Swatch-Künstleredition: Dämonen am Gelenk

    17. Juni 2013, 17:52
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    Die Künstlereditionen von Swatch sind legendär - Jene der Biennale in Venedig erwacht am Handy zum Leben

    Kunst am Handgelenk? So wirklich sicher ist José Carlos Casado nicht, ob man die bunte Plastikuhr, die er anlässlich der gerade gestarteten Biennale in Venedig designt hat, mit dem Kunstetikett belegen kann. Die korrektere Beschreibung wäre wohl: Die Uhr verdeutlicht ziemlich gut, womit sich der spanische Künstler auseinandersetzt. Aber ob die Uhr auch selbst ein Kunstwerk ist? Da gehen die Meinungen natürlich auseinander.

    Eine ganze Woche lang, sagt der spanische Künstler, habe er sich überlegt, ob er die Einladung von Swatch annehmen solle, sich in die lange Reihe jener Künstler einzuordnen, die bereits mit dem Schweizer Uhrengiganten zusammengearbeitet hatte. Die Kooperation von Kunst und Kommerz, das ist immer noch eine äußerst diffizile Angelegenheit. Dabei würde auch die weltgrößte Kunstausstellung ohne die finanzkräftige Unterstützung von Sponsoren anders aussehen - vor allem ohne die Unterstützung des Uhrengiganten Swatch, der auch in diesem Jahr der alleinige Hauptsponsor der Biennale ist.

    Die Maße der Uhr

    Während andere Luxusfirmen in Venedig mit eigenen Ausstellungen (zum Beispiel die Fondazione Prada) oder schlichtweg in Form von Partys präsent sind (etwa Trussardi), setzt Swatch in erster Linie auf die eigenen Produkte. Und die fungieren auch im 30. Jahre des Bestehens der Marke noch immer wie so etwas wie eine Leinwand am Handgelenk. "Wir lassen den Künstlern komplett freie Hand, erzählt Carlo Giordanetti, der Kreativdirektor der Marke: "Aber eines müssen sie respektieren: Die Maße der Uhr." Sie dürfen nicht verändert werden.

    Doch zurück zu Casado: Er hat sich über die Beschränkungen des Objekts auf ziemlich clevere Art und Weise hinweggesetzt. Die phantasmagorische Gestaltung der Uhr mit dem schwarzen Tortenstück auf dem Ziffernblatt (soll die Ruhezeit angeben, die man sich gönnen sollte), ist nämlich nur der halbe, weniger aufregende Teil seiner Kreation. Der andere entfaltet sich erst, wenn man die App zur Uhr auf sein Handy geladen hat und den Kontakt zwischen Plastikuhr und Telefon hergestellt hat. Dann erwacht die Uhr nämlich zum Leben und amorphe, von der Uhr gestaltete und geleitete Gebilde wandern über das Display. Ob man denn die als Kunst bezeichnen könnte? Das wird jeder für sich selbst entscheiden müssen. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 14.6.2013)

    Der Autor war als Gast von Swatch in Venedig.

    • Die limitierte Edition der Uhr gibt es ausschließlich in Venedig, zusätzliche 8.000 Stück werden weltweit verkauft.
      foto: hersteller

      Die limitierte Edition der Uhr gibt es ausschließlich in Venedig, zusätzliche 8.000 Stück werden weltweit verkauft.

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