Irans Behörden haben Vierbeinern und Haltern den Kampf angesagt

25. Jänner 2016, 15:49
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Teheran - Seit einiger Zeit kommt Gassi-Gehen für Irans Hunde und Halter einer subversiven Tat gleich: Werden sie erwischt, drohen Geldstrafen für den Besitzer und Haft oder noch Schlimmeres für sein Tier. Doch allen Maßnahmen zum Trotz: Hunde sind gefragt wie noch nie, ihr Verkauf boomt.

"In den vergangenen Jahren verzeichnete die Nachfrage nach Hunden einen steilen Anstieg", sagt der Tierarzt und Zoohändler Sorusch Mobaraki. "Wir allein verkaufen 15 bis 20 Hunde pro Monat." Für viele Iraner seien die Tiere inzwischen Statussymbol: "Sie wollen einen Hund - so wie man ein Luxusauto besitzen will."

Hunde als Haustiere waren jahrzehntelang selten im Iran anzutreffen - nach dem traditionellen Glauben gelten sie als "nadschis" (unrein). Aufgrund ihrer geringen Zahl wurden sie jedoch toleriert; Wach-, Hüte- und Jagdhunde waren ohnehin akzeptiert. Inzwischen aber sind die Behörden alarmiert, weil die in ihren Augen verwestlichte Mittelschicht zunehmend auf den Hund kommt: "Für mich ist sie wie ein Familienmitglied", sagt etwa die 28-jährige Nahal, während sie ihre zweijährige Spitz-Hündin Torandsch knuddelt.

Berichte über Schoßhunde im Designermäntelchen, die in Luxuskarossen herumkutschiert oder durch die Parks von Teherans Nobelviertel geführt werden, zogen den Zorn konservativer Geistlicher auf sich. Im Juni 2010 verurteilte Großayatollah Naser Makarem Schirsi die Hundehaltung als "blinde Nachahmung" der westlichen Kultur und warnte, die traditionellen Werte könnten dabei vor die Hunde gehen: "Viele Menschen im Westen lieben ihre Hunde mehr als ihre Frauen und Kinder", wurde er von den Medien zitiert.

Daraufhin belegte die Regierung die Hundehaltung mit Geldstrafen; Werbung in den Medien für Haustiere wurde komplett verboten. Mobaraki hat seine Hunde seitdem in einem Garten außerhalb der Stadt untergebracht. "Ich hole sie erst, wenn der Käufer und ich einig sind und das Geschäft unter Dach und Fach ist", sagt der 34-Jährige.

Die früher eher sporadischen Hunde-Razzien sind heute an der Tagesordnung. Die Polizei "geht gegen alle vor, die ihre Hunde auf der Straße spazieren führen", drohte Vize-Polizeichef Achmad Resa Radan im April. "Autos, in denen Hunde sitzen, werden beschlagnahmt."

Tierschützer bezweifeln, dass diese Razzien rechtmäßig sind. "Es gibt kein Gesetz, das die Haltung oder den Transport von Hunden verbieten", mahnte die Iranische Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkeiten an Tieren in einem offenen Brief an Radans Vorgesetzten, Polizeichef Esmail Ahmadi Mokadam. Auf ihre Proteste gegen die "Massenfestnahme von Hunden" erhielt die Organisation aber nie eine Antwort. Nach Berichten von Hundebesitzern verschleppen die Beamten die Tiere an "unbekannte Orte", wo sie sie oftmals einfach verhungern lassen.

Laut dem ehemaligen Vorsitzenden der iranischen Anwaltsvereinigung, Bachman Keschawars, können Haustiere nur beschlagnahmt werden, wenn die Halter gegen Hygienestandards verstoßen haben. "Haustieren dürfen nicht ohne richterliches Urteil beschlagnahmt werden", zitiert die Tageszeitung "Bachar" den Juristen.

Bisher erhielten Hundehalter nach Zahlung einer Strafgebühr und dem Versprechen, nicht mehr gegen die "Moral" zu verstoßen, ihren Liebling in der Regel wieder zurück. Heute können sie sich nicht mehr sicher sein: "Den Haltern wird gesagt, dass ihre Hunde getötet werden, und dann erhalten sie nicht einmal einen Beleg für die Beschlagnahme", erzählt Tierklinik-Leiter Pajam Mochebi.

Manche Hundeliebhaber führen ihre Tiere nur noch in abgelegenen Ecken oder nachts spazieren. Einige verzichten ganz darauf: "Ich traue mich nicht mehr, meine Hündin mitzunehmen", sagt eine Frau beim Familienpicknick in einem Park im Westen Teherans. "Also haben wir sie zu Hause gelassen." (APA, 12.6.2013)

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    foto: apa/matthias hiekel
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