Prantner interviewt Pröll

    12. Juni 2013, 22:09
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    Haltlose Küniglberger Spekulationen in Vorwahlzeiten - ein Zwischenstand, gewiss unvollständig

    Spezialführung durch die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums vorigen Donnerstag, Freitagvormittag Besuch des Ordensgenerals der Societas Jesu, am Sonntag mit selbigem eine Festmesse in St. Stephan, am Dienstag Lesung von Robert Menasse: Im Club der Absolventen des Kollegiums Kalksburg gibts ständig was zu tun. Donnerstag für Thomas Prantner. 

    Prantner und Pröll

    Der Vize von ORF-Technikdirektor Michael Götzhaber und Hauptabteilungsleiter Online in der Direktion ist einer von wenigen, die  schon Journalist als Berufsbezeichnung geführt haben. Darauf gründet sich wohl, dass Prantner beim AKV Mittagstisch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll interviewte. Thema laut Programm: Braucht Österreich noch Bundesländer? Diskussion über einen modernen Föderalismus und andere interessante Fragen im Wahljahr 2013.

    Ein Kontakt, der im Nationalratswahljahr jedenfalls nicht schaden sollte. Solche Wahlen ordnen nicht selten auch den ORF ein wenig um. 

    Bürgerlich...

    Prantner positionierte sich schon bei der letzten ORF-Wahl 2011 tunlichst als bürgerlich. Er gilt im ORF vor allem als Verbinder zwischen Küniglberg und den freiheitlichen Lagern, der FPÖ unter Heinz-Christian Strache, aber auch zum BZÖ. Der frühere ORF-Marketingchef und intensive Networker pflegt aber Kontakte zu allen Couleurs. Er sondierte schon in den 1990ern für Gerhard Zeiler und Andreas Rudas bei Zeilers Konkurrent um die ORF-Führung. 

    ... und bürgerlicher

    Prantners Schwiegervater ist Helmut Mödlhammer, schwarzer Langzeitpräsident des Gemeindebundes im Bundesland Salzburg. Vielleicht wird Prantner auch deshalb immer wieder als Kandidat für die ORF-Landesdirektion Salzburg gehandelt, auch jetzt will mancher im ORF davon wieder gehört haben. Für den Fall, dass die ORF-Technik über eine gröbere Strukturreform (bei weiterem Sparen nach der Wahl, einem neuen ORF-Gesetz, Revirements) ausgegliedert oder etwa der kaufmännischen Direktion zugeschlagen würde. 

    Andere Küniglberger nennen Prantner wieder als möglichen Technikdirektor statt Michael Götzhaber, wenn Strache in der nächsten Regierung eine Rolle spielt. Bei einer bürgerlichen Regierung würde wohl Richard Grasl Richtung General aufsteigen. Der stieg mit dem Rückenwind jenes Mannes 2010 vom Chefredakteur des Landesstudios Niederösterreich zum Finanzdirektor auf, den Prantner Donnerstag für die Kalksburger befragt.

    Kärntner Kollegen

    Den roten Technikdirektor Götzhaber wollen ORF-ler schon jetzt vermehrt in seinem Heimatlandesstudio Kärnten sichten. Wie schon mehrfach spekulieren sie über die Landesdirektion für Götzhaber. Dafür müsste freilich die erst 2011 gewählte Karin Bernhard verzichten oder abgewählt werden - mit welcher Begründung auch immer.

    Die Suche nach solchen Gründen sagen kundige ORF-Verschwörungstheoretiker und -praktiker führenden ORF-Menschen auch für Kathrin Zechner nach - wegen Quotenschwundes etwa, mangelnder politischer Rücksicht womöglich oder gar wegen unterstellter Aufstiegsambitionen. Abgeleitet wird dieser Verdacht wohl auch aus überraschend heftigen Angriffen einzelner Medien.

    Amons Reserve

    Und der den Sozialdemokraten zugerechnete Radiodirektor Karl Amon? Dem sagen manche im ORF reserviert-gelassenes Auftreten gegenüber Sparkonzepten nach. Daraus leiten wieder andere ORF-Verschwörungsprofis ab, der Wunschkandidat Werner Faymanns für die Ablöse von Alexander Wrabetz 2008/9 solle nun doch nach der Wahl General werden, wenn Faymann da entsprechendes Sagen hat. Amon hat 2009 abgewunken, die SPÖ unter Faymann schwor sich 2011 gegen Gerhard Zeiler und doch wieder auf Wrabetz ein. Amons Auftreten gegenüber Sparkonzepten könnte natürlich auch einfach daran liegen, dass Amon eben Amon ist.

    Zuletzt befragte Prantner wie berichtet in einem internen Mailwechsel einen bekannten Bürgerlichen, der auch einmal im ORF viel zu sagen hatte: Kurt Bergmann, ehemaliger Manager von ÖVP-Parlamentsklub und ORF, hatte an einen hochrangigen ORF-Verteiler einen Link geschickt zu Bergmanns Reaktion auf den Gastkommentar von Armin Wolf im STANDARD (Lasst das Los entscheiden).

    An einem Samstag fragte Prantner Bergmann (und mit Gruß an alle im Verteiler) recht schroff: "Warum wird Armin Wolf so wichtig gemacht? Nur weil er GD werden will ? Unser GD heisst Alex Wrabetz und das ist gut so." Am Montag ersuchte Prantner dann wie berichtet in die Runde, das Mail als gegenstandslos zu betrachten.

    Losentscheid

    Wolf, wieder eine Woche später: "lieber herr prantner, entspannen sie sich! ich will nicht gd werden. insofern ist ihr mail tatsächlich gegenstandslos." Auch ein Losentscheid, quasi.

    Würde man den gerade wieder munter hochkochenden Spekulationen (noch ohne potenzielle Außenkandidaten) glauben - Wolf wäre damit eine echte Ausnahmeerscheinung im und um den ORF.

    Vielleicht wurde Landeshauptmann und ÖVP-Grande Erwin Pröll ja nach einer fundierten Prognose gefragt - und vielleicht findet ja noch sie den Weg hierher.

     

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