Maastricht streitet über Haschisch-Verkauf an Touristen

12. Juni 2013, 12:11
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Durch das Verkaufsverbot habe sich die Zahl der jährlichen Drogentouristen um 1,5 Millionen auf unter 400.000 reduziert

Maastricht - 13 der 14 Coffeeshops der südniederländischen Stadt Maastricht sind derzeit geschlossen. Die Behörden haben hart durchgegriffen, nachdem die Ladenbesitzer gegen ein Verbot verstoßen hatten, Haschisch an Ausländer zu verkaufen. Seitdem herrscht Streit auf der Straße, in den Medien und im Gerichtssaal.

Maastricht und andere Städte nahe der deutschen und belgischen Grenze hatten das Verbot verhängt, um die negativen Folgen des Drogentourismus wie etwa Krawalle bekiffter Ausländer oder die ständigen Staus auf den Straßen einzudämmen. Maastrichts Coffeeshop-Besitzer begehrten auf - schließlich kamen 65 Prozent ihrer Kunden von jenseits der Grenzen. Einer der Läden, das "Easy Going", verkaufte weiter an Deutsche und Belgier und wurde deshalb im Mai vergangenen Jahres geschlossen.

Anfang Mai öffneten Coffeeshops

Als nun Ende April ein Gericht die Schließung des "Easy Going" als unrechtmäßig einstufte, fasste die Vereinigung der Maastrichter Coffeeshops (VOCM) das als Freibrief auf, nun doch wieder Ausländer zu bedienen. Am 5. Mai öffneten die VOCM-Shops - 13 von 14 der Maastrichter Läden - ihre Türen für alle. Doch nicht für lange. Die Polizei reagierte mit Durchsuchungen und Beschlagnahmen, ordnete kurzzeitige Schließungen an und leitete Strafverfahren ein. Sieben Besitzer und Angestellte mussten am Mittwoch vor Gericht erscheinen, weitere Verfahren sollen folgen.

Ein Coffeeshop nach dem anderen in Maastricht machte dicht - nur noch einer ist derzeit geöffnet, er gehört nicht dem VOCM an. Was mit den anderen geschieht, ist noch offen. Ein Urteil in dem am Mittwoch begonnenen Verfahren wird für den 26. Juni erwartet.

Zahl der Drogentouristen reduziert

"Die Coffeeshops sind ganz schön gerissen", sagt Gertjan Bos, der Sprecher der Stadtverwaltung. "Die Geschichte mit den Schließungen ist ein großer Witz, sie spielen die Opfer." Er weist darauf hin, dass die Läden bis zum Gerichtsentscheid auf entsprechenden Antrag hin durchaus geöffnet bleiben könnten.

Durch das Verkaufsverbot für Ausländer habe sich die Zahl der jährlichen Drogentouristen in Maastricht um 1,5 Millionen auf unter 400.000 reduziert, sagt Sprecher Bos. Diejenigen, die dennoch ihr Glück in Maastricht versuchen, landen oft bei illegalen Straßendealern. "Gutes Gras!" schallt es Besuchern am Flussufer der Maas von allen Seiten entgegen. Die Dealer seien aggressiver geworden, ihre Zahl habe sich jedoch seit dem Verbot nicht - wie die Coffeeshopbesitzer behaupten - erhöht, sagt Bos. "Wir können es nicht beweisen, aber wir vermuten, dass einige Dealer von den Coffeeshops selbst engagiert werden."

Nun prüft die Stadt Maastricht einen Vorschlag, der in der Vergangenheit schon mehrfach diskutiert wurde: Die Hälfte der Coffeeshops aus der Stadt zu verbannen und außerhalb anzusiedeln. In der Innenstadt wäre deutschen Touristen das Kiffen weiterhin verboten - ein paar Kilometer weiter wäre der Joint dann aber wieder ganz legal. (APA, 12.6.2013)

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    Der Laden "Easy Going" wurde im Mai 2012 geschlossen, weil er weiter an Touristen verkaufte.

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