"Er blickt über den Tellerrand hinaus"

Gespräch12. Juni 2013, 18:36
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Thomas Janeschitz ist in Österreich für die Trainerausbild- ung zuständig. Ihn freut der Transfer von Stöger zu Köln sehr. Einen Trend sieht er freilich nicht

Wien - Thomas Janeschitz schlägt keine Purzelbäume, der 46-jährige Wiener sagt aber schon, dass der Wechsel von Peter Stöger zum FC Köln "etwas sehr Positives ist. Er hebt den Stellenwert des österreichischen Fußballs. Zumindest ein bisserl." Janeschitz ist Assistent von Teamchef Marcel Koller und seit 2009 beim ÖFB für die Trainerausbildung zuständig. Er ersetzte in dieser Funktion Paul Gludovatz. Der Lehrer würde nie behaupten, dass es Stöger "dank unserer tollen Kurse" geschafft hat. "Ich sage nur, dass die Ausbildung mittlerweile fundiert und auf internationalem Niveau ist."

Momentan büffeln aktive Profis wie Steffen Hofmann, Stefan Maierhofer, Helge Payer und Markus Katzer für den Trainerschein. Die sogenannte Pro-Lizenz (mit der kann man theoretisch auch Real Madrid coachen) erwirbt man nach rund sechs Jahren. Janeschitz ortet einen Sinneswandel. "Die Schüler sagen nicht mehr, ich weiß eh alles, sie sind bereit, sich zu bilden. Auch jene, die bekannt sind, scheuen nicht davor zurück, den Beruf von der Pike auf zu lernen. Zum Beispiel bei Nachwuchsteams."

Eine Ausnahme

Stöger zählt trotzdem zu den Ausnahmen. Die Welt ist nicht gerade übersät mit Österreichern. Peter Pacult arbeitet bei Dynamo Dresden, Rene Pauritsch ist Teamchef der Kleinmacht Liechtenstein. Josef Hickersberger verschlägt es regelmäßig in den arabischen Raum. Janeschitz: "Das war es dann. Von einem Boom sind wir meilenweit entfernt, wir haben nicht die Tradition der Niederländer oder Deutschen." Während es für halbwegs begabte Fußballer leichter wurde, im Ausland unterzukommen, bleibt die Nachfrage nach Trainern bescheiden. "Unsere Liga ist halt keine Bühne. Man muss schon etwas Außergewöhnliches leisten, um aufzufallen." Bei Stöger waren es Meistertitel samt Punkterekord mit der Wiener Austria.

Janeschitz erinnert an die Suche nach einem Teamchef, als es um die Nachfolge von Dietmar Constantini ging. "Es gab keinen Kandidaten im eigenen Land, der das komplette Anforderungsprofil des Verbandes nur halbwegs erfüllt hätte." Der Schweizer Koller profitierte davon.

Die Philosophie

Dass nun Stöger den Sprung geschafft hat, überrascht Janeschitz nicht. Man kennt einander aus gemeinsamen Zeiten bei der Austria. "Er hat eine eigene Handschrift, einen eigenen Stil, eine eigene Philosophie. Er erfüllt alle Voraussetzungen, ist Manager, Teamleiter, Kommunikator, er kann auch delegieren. Stöger stellt in der Medienlandschaft seinen Mann, genießt das Vertrauen der Spieler. Und er blickt über den Tellerrand hinaus."

Generell haben jene, die als Fußballer international zumindest nicht ignoriert wurden, bessere Chancen auf einen Trainerjob bei einem Profiverein. Zunächst einmal im Inland. Janeschitz: "Es gibt mehr Anwärter als Arbeitsplätze. Der Konkurrenzkampf ist enorm. Bist du bekannt, ist das sicher ein Startvorteil. Man wird schneller ins kalte Wasser geworfen. Ob einer dann tatsächlich schwimmen kann, wird sich erst weisen. Oft sind billige Lösungen die besten und teure die schlechtesten."

Janeschitz wünscht Stöger "alles Gute. Es kann unseren Fußball weiterbringen." Die Nationalmannschaft habe zuletzt mit guten Leistungen und Ergebnissen Beiträge zur Imageverbesserung geliefert. "Einige Legionäre wurden ja in Österreich ausgebildet, das vergisst man leicht." Janeschitz betont, "dass wir nicht schuld an Stögers Transfer sind. Aber eventuell konnten wir einen kleinen Beitrag liefern." (Christian Hackl, DER STANDARD, 13.6.2013)

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    Peter Stöger ist eine Ausnahme in der österreichischen Trainergilde.

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    Für Janeschitz ist Stöger noch die Ausnahme der Regel.

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