Hühnerhaut schlägt Qualle

Ansichtssache18. Juni 2013, 16:57
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Hongkongs strahlendster Chinese, nichts wie Heen: Beim saftigsten Federviehfitzel überhaupt sieht der Fidler drei Sterne - mindestens

Den ersten Stern bekommt Martha. Für den beherzten Pfeifmirnichtsvorschlag: Na wenn Hongkongs bestbesternter Kantonese  abends keinen Tisch mehr hat, bis du abreist, dann gehen wir eben lunchen. Jetzt. So gegen 14 Uhr haben die noch Betrieb, aber der erste Schwung ist jedenfalls weg. Frechheit siegt.

Die Strategie würde bei den unfassbar günstigen einfachen Michelin-Sternschuppen Hongkongs - dazu demnächst mehr hier - nicht aufgehen. Dort, zum Beispiel bei Tim Ho Wan, stellt man sich in jeder der meist besternten Filialen schon eine Weile an, bis man an die ebenso hoch spannenden wie recht bescheiden bepreisten Dim Sum kommt. Bei Lung King Heen hingegen kommt man mit dem Lunchüberfall gut durch.

Schmatz!

Ein chinesisches Lokal in ganz Hongkong schafft bei den Michelin-Männchen drei Sterne. Nichts wie Heen also ins Four Seasons. Für hiesige Verhältnisse fast ebenerdig, Blick auf den Hafen, Kowloon und auf eine zwischenmenschliche Anbahnung, wie sie sich wenige leisten können oder wollen.

Und der widmen wir uns, bevor wir zum Wesentlichen kommen: Mann, relativ jung, relativ nervös wartet in bester Aussichtslage. Mädchen, sehrsehr jung, sehrsehr gestylt, trudelt nach mitgefühlten vier Stunden doch ein. Physisch. Alle Aufmerksamkeit gilt ihrem doch recht raumgreifenden Smartphone. Bis der recht junge, gar nicht unangenehm wirkende Mann eine Schatulle mit einem Collier auf den Tisch stellt. Nun darf er sie mit dem gewaltigen Smartphone (und dem Collier) fotografieren. Nicht nur einmal.

Ja, ein paar Bissen hat der Schmachtende auch gegessen. Und sie sogar. Trotz geschätzter Kleidergröße 30 (sagte Martha). Ihr beeindruckend unstylishes Schmatzen hat's verraten.

Tea Time

Möglicherweise hätte er vom Executive Lunch mehr gehabt. Ich jedenfalls kann es wärmstens empfehlen. Und wenn Sie nicht, wie ich und Martha, den handstreichartig eroberten Tisch mit zwei Gläschen Laurent Perrier Rose Jahrgangschampagner begießen und zum Beispiel einfach beim Tee bleiben, wie wir danach und wie es sich mittags ohnehin geziemt: Dann kann man ziemlich günstig aussteigen.

Wenn man das ohnehin schon sensationelle Einsterneessen hier (jedenfalls so üppig konsumiert wie wir) mit drei multipliziert wie die Sterne, geht sich der Mittagstisch bei Lung King Heen schon ganz gut aus: 46,50 Euro. Moment, für den Preis hatten wir letztens so manches Gutes und Besseres in Wien. Gut, die Anreise...

Aber gehen wir's endlich an...

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foto: harald fidler

Warten auf die junge Diva - der Verehrer am Fensterplatz im Lung King Heen.

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