Torlinientechnik in Brasilien

13. Juni 2013, 13:00
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Kleines deutsches Unternehmen GoalControl liefert bei ConfedCup die Technologie und hofft auch auf WM-Einsatz - In Österreichs Profiligen derzeit aus Kostengründen noch kein Thema

Eigentlich wollte ein kleines deutsches Provinz-Unternehmen nur testen, was bei der Torlinientechnik geht. Jetzt schreibt GoalControl beim Confederations Cup in Brasilien Fußballgeschichte. Die Firma aus Würselen bei Aachen machte bei der FIFA das Rennen und führt bei der WM-Generalprobe "Confederations Cup" (15.- 30. Juni) die Torlinientechnik ein. Wenn im legendären Maracana von Rio de Janeiro und den fünf weiteren Arenen alles klappt, ist Goalcontrol auch bei der WM im Sommer 2014 dabei.

"Der Confed Cup ist für uns die WM. Es wird kein nächstes Jahr geben, wenn wir jetzt nicht Vollgas geben", ist GoalControl-Geschäftsführer Dirk Broichhausen überzeugt. Alles hatte vor Jahren mit seinem Ärger über eine Schiedsrichter-Fehlentscheidung begonnen, danach nahmen die Dinge im damaligen Unternehmen, das kamerabasierte Systeme entwickelte, um Fehler bei der Produktion von Gummi- und Kunststoffteilen zu erkennen, ihren Lauf. Ende 2012 wurde für das neue Geschäftsfeld GoalControl gegründet.

Der Fußball-Weltverband (FIFA) hatte seinerzeit die elektrische Torüberwachung eigentlich schon abgehakt. Präsident Joseph Blatter wollte sie damals nicht. Erste Tests mit einem Chip im Ball verliefen mäßig. Das kleine hoch motivierte Team in Würselen legte trotzdem los - Maschinenbauingenieure, Informatiker, Elektrotechniker. Auch in der Freizeit, nach Feierabend auf der Wiese, im kleinen Rahmen, mit Bordmitteln. "Wir wussten, dass wir eine super Technik haben", erklärte Broichhausen.

Bei der FIFA drehte sich die Stimmung. Beim WM-Achtelfinale 2010 zwischen Deutschland und England (4:1) hatte der Schiedsrichter ein Tor des Engländers Frank Lampard nicht gegeben. Die ganze Welt erkannte den Fauxpas. Seitdem sagt auch Blatter ganz klar: "Torlinientechnik ist eine Notwendigkeit", ganz im Gegensatz zu UEFA-Boss Michel Platini. Beim Bieterverfahren setzte sich GoalControl gegen Mitbewerber durch, die auf Unterstützung großer Unternehmen wie Sony oder Adidas bauen können, die auch noch FIFA-Sponsor sind.

GoalControl montiert auf jeweils einer Torseite sieben Hochgeschwindigkeits-Kameras unter dem Stadiondach und verbindet sie per Glasfaserkabel mit dem Kontrollraum. "Wenn der Ball in den Strafraum eintritt, dann muss das Kamerasystem entscheiden, das ist der Ball". Klingt banal, ist aber ein komplexer Vorgang mit einer gigantischen Datenmenge. Ein Ball und kein Kopf oder eine Kappe.

Das System kennt die genaue Position des Balles, der Torlinie und des Torrahmens. Wenn der Ball über die Torlinie geht, bekommt der Schiedsrichter innerhalb einer Sekunde ein Signal auf seine Armbanduhr.

In Brasilien präparieren Mitarbeiter der GoalControl mit lokalen Kräften die sechs Stadien für den Confed Cup. Auch die englische Premier League wird in der kommenden Saison die Torlinientechnik einführen, allerdings das von Sony betriebene Hawk-Eye-System nutzen.

Mit einer Einführung in der deutschen Bundesliga wird, wenn überhaupt, frühestens 2014/15 gerechnet. Der ÖFB bezeichnete im Vorjahr eine zeitnahe Umsetzung der Torlinientechnologie in den österreichischen Profiligen wegen der noch sehr hohen Kosten als unrealistisch, daran hat sich nichts geändert. (APA; 13.6.2013)

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