Peter Stöger: In Favoriten geerdet, in Köln gefordert

Kopf des Tages12. Juni 2013, 19:00
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Austrias Meistertrainer coacht in Zukunft den 1. FC Köln

Anton Polster hat vordergründig besser zum 1. FC Köln, zum Spaßverein der deutschen Bundesliga gepasst. Im Karneval mit den Fabulösen Thekenschlampen "Viva Colonia" zu grölen, wie seinerzeit der langjährige Nationalteam-Kollege in dessen zweiten Spielerfrühling, wäre Peter Stögers Sache nicht. Obwohl, der 47-jährige Favoritner, der nach dem Meistertitel der Austria und längerem Tauziehen zwischen den Vereinen das Training beim deutschen Zweitligisten übernimmt, ist klug genug, seine Mitmenschen nicht vor den Kopf zu stoßen - die Würde muss gewahrt bleiben.

Als Spielerpersönlichkeit ähnelte Stöger eher einem anderen österreichischen Köln-Legionär, nämlich Ernst Ocwirk, wie Polster einer der elf Jahrhundert-Austrianer, einer der besten zentralen Mittelfeldspieler seiner Zeit und gegen Ende seiner Karriere für eine Saison bei den Geißböcken engagiert. Wie Ocwirk zählte Stöger nie zu den Lauten, er übte und übt abseits des Platzes Zurückhaltung. Über Eskapaden wurde nichts bekannt.

Stöger absolvierte 65 Länderspiele (15 Tore) und schmückte unter Coach Herbert Prohaska die WM 1998. Als Nachfolger des zurückgetretenen Prohaska war Stöger, der sein Fußwerk beim FavAC erlernte, zur Austria gekommen. Mit ihr gewann er drei Meistertitel. Einer folgte noch mit Rapid. Mit den Hütteldorfern erreichte er 1996 das Finale des inzwischen verblichenen Cups der Cupsieger, das in Brüssel 0:1 gegen Paris SG verloren ging.

Ein Makel blieb bis zum Karriereende 2005: Den Sprung ins Ausland hat der Spieler Stöger nicht gewagt. Zumindest ein Angebot von Frankfurt ist verbürgt.

Seine Leistungen als Trainer boten Stöger die Chance, diese Scharte auszuwetzen. Als Coach und Sportdirektor war er an der Seite von Frenkie Schinkels schon 2006 Meister mit der Austria gewesen. Drei Monate später war das Duo Geschichte, auch eine Lehre für Stöger, der sich vor allem mit den nichtfußballerischen Aspekten seines Berufs auseinandersetzt. Teambuilding und die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler ist ihm ebenso wichtig wie deren taktische Schulung. Respekt und Fairness stehen an oberster Stelle. Dazu findet der unter Flugangst leidende Ex-TV- Experte stets geeignete Worte.

Nach Köln zieht Stöger mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Ulrike Kriegler. Die Schauspielerin und Tänzerin versucht sich als Kabarettistin. Auch so gesehen passt das mit Stöger und dem Spaßverein. (Sigi Lützow, DER STANDARD 13.06.2013)

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