrschenden Sinn für feine Ironie konnte es nur der Silvesterorden sein. War Silvester doch der Papst, der nach der frommen Legende Konstantin vom Aussatz heilte und bekehrte, wofür er sich nach einer höchst unfrommen Legende von diesem Rom und das Abendland schenken ließ. In der Herrengasse hat man sicher gelitten, da nicht mithalten zu können. (Günter Traxler, DER STANDARD, 14.6.2013)

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