Golan-Abzug: Von A wie ABC-Abwehr bis Z wie Zuschlag

13. Juni 2013, 18:31
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Lauter Männer, saftige Zulagen und ein Arbeitsalltag so langweilig und öd wie auf einer Bohrinsel: Österreichs Soldaten im Auslandseinsatz haben mit einigen Vorurteilen zu kämpfen - was tatsächlich dran ist, hat der STANDARD recherchiert

Frage: Stimmt es, dass Österreichs Blauhelme für ihre Einsätze einen Haufen Geld kriegen?

Antwort: Generell können Soldaten im Auslandseinsatz im Monat mit 3000 Euro brutto aufwärts rechnen. Wie viel exakt auf dem Gehaltszettel steht, hängt freilich von ihrer Funktion, aber auch von diversen Zuschlägen ab. So gibt es etwa Zonenzuschläge: Ein Blauhelm in Schwarzafrika bekommt einen anderen Betrag auf seinen Sockelbetrag aufgerechnet, als würde er im Maghreb eingesetzt. Weitere Zuschläge gibt es für schwierige Klimabedingungen etwa in einem Wüstengebiet, für besondere Gefahren (zum Beispiel bei Minenbeseitigung, Spezialaufklärung oder dem Umgang mit ABC-Waffen), aber auch für Unterkunft und Verpflegung. Anders als beim Berufspersonal, das mit diesem System einem komplexen Gehaltsschema unterliegt, kann das Verteidigungsministerium bei der Miliz mit konkreten Gehaltsbeispielen aufwarten: Ein Charge kommt auf 4110 Euro, ein Unteroffizier auf 5320 Euro, ein Offizier auf 6230 Euro.

Frage: Können die Soldaten bei diesen Verdienstmöglichkeiten im Ausland dienen, solange sie wollen?

Antwort: Nein. Die Einsatzdauer bei einer Mission beträgt ein Jahr - mit der Möglichkeit der Reduktion auf sechs Monate. Allerdings können sich die Soldaten im Zuge ihrer Laufbahn mehrmals entsenden lassen. Auf dem Golan waren rund 30 Prozent der 378 Blauhelme im Ersteinsatz, rund 70 Prozent bereits Golan-erprobt. Das Durchschnittsalter des Kontingents lag ungefähr bei Mitte dreißig.

Frage: Was machen die Heimkehrer vom Golan jetzt eigentlich?

Antwort: Die Berufssoldaten kehren an ihren Arbeitsplatz, also in ihre Stammkasernen, zurück und die Milizsoldaten in ihr ziviles Berufsleben.

Frage: Gibt es überhaupt Frauen, die sich für derartige Einsätze freiwillig melden?

Antwort: Durchaus. Auf dem Golan etwa versahen zuletzt acht Frauen ihren Dienst.

Frage: Ist der Abzug quasi das Ende von Österreichs UN-Engagement?

Antwort: Ein Blick auf die aktuelle Statistik zeigt: Im Libanon stellt die Republik derzeit 179 Blauhelme, in Bosnien und Herzegowina 320, im Kosovo 360 Soldaten. Fünf Militärbeobachter versehen im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon Dienst, zwei in der Westsahara, vier Stabsoffiziere in Zypern - und in Mali sind acht Stabsoffiziere als Sanitätskontingent tätig.

Frage: Wie viele österreichische Soldaten sind jetzt noch auf dem Golan?

Antwort: Am Mittwoch sind 67 Blauhelme heimgekehrt, 311 sind noch dort. Bis zum ersten Juli-Wochende soll das gesamte Kontingent zurück sein. (nw, DER STANDARD, 14.6.2013)

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