EU sorgt für heftigen Streit um Lufthoheit

12. Juni 2013, 12:23
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Das Projekt Single European Sky lässt französische Fluglotsen auf die Barrikaden gehen. In Österreich sieht man sich gut aufgestellt

Single European Sky - was poetisch klingt, birgt einiges Konfliktpotenzial. Die EU-Kommission will die Herrschaft über den europäischen Flugraum vereinheitlichen. Die Menschen am Boden, die Fluglotsen, fürchten eine Bevormundung aus Brüssel - und um ihre Jobs. Die Argumente auf beiden Seiten wiegen schwer.

So rechnet die Kommission vor, dass durch die nationale Regelung der Flugsicherheit im Jahr unnötige Kosten von rund fünf Milliarden Euro anfielen. Diese Mehrkosten würden an die Kunden in Form von höheren Ticketpreisen und Kerosinaufschlägen weitergegeben. Und das vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Flüge in den kommenden zehn bis 20 Jahren um 50 Prozent ansteigen wird.

35 Luftraumblöcke gibt es europaweit. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet die EU-Kommission mittlerweile an der Umsetzung. Gescheitert ist das Megaprojekt vor allem an den nationalen Interessen der einzelnen Mitgliedsstaaten. Sie wehren sich dagegen, ihre Lufthoheit an Brüssel zu übertragen.

Ein deutliches Zeichen setzen seit Dienstag die französischen Fluglotsen. Durch die landesweiten Streiks mussten an diesem Tag 1.800 Flüge (von durchschnittlich 7.650 Flügen täglich) gecancelt werden. Am Mittwoch soll die Zahl ähnlich hoch ausfallen. Auch Flüge der Austrian Airlines sind betroffen.

Fortschritte in Österreich

Die heimische Austro Control hat für Mittwoch Betriebsversammlungen der Fluglotsen organisiert. Die Informationsveranstaltungen würden aber weder den Flugverkehr noch den Flugsicherheitsbetrieb beeinträchtigen, versicherte Markus Pohanka, Abteilungsleiter für externe Beziehungen und Sprecher der Austro Control, auf Anfrage von derStandard.at. Überhaupt sei Österreich international schon mehrfach durch seine Fortschritte bei der Umsetzung des Single-European-Sky-Projekts positiv hervorgetreten.

Nicht zuletzt durch das FAB-CE (Functional Airspace Blocks Central Europe), das Ende 2012 in Kraft getreten ist. Es vereint neben Österreich auch die Luftraumblöcke von Tschechien, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Bosnien und Slowenien. Schon heute orientiere man sich dadurch zum Teil nicht mehr an Landesgrenzen. Als Beispiel nennt Pohanka, dass Österreich einen Teil des slowenischen Luftraums kontrolliert, Tschechien wiederum einen Teil von Österreich. "Wir sind auf einem guten Weg", so Pohanka, denn durch Eingabe das Einflugs- und des Ausflugspunkts würden heute bereits Dutzende Überflüge auf direktem Weg durchgeführt. Bis 2015 sollen bereits vier Millionen Flugkilometer eingespart werden, 14,7 Millionen sollen es bis 2018 sein, so das ambitionierte Ziel. Das spare Kosten und reduziere CO2-Emmissionen.

Auf die Frage, ob die österreichischen Fluglotsen nach Vorbild ihrer französischen Kollegen in den Streik treten könnten, meint Pohanka: "Die Austro Control ist mit der Belegschaftsvertretung in einem guten Dialog." (Sigrid Schamall, derStandard.at, 12.6.2013)

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    Österreich ist mit dem FAB-CE gut unterwegs bei der Umsetzung der EU-Vorgaben.

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