Tagebücher des Nazi-Chefideologen Rosenberg wiederentdeckt

13. Juni 2013, 17:27
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Aufzeichnungen stammen aus den Jahren 1934 bis 1944 - Dokumente nach dem Krieg verschwunden

Wilmington - In den USA sind lange verschollene Tagebücher des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg wieder aufgetaucht. Vertreter des Washingtoner Holocaust-Museums und der US-Zollbehörde ICE präsentierten den spektakulären Fund am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wilmington im Bundesstaat Delaware.

Großteil der Dokumente nach dem Krieg verschwunden

Rosenberg galt als enger Vertrauter von Adolf Hitler, prägte mit seinen Schriften die Rassentheorien der Nationalsozialisten und war als Reichsminister für die besetzten Ostgebiete und durch deren von ihm vorangetriebene "Germanisierung" für die Ermordung von Millionen Juden verantwortlich. Bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurde Rosenberg zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet.

Seine Tagebücher waren seit dieser Zeit verschwunden. Nach ICE-Angaben befanden sich die Aufzeichnungen im Besitz des deutschen Anwalts Robert Kempner, der während des Zweiten Weltkriegs in die USA geflohen war und später bei den Nürnberger Prozessen als US-Ankläger arbeitete. Anschließend habe Kempner unerlaubt Nazi-Dokumente zurück in die USA gebracht.

Nach Kempners Tod im Jahr 1993 tauchten einige Aufzeichnungen auf, der größte Teil der Tagebücher blieb aber verschollen. Im November 2012 erhielten die US-Behörden dann einen Hinweis von einem Mitarbeiter des Holocaust-Museums. "Die Rosenberg-Tagebücher wurden anschließend geortet und beschlagnahmt", erklärte die ICE, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Neue Erkenntnisse erhofft

Die handschriftlichen Aufzeichnungen stammen aus den Jahren 1934 bis 1944. Historiker erhoffen sich von den Tagebüchern neue Erkenntnisse über die Judenvernichtung im Dritten Reich. "Um zu verstehen, warum der Holocaust geschah, ist Material von großer Bedeutung, das sowohl das Handeln von Tätern als auch von Opfern dokumentiert", sagte Sara Bloomfield, Direktorin des Holocaust-Museums in Washington. (APA/red, derStandard.at, 13. 6. 2013)

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    Dieser an Alfred Rosenberg gerichtete Brief war Teil der nun in Delaware präsentierten Dokumente.

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    Aufnahme von Rosenberg in seiner Zelle während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse.

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