Gabmann wollte Pensionslücke auffüllen

12. Juni 2013, 18:43
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Ex-Flughafen-Kontrollor beim Verfahren Gabmann gegen Flughafen Wien AG als Zeuge - Ansinnen für Aufsichtsrat "unverschämt"

Wien - Beim Verfahren Ernest Gabmann gegen die Flughafen Wien AG herrschte am Mittwoch Frohsinn. Flughafen-Anwalt Helmut Engelbrecht hatte privaten Grund zur Freude, wie er erzählte - was der Richter am Landesgericht Korneuburg flugs nützte, um einen Vergleich anzuregen. Vergeblich. Gabmann will weiterhin 743.000 Euro. Er habe 2010 der Verkürzung seines Vorstandsvertrags (bis 2011 statt bis 2014) nur zugestimmt, weil ihm ein Konsulentenvertrag versprochen war. Er will behandelt werden wie seine Exkollegen Herbert Kaufmann und Gerhard Schmid, die Konsulentenverträge ausgefasst haben.

Auf der Suche nach der Wahrheit wurde Franz Lauer als Zeuge vernommen; er war bis Ende April im Aufsichtsrat der Gesellschaft, an der Land Niederösterreich und Stadt Wien maßgeblich beteiligt sind. Rund drei Stunden wurde der 72-jährige Exvizechef der Wiener-Städtischen befragt. Von einer Zusage für einen Beratervertrag will er nichts wissen.

Seine Schilderungen schmeicheln dem früheren Vizelandeshauptmann von Niederösterreich (bis 2009; danach kam er zum Flughafen) nicht. Im Aufsichtsrat habe "latente Unzufriedenheit" mit Gabmann geherrscht, "er war schlecht vorbereitet, hat auf Zwischenfragen nicht geantwortet und sehr eigenwillig agiert".

In der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am 15. Dezember 2010 habe der Aufsichtsrat unter Christoph Herbst dann so über den Dreiervorstand entschieden: "Entweder gehen alle oder keiner. Herbst bekam die Ermächtigung, die Auflösungsgespräche mit den Vorständen zu führen."

Kosulentenvertrag erwünscht

Dazu wurde die Sitzung unterbrochen. Danach habe Herbst dem Aufsichtsrat von der Einigung (Auflösung per Ende 2011) berichtet, Gabmann sei dann aber gekommen und "wollte einen Konsulentenvertrag wie Schmid und Kaufmann". Aber: "Im Aufsichtsrat konnte sich niemand vorstellen, welche sinnvolle und nützliche Tätigkeit er erbringen hätte können. Die Bereitschaft des Aufsichtsrats zu so einer Lösung war sehr, sehr reduziert", so Lauer.

Der Ex-Politiker habe dann eine weitere Alternative präsentiert. "Er sagte, seine Politikerpension sei noch nicht am Limit, da fehlten noch 3000 bis 3500 Euro. Bekäme er die von Flughafen, würde er auf den Konsulentenvertrag verzichten", schilderte der Zeuge. Die Reaktion des Aufsichtsrats: "Wir haben das, vorsichtig formuliert, als unverschämt empfunden und rigoros abgelehnt."

Gabmann unterschrieb in der Sitzung dann jedenfalls eine Auflösungsvereinbarung; den Text kennt Ex-Kontrollor Lauer nicht. Sein Eindruck: "Gabmann hat die Auflösung des Vertrags akzeptiert. Er wollte einen Konsulentenvertrag, die Gespräche darüber waren aber noch offen. Dieser Vertrag war aber keine Conditio sine qua non für ihn. Es war eine Einigung mit Fragezeichen."

Daran, wie sich Gabmann aus der Sitzung damals verabschiedet hat, konnte sich der Zeuge nicht erinnern. Im Protokoll ist es so festgehalten: " Gabmann bedankt sich für die Lösung und wird sich weiterhin mit voller Kraft und Energie für die Flughafen AG einsetzen." Ex-Kontrollor Lauer unromantisch: "Wir waren damals nach fünfzehn Stunden Sitzung froh, dass das alles aus war." (Renate Graber, DER STANDARD, 13.6.2013)

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    Als Ernest Gabmann noch Flughafen-Chef war entstand dieses Foto.

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