Die Dehnbarkeit des Raumes

13. Juni 2013, 18:01
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Das Museum Liaunig erweitert sich und widmet auch seine aktuelle Ausstellung den Vorstellungen von Raum

Ein zu weit gefasstes Thema, das Kunstwerke mit erweiterten Raumdefinitionen retten.

Neuhaus/Suha - Im lichten Raum der 160 Meter langen Galerie flanierend, von deren nord- und südseitiger Terrasse man auf die Karawanken blickt und über die Drau hinweg in Richtung der 2100 Meter hohen Koralpe, ist es sehr schwer vorstellbar, dass man sich hier unterhalb der Grasnarbe bewegt. Und auch nicht, dass allein der oberste Gebäudestreifen wie ein flaches Raumschiff aus der Landschaft lugt. Aber 2015 wird man für diese Erfahrung keinen Berg und kein Fluggerät mehr besteigen müssen.

Nach einjähriger Bauzeit wird man mittels Rampe in den neu eingerichteten Skulpturengarten des Museums gelangen, also ganz allmählich in dem pittoresken Landstrich Kärntens auftauchen. Eine Gegend weitab vom Schuss, wo man sich zweisprachigen Ortstafeln verweigert; Sammler und Unternehmer Herbert Liaunig jedoch vergisst in der Adresszeile ganz bewusst nicht auf den slowenischen Ortsnamen "Suha" .

Sechs Millionen Euro investiert er in die Erweiterung der ohnehin schon großzügigen Räume um weitere 2500 Quadratmeter - auch diesmal geplant von den Querkraft-Architekten. 5000 von dann insgesamt 7000 Quadratmetern werden als Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen. Hinzu kommen zwei kleine Sonderausstellungssäle hinter der dunkelschwarzen Schatzkammer, wo Liaunig, dessen Kollektionen vielfältig sind, im Moment noch das Gold der Akan zeigt. Ein weiterer Fortsatz des zum Großteil unterirdischen Museums ist triangular, soll künftig Bibliothek und Büros beherbergen und tritt in Form eines Trichters, als Open-Air-Atrium für etwa 500 Personen, an die Oberfläche. Massive Umbauten, denn zum Teil muss man das Haus erst wieder ausbuddeln. Daher sperrt das Museum 2014 gänzlich.

In der Saison 2013 zeigt Liaunig aber noch einmal Ausgesuchtes aus seiner rasant auf rund 3000 Werke angewachsenen Gegenwartskunstsammlung. Von der Fläche zum Raum heißt die aktuelle Zusammenstellung (Co-Kurator: Peter Baum) - ein recht vager, weil wenig einschränkender Titel, unter dem sich Malerei, Skulptur, Architekturmodelle und -visionen versammeln. Skulptur und Architektur ist die Auseinandersetzung mit Raum sowieso inhärent; die Malerei ist mit Fragen zur Raumdarstellung durchtränkt.

Eine inhaltliche Weite, die bei Elmar Trenkwalders raumgreifender Installation aus circa 100 glasierten Keramikelementen beginnt: Wie eine barocke Orgel samt Pfeifen nimmt sich das Gebilde aus Formen aus, die von klassischen asiatischen Kunstobjekten abgenommen wurden und damit quasi einen ganzen Kulturraum transportieren.

Bei Manfred Erjautz sind es auch symbolische Räume wie jener der Zeit, den er in einer stillgelegten Uhr fassbar macht. Fabian Seiz visualisiert hingegen theoretische Modelle, um sich diese Denkräume einzuverleiben. Die beiden zählen ebenso wie die um eine Generation ältere Dóra Maurer, deren konkrete, starkfarbige Malobjekte verzücken, zu erfrischenden Positionen einer eher mauen Schau.   (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 14.6.2013)

Bis 31. 10.

  • Wie ein Flügelaltar öffnet sich der Container von Manfred Erjautz und faltet mit verflachten Logos (Imagebildern) einen Bildraum auf. Versperrt entwickelt dieser klaustrophobisches Potenzial.
    foto: anne katrin feßler

    Wie ein Flügelaltar öffnet sich der Container von Manfred Erjautz und faltet mit verflachten Logos (Imagebildern) einen Bildraum auf. Versperrt entwickelt dieser klaustrophobisches Potenzial.

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