Neulich im Sternenkreis

12. Juni 2013, 17:10
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Es ist auf dem Planeten Erde in der mitteleuropäischen Zeitzone Dienstag, 22.25 Uhr

Der Synthesizer stammt aus der blechernen Phase des Austropop. Er wurde mit Sounds programmiert, zu denen die Ösi-Aliens von Ganymed in der Erdzeit der 1970er-Jahre über den Zusammenhang von Rüsselmasken und halluzinogenen Discodrogen sinnierten (Music takes me higher!). Aus diesen Fanfarenklängen für sexuelles Tanzen bastelte man eine bis hinaus zum Todesstern schmetternde Hymne. Täterätatä! Zu dieser kommt nun eine "Isabella Krassnitzer" von ihr aus gesehen von rechts, für uns Humanoide, die wir noch nicht die Technik des holografischen Rundumfernsehens besitzen, von links ins Bild. Die blonde Moderatorin trägt ein spaciges Schlauchkostüm mit eckigem Zebramuster.

Es ist auf dem Planeten Erde in der mitteleuropäischen Zeitzone Dienstag, 22.25 Uhr. Die Gewinnzahlen der Euromillionen werden gleich auf dem veralteten, aber noch immer funktionstüchtigen Sender ORF 2 bekanntgegeben werden. Fünf Zahlen aus 50 werden gezogen sowie parallel dazu "zwei eines Sternenkreises von 1 bis 11". In der Abteilung für die Überwachung sinnloser Planeten wird man jetzt langsam auf die Erde aufmerksam.

Die Ziehung erledigen immerhin zwei Zahlenroboter, gegen die R2D2 wirkt wie ein von Menschen des Lithiumzeitalters zusammengeschweißter Wurstelprater-Golem. Und es geht um auch nicht wurschte 112,8 Millionen Euro. Dafür kann man schon einen Eurofighter kaufen und über die Felixbaumgartnerosphäre hinaus darauf aufmerksam machen, dass sich in der "Eurozone" zwar jede Menge Gold holen lässt, wir uns aber zu verteidigen wissen. Jetzt muss sogar Darth Vader lachen. Was sind das nur für Dillos dort unten. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 13.6.2013)

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    "Euromillionen", ein eigenes Universum.

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