"Lehrerdienstrecht vor der Wahl unrealistisch"

12. Juni 2013, 18:16
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Chefverhandler Kimberger rechnet nicht mehr mit "wirklich großem Reformpaket"

Wien - Es ist Verhandlungsrunde 28, wenn heute, Donnerstag, Regierung und Lehrergewerkschaften "in kleiner Runde" über ein neues Lehrerdienstrecht verhandeln. Aber der Chefverhandler der Lehrergewerkschafter, Paul Kimberger, relativiert im STANDARD-Gespräch diese Zahl und übt Kritik an Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ): "Es ist die siebente politische Runde, denn bis Beginn 2013 war es für die Ministerin völlig uninteressant. Sie hat an keiner einzigen Runde teilgenommen, obwohl wir schon vergangenen Sommer eine politische Runde verlangt haben, weil die Beamten für viele Themen nicht das notwendige Pouvoir hatten."

Kimberger rechnet nicht mehr mit einer Einigung vor der Wahl im September: "Wir sind jetzt in einer Phase, wo ein großer Wurf unrealistisch ist." Wobei er unter "großem Wurf" ein "wirklich großes Reformpaket, wie es versprochen war", versteht - also nicht nur mit einer gleichwertigen Bezahlung für alle Lehrer/innen, die mit der am Mittwoch im Parlament beschlossenen neuen, gemeinsamen Lehrerausbildung alle "masterwertig" werden. "Das ist klar und Beschlusslage in allen gewerkschaftlichen Gremien, dass gleichwertig ausgebildete Lehrer auch gleich bezahlt werden müssen", betont Kimberger.

Er sagt aber auch dazu, dass dieser für die Gewerkschaft unhintergehbaren Forderung weder das von der ÖVP ins Spiel gebrachte Modell mit unterschiedlichen Gehaltsstaffeln für unterschiedliche Schultypen entspreche noch jenes von Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (beide SPÖ): " Beide Modelle bilden die neue Ausbildung nicht ab." Auch im ursprünglichen Regierungsvorschlag hätten Lehrer in höheren Schulen für Hauptfächer eine sogenannte "Fächerzulage" erhalten, Volksschullehrer, die in der vierten Klasse ebenfalls Schularbeiten zu korrigieren hätten, aber nicht - sie würden somit um etwa 700 Euro weniger bekommen als ihre in Zukunft gleich ausgebildeten AHS-Kollegen, sagt Kimberger: "Und das Gleiche trifft Sonderschullehrer, denen ohnehin viel zu wenig Beachtung geschenkt wird, oder die Kollegen in den Polytechnischen Schulen. Mehr Arbeit für weniger Geld? Da stimmt keine Gewerkschaft der Welt zu. Dieser Entwurf hat keine Chance auf Realisierung."

Noch machbare Punkte

Ganz verwerfen will Kimberger das Projekt Dienstrecht aber noch nicht: " Ich denke, dass man gewisse Dinge durchaus noch fixieren könnte, bis ein wirklich angemessenes neues Dienstrecht ausverhandelt ist: mehr Unterstützungspersonal an Schulen, höhere Anfangsgehälter für Junglehrer oder eine Lehrerarbeitszeitstudie." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 13.6.2013)

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