Eine Dynastie der Frustrierten

12. Juni 2013, 18:39
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Alexander Pereira ist nicht der erste Intendant, dem das Salzburger Festspielmilieu Probleme bescherte

Salzburg - Er sei an Nackenschläge gewöhnt, doch in Salzburg habe er fast seinen Enthusiasmus verloren und angefangen, misstrauisch zu werden: "Das bekommt meiner Seele nicht." Das sagt nicht Salzburgs noch amtierender Festspielintendant Alexander Pereira, der im Herbst 2014 vorzeitig abtreten muss, weil er ab 2015 die Mailänder Scala leiten wird. Das sagte sein Vorgänger Jürgen Flimm; auch er verließ Salzburg vor Vertragsende.

Weil sein Vorgänger Peter Ruzicka (2002-2006) nicht verlängern wollte, war Flimm, der schon von 2001 bis 2004 als Schauspielchef werkte, ehe er in dieser Rolle von Martin Kusej abgelöst wurde (der wiederum ein Jahr später entnervt das Handtuch warf) einigermaßen überraschend zum Intendanten avanciert.

Eine Geschichte, die sich nun zu wiederholen scheint: Alexander Pereira tritt vorzeitig ab und Sven-Eric Bechtolf, von Pereira als Abteilungsleiter für Schauspiel installiert, an seine Stelle. Noch vor einem Jahr hatte Pereiras Vertrauter aus Zürcher Opernzeiten im Standard-Gespräch bekräftigt, wenn der Intendant gehe, würde auch er " sein Köfferchen packen". Nun bleibt Bechtolf doch. Aber er wird nicht zum (Interims-)Intendanten gekrönt, dafür müsste die Position ausgeschrieben werden. Das Neo-Mitglied des Festspieldirektoriums - die Geschäftsordnung soll per Umlaufbeschluss entsprechend geändert werden - wurde zum künstlerischen Leiter der Festspiele befördert. Ein ziemlicher Stressjob, will er nebenbei auch Theater spielen und inszenieren. Hilfe fürs Schauspielressort will er sich nicht holen. Pereira ist als Ratgeber aus dem Spiel, wenn er in drei Wochen seine Programm- und Budgetplanungen (und die Verantwortung) für 2015/16 an Bechtolf übergibt. Dass Highlights wie etwa 2015 Tschaikowskis Pique Dame, dirigiert von Mariss Jansons, oder Riccardo Mutis Rückkehr auf die Salzburger Opernbühne mit Verdis Forza del destino nicht dem vorzeitigen Intendantenwechsel zum Opfer fallen, ist eher nicht zu befürchten.

Pereira selbst, der sich zu Vorgängen im Kuratorium nicht äußert, will für geleistete Vorarbeiten keine Abgeltung: "So bin ich nicht gestrickt. Schluss ist Schluss." Er werde sich voller Elan 2013 und 14 widmen und ab Herbst 2014 auf die Mailänder Scala konzentrieren. Die Saison 2014, sagt er, sei finanziert, von den veranschlagten 17 Millionen Euro Sponsorengeldern würden nur noch 800.000 fehlen: "Aber da können Sie mir glauben, dass ich die locker aufstellen kann."

Doch um die finanzielle Zukunft der Festspiele macht er sich Sorgen: " Unser Verwaltungsdirektor hat eine sehr interessante Rechnung aufgestellt und angenommen, dass wir die Saison 2011 exakt und ohne jede Erweiterung auf 2013 umlegen. Das würde heute um 4,75 Millionen Euro mehr kosten! Das hat nichts mit meiner Expansionspolitik zu tun, sondern mit der Inflation. Weitere 1,5 Millionen entfallen, weil die Festspiele Credit Suisse und Uniqa verloren haben. Das Loch von 2011 auf 2013 beträgt also 6,3 Millionen Euro, dazu kommen jährliche Tariflohnerhöhungen von 1,2 Millionen Euro. Gleicht der Staat das nicht aus, fehlen bis 2016 13 Mio. Euro."

Der neue starke Mann in Salzburg wird vermutlich (wieder) eine Frau: Helga Rabl-Stadler, die seit 1995 als Festspiel-Präsidentin schon einige Intendanten kommen und (vorzeitig) wieder gehen gesehen hat, wurde ausdrücklich gebeten, sich neuerlich um die Präsidentschaft zu bewerben. Eigentlich hatte sie 2014 in Pension gehen sollen. Stattdessen geht Pereira. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 13.6.2013)

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    Noch-Intendant Alexander Pereira.

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