Internationaler Fälscherring ausgehoben

Millionenschaden durch auf Gemälde der russischen Avantgarde spezialisierte Bande

Wiesbaden - Eine internationale Kunstfälscherbande ist bei Razzien in Deutschland, der Schweiz und Israel zerschlagen worden. Die sechs Verdächtigen sollen mehr als 400 wertvolle Gemälde im Stil der Russischen Avantgarde gefälscht und für viele Millionen Euro verkauft haben. Die Hauptbeschuldigten, ein Deutsch-Tunesier und ein Israeli, wurden in Wiesbaden festgenommen und in U-Haft genommen, wie das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstag berichtete.

Die Bande soll den Stil der Russischen Avantgarde nachgeahmt und so Gemälde von Künstlern wie Wassily Kandinsky, Natalia Goncharova, Kazimir Malevich, Alexej von Jawlensky und Mikhail Larionov gefälscht haben. Die Werke statteten sie mit Echtheitszertifikaten aus, um den Eindruck zu erwecken, es handle sich um bisher unbekannte Gemälde der Künstlergruppe. Die Fälschungen wurden in Deutschland sowie im Ausland verkauft und ausgestellt. Den überwiegenden Teil kauften oder ersteigerten private Sammler.

Über 400 Verkäufe

Die Ermittler stellten bei Durchsuchungen in sechs Bundesländern am Mittwoch und Donnerstag mehr als 1.000 gefälschte Gemälde, Verkaufsunterlagen und Provenienzen sowie Schmuck- und Wertgegenstände sicher.  Die rund 100 Beamten des BKA und der Polizei durchkämmten insgesamt 28 Wohnungen, Geschäftsräume, Lager und Kunstgalerien in Wiesbaden, Mainz, Stuttgart, München, Hamburg und Köln. Die beiden mutmaßlichen Köpfe der Bande, 41 und 67 Jahre alt, waren mit Haftbefehlen gesucht und in ihren Wiesbadener Wohnungen festgenommen worden. Die anderen mutmaßlichen Täter stammen aus Russland und Israel. Ergebnisse der Durchsuchungen in der Schweiz und Israel lagen zunächst noch nicht vor.

Mehr als 400 gefälschte Bilder wurden den Ermittlungen zufolge insgesamt seit 2005 für vier- bis siebenstellige Eurobeträge verkauft. Die beiden Hauptverdächtigen sollen allein in den vergangenen zwei Jahren Fälschungen für mehr als zwei Millionen Euro an Kunden in Deutschland und Spanien verkauft haben. "Uns ist mit diesen Ermittlungen ein wichtiger Schlag gegen die international agierende Fälscherszene gelungen", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Er lobte die staatenübergreifende Kooperation der Strafverfolger und die enge Abstimmung mit der Schweiz und Israel. Von dort waren laut Staatsanwaltschaft wichtige Hinweise auf die Betrüger gekommen. (APA, 13.6.2013)

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