Kommunalkredit: Gutachten sieht Bilanztricks

13. Juni 2013, 15:57
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Bis zu 2,7 Milliarden Euro Eventualverbindlichkeiten sollen nicht ausgewiesen worden sein

Wien - In dem jahrelang geführten Ermittlungsverfahren rund um die riskanten Spekulationen der notverstaatlichten Kommunalkredit ist nun das Gutachten des Sachverständigen Gerhard Altenberger fertiggestellt. Der Sprecher der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, Erich Mayer, bestätigte einen dementsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins Format. Nun arbeite die WKStA an der Erstellung eines Vorhabensberichts. Genaueres könne er nicht sagen.

"Grundlegende Fehlinformation"

Das Format zitiert aus dem Gutachten, in dem die Geschäfte der Kommunalkredit von 2003 bis zur Notverstaatlichung 2008 durchleuchtet wurden. Das Gutachten belaste die früheren Verantwortlichen. So werde eine "wesentliche Fehldarstellung" des Konzernjahresergebnisses festgestellt. Demnach wurden Eventualverbindlichkeiten aus den sogenannten "Keep Well"-Vereinbarungen mit der Zypern-Tochter nicht ausgewiesen. Die Größenordnung sei zwischen 1,2 und 2,7 Milliarden Euro gelegen. Außerdem hätte aus Sicht des Sachverständigen angesichts der Verluste spätestens per Ende Juni 2008 ein Sonderbericht an den Aufsichtsrat erstellt hätte werden müssen, was aber nicht erfolgte. "Der Aufsichtsrat wurde ... grundlegend fehlinformiert", so der Gutachter laut dem Magazin.

Der Anwalt des Hauptbeschuldigten Ex-Bankvorstands Reinhard Platzer weist gegenüber dem Magazin alle Vorwürfe zurück. Andere Gutachten würden seinen Mandanten entlasten.

Die untersuchten Vorwürfe lauten auf Bilanzfälschung und Untreue, ob aber in einer eventuellen Anklage auch beides vorgeworfen werde sei noch unklar, so das Magazin. (APA, 13.6.2013)

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