Oberstes US-Gericht untersagt Patente auf humanes Erbgut

13. Juni 2013, 18:27
34 Postings

Die DNA sei ein "Produkt der Natur" und könne nicht patentiert werden, so der Supreme Court - künstlich hergestelltes Erbgut allerdings sehr wohl

Die "Goldenen Zeiten" für das US-Gentechnik-Unternehmen Myriad Genetics, das exklusiv Tests auf die Brustkrebsgene BRCA1 und BRACA2 anbot, könnten vorbei sein. Das Oberste Gericht der USA hat in einer Grundsatzentscheidung Patente auf menschliches Erbgut verboten. Die menschliche DNA sei ein "Produkt der Natur", das nicht patentiert werden könne, erklärte der Supreme Court. Künstlich nachgeahmtes Erbgut könne aber sehr wohl patentiert werden, "da es nicht von der Natur hergestellt wird", erklärte das Gericht weiter.

Patente auf krebsauslösende Gene

Die Richter entschieden über eine Klage gegen das Pharmaunternehmen Myriad Genetics, das sich Patente auf zwei krebsauslösende Gene gesichert hatte. Dies gab dem Unternehmen bisher die Möglichkeit, Tests für die Gene mit den Abkürzungen BRCA1 und BRCA2 exklusiv zu vermarkten. Diese Gene können Brust- und Eierstockkrebs auslösen. Angelina Jolie war mit ihrer persönlichen Problematik an die Öffentlichkeit gegangen, weil in den USA die Tests rund 3.000 Dollar kosten (2.259,55 Euro) und für viele potenzielle betroffene Frauen nicht erschwinglich wären. In Österreich gibt es dazu ein erst vergangenes Jahr etabliertes flächendeckendes und kostenloses Versorgungsnetzwerk.

Die Kläger warfen dem Unternehmen unter anderem vor, dass die mehrere tausend Dollar teuren Tests für viel Patienten unerschwinglich seien. Zudem blockiere die Patentierung der Gene deren Erforschung durch andere Unternehmen oder Institutionen. Das Urteil war mit Spannung erwartet worden, weil es Auswirkungen auch auf zahlreiche andere Bereiche der Gentechnik und der Medizin haben dürfte. Patente wurden unter anderem auch im Zusammenhang mit anderen Krebskrankheiten sowie Morbus Alzheimer angemeldet.

Fünfmal mehr Anfragen

Laut dem Wiener Gynäkologen Christian Singer ist jede dreihundert- bis fünfhundertste Österreicherin (rund 25.000 Frauen) potenzielle Trägerin der mutierten Gene BRCA1 und BRCA2, die das Brustkrebsrisiko stark erhöhen. Laut internationalen Studien haben Frauen mit einer solchen Mutation ein Lebenszeitrisiko von über 85 Prozent, an Brustkrebs zu erkranken, bei Nicht-Trägerinnen solcher Mutationen liegt es Risiko bei bloß zwölf Prozent.

An der Universitäts-Frauenklinik in Wien wurden seit dem Bekanntwerden des Falles von Angelina Jolie fünfmal mehr Anfragen deshalb als zuvor registriert. "Ungefähr 15 bis 20 Prozent der betroffenen Frauen mit einer solchen Mutation entscheiden sich dann zu einer vorbeugenden, beidseitigen prophylaktischen Mastektomie (Brustamputation)", sagte Singer. Außerdem ließe sich ein Viertel der Hochrisikopatienten auch die Eierstöcke prophylaktisch entfernen. (APA/red, derStandard.at, 13.6.2013)

Share if you care.