Bauwerk Boen baut in Salzburg 110 Jobs ab

12. Juni 2013, 14:24
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Der norwegisch-schweizerische Parketthersteller Bauwerk Boen schließt seinen Salzburger Produktionsstandort und streicht die Zahl der Stellen dort bis zum Frühjahr 2014 von derzeit 154 auf rund 40 zusammen. Die Standardparkett-Fertigung in Salzburg wird eingestellt und bis zum nächsten Jahr in das konzerneigene Werk in Kietaviskes (Litauen) verlagert, wo derzeit schon 550 Leute arbeiten. In Salzburg verbleiben lediglich die Vermarktung und der Vertrieb für Österreich, teilte die Gruppe am Mittwochnachmittag mit.

Heftiger Preisdruck

Mit der Produktionsschließung in Salzburg reagiert das Unternehmen, das erst kürzlich durch die Fusion von Bauwerk Parkett aus der Schweiz und Boen AS aus Norwegen entstanden ist, nach eigenen Angaben auf den "heftigen Preisdruck", den es seit vielen Jahren wegen Überkapazitäten und Billigimporten am Parkettmarkt gebe.

Im höhermargigen Premium-Segment verfüge man über Wachstumspotenzial, aber im Sektor Standardparkett nehme der Druck laufend zu, da immer mehr Hersteller in Tieflohnländern produzieren würden, betonte das Unternehmen in einer Aussendung. Durch die deutlich tieferen Herstellkosten in Litauen werde Bauwerk Boen nachhaltig konkurrenzfähig am Markt operieren können. Für Österreich bestehe das "engagierte Ziel", die verbleibenden 40 Arbeitsplätze "möglichst langfristig zu sichern".

Sozialverträgliche Gestaltung

Bauwerk Boen will beim Stellenabbau nach eigenen Angben sämtliche Arbeitsverträge einvernehmlich auflösen und bietet den betroffenen Mitarbeitern "wesentlich bessere Konditionen" als bei einer normalen Arbeitgeberkündigung an.

Jeden Einzelnen sei heute ein Vorschlag für eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses unterbreitet worden, die neben der Dauer der Betriebszugehörigkeit vor allem jene Mitarbeiter honoriere, die bis zum Abschluss der Produktionsverlagerung nach Litauen arbeiten. Für eine möglichst umsichtige und sozialverträgliche Gestaltung des Verlagerungsprozesses würden mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) Salzburg in den kommenden Wochen weitere Maßnahmen evaluiert.

Außer in Salzburg fertigen für die Bauwerk Boen Group derzeit in St. Margrethen in der Schweiz rund 150 Beschäftigte vorwiegend hochwertige Landhausdielen und Spezial-Parkette sowie im deutschen Mölln etwa 35 Leute Naturöl-Oberflächen für einen Teil der in Litauen vorproduzierten Landhausdielen. In Kietaviskes in Litauen wird seit 2005 das Sortiment von Boen hergestellt.

Fusion im Frühling

Die Parkett-Gruppe ist erst heuer durch die Fusion der Schweizer Bauwerk Parkett und der norwegischen Boen entstanden, im März kam das grüne Licht der Kartellbehörden. Gemeinsam stellten die beiden Unternehmen voriges Jahr mehr als 8 Mio. m2 Holzbodenbeläge her, beschäftigten an die 1.400 Personen und setzten rund 275 Mio. Franken (derzeit 223 Mio. Euro) um. Davon entfielen auf Bauwerk rund 550 Mitarbeiter und 145 Mio. Franken Umsatz. Seit Abschluss der Transaktion halten die bisherigen Eigentümer von Boen und Bauwerk - die Johan G. Olsen Group, Zurmont Madison und die EGS Beteiligungen AG - je rund ein Drittel an der neuen Formation.

Mit Bauwerk und Boen sind zwei weitgehend komplementäre Unternehmen zusammengegangen, die nun im Premium-Segment der führende Anbieter in Europa und am Holzbodenmarkt insgesamt der zweitgrößte Player sind. Während Bauwerk schon früher führend bei 2-Schicht-Parkett war, galt Boen als einer der bedeutendsten Anbieter für 3-Schicht-Parkett. Die Gruppe ist in mehr als 20 europäischen Ländern aktiv und zählt, wie es im März anlässlich der Fusion hieß, in allen relevanten Märkten zumindest zu den drei größten Herstellern. (APA, 12.6.2013)

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