Tabakhändler wehren sich gegen die EU

13. Juni 2013, 13:59
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Unterschriftenaktion gegen "Regulierungswut" der EU: Schockbilder und einheitliche Packungen sorgen für Aufruhr in der Branche

Die Tabakhändler laufen Sturm gegen die geplante EU-Tabakproduktrichtlinie. Einheitliche Packungen und Schockbilder zur Abschreckung lehnen sie ab. Deswegen lädt der Verband der Cigarren- und Pfeifenfachhändler (VCPÖ) zur Pressekonferenz. Im Wiener Palais Eschenbach wird also im Vorzimmer geraucht, im Salon stapeln sich Kartons mit Postkarten.

Über 100.000 Unterschriften wurden in Trafiken und online gesammelt – und zwar "gegen die Pläne der EU, uns alles vorzuschreiben". Unter dem Slogan "Liebe EU, es reicht" fordern die Tabakhändler ihre Kunden auf, Bundeskanzler Faymann und österreichischen EU-Abgeordneten vorgedruckte Postkarten zu schicken, die sich "gegen die Bevormundung in Form der unsinnigen Verbote" richten.

Tabakproduktrichtlinie

Im Dezember vergangenen Jahres präsentierte die EU-Kommission ihren Vorschlag für die neue Tabakproduktrichtlinie. Demnach sollen Packungen und Produkte standardisiert, auf 75 Prozent der Schachteln Schockbilder von Raucherlungen oder Krebsgeschwüren aufgebracht, Aromen wie Menthol oder Vanille verboten werden. Die Richtlinie muss von den EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert werden. Bis sie gilt, dürften noch mindestens drei Jahre vergehen.

Die Branche befürchtet Umsatzeinbrüche und damit verbunden auch den Verlust von Arbeitsplätzen. Andererseits glaubt man in der Tabakbranche nicht wirklich, dass die Schockbilder wirklich jemanden vom Rauchen abhalten. "Wir sind auf dem Weg zur Prohibition bei Zigaretten und Tabakwaren", so Wilhelm Gröbner, VCPÖ-Vizepräsident und Trafikant. Und das sei nur der Anfang. Geht die Tabakproduktrichtlinie durch, dann öffne das Tür und Tor für die Regulierung anderer Bereiche, sorgt sich Gröbner.

Australien als Vorreiter

Die Schocktherapie mit den Bildern auf den Zigarettenpackungen hat zum Beispiel Australien schon eingeführt. Sogar in der verschärften Variante: Alle Zigaretten - egal welcher Marke - haben die gleiche olivgrüne Verpackung mit großen Warnungen vor dem Rauchen. Unterscheiden lassen sich die Schachteln nur durch den Markennamen. Überhaupt wird in Australien hart gegen das Rauchen gekämpft, auch Werbung ist quasi völlig verboten. Mit Erfolg: Der Anteil der Raucher halbierte sich nach Angaben der Anti-Raucher-Organisation ASH in den vergangenen dreißig Jahren. (rom, derStandard.at, 13.6.2013)

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    So sehen australische Zigarettenschachteln aus. Geht es nach der EU, könnten auch in heimischen Trafiken bald solche Schachteln stehen.

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