Österreichischer Abzug vom Golan hat begonnen

12. Juni 2013, 08:00
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UN wünscht sich langsameren Abzug und sucht fieberhaft Ersatz für die Österreicher

Damaskus/Jerusalem - Österreich hat am Mittwoch mit dem Abzug seiner Blauhelmsoldaten von den Golan-Höhen begonnen. Eine Gruppe von 60 bis 80 Personen soll am Abend auf dem Flughafen Wien-Schwechat landen. Bundeskanzler Werner Faymann und Verteidigungsminister Gerald Klug (beide S) werden UNO-Soldaten persönlich in Empfang nehmen. Vergangenen Donnerstag hatte die Regierung den Abzug der insgesamt 378 Mann umfassenden Truppe aus der UNDOF-Mission beschlossen.

Laut AFP passierten Mittwochfrüh die ersten 70 Bundesheer-Soldaten den Kontrollposten Quneitra an der Waffenstillstandslinie zwischen Syrien und Israel. Der arabische Nachrichtensender Al-Arabiya berichtete von etwa 20 Soldaten. Laut einem Bericht des öffentlichen israelischen Rundfunks hatten am Dienstag bereits einige Dutzend Verwaltungskräfte aus Österreich das Hauptquartier der UNO-Mission verlassen. Und auch in einem Reuters-Video war bereits am Dienstagnachmittag eine Gruppe von Soldaten zu sehen, die den Posten querten. "Nicht jede Bewegung hat mit einer Rotation zu tun", hieß es dazu seitens des Verteidigungsministeriums.

Abflug von Tel Aviv

Die uniformierten Soldaten überquerten mit Militärjeeps und gepanzerten Fahrzeugen die Posten der syrischen Armee und danach der israelischen Streitkräfte. Nach einem kurzen Zwischenstopp an einer UNO-Basis auf dem Plateau fuhren die Österreicher in einem Konvoi aus fünf Bussen und sechs Autos in Richtung des internationalen Flughafens bei Tel Aviv.

UN wünscht langsameren Abzug

Nach Ansicht der Bundesregierung soll der Abzug der rund 380 österreichischen Blauhelme "so rasch wie möglich" erfolgen. Klug hatte angekündigt, dass Rückzug insgesamt bis zu vier Wochen dauern werde. Die Vereinten Nationen wünschen sich jedoch mehr Zeit, um einen Ersatz-Truppensteller zu finden. Wir können kaum Ersatz-Kontingente in weniger als sechs bis acht Wochen finden", erklärte der für internationale Friedensoperationen zuständige Unter-Generalsekretär der Vereinten Nationen, Herve Ladsous, in einem Interview mit der "Presse" (Mittwoch-Ausgabe). Ein israelischer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag, es gebe allerdings Zusagen, dass "die Mehrheit der österreichischen Soldaten vor Ort bleibt, bis die UNO ein Land gefunden hat, das sie ersetzen kann."

Angebot aus dem Pazifik

Ladous meinte, er sei derzeit im Gespräch mit Österreich, um eine angemessene Lösung für die Situation zu finden. Auch mit Truppensteller-Nationen sei er im Gespräch. Von einem Land im Pazifik habe es - abgesehen von Russland - bereits ein Angebot gegeben, für Österreich einzuspringen. Um welches Land es sich dabei handelt, wollte der Franzose nicht sagen. Das solle im Laufe der Woche bekannt gegeben werden.

Die Regierung in Jerusalem fürchtet, dass ein endgültiges Aus der Beobachtermission droht und sich dann in der Waffenstillstandszone ein Vakuum bildet, in das je nach Kriegsverlauf in Syrien Gruppen mit Terrorabsichten gegen Israel einsickern könnten, etwa die libanesische Hisbollah-Miliz oder die zum Terrornetzwerk Al-Kaida gehörende Al-Nusra-Front. Sollte das österreichische Kontingent nicht ersetzt werden, würden in der Pufferzone auf dem Golan nur noch 341 Soldaten von den Philippinen und 193 aus Indien verbleiben. Vor einem Jahr zählte die UNDOF dagegen noch 1.100 Blauhelme.

Die Bundesregierung hatte am vergangenen Donnerstag beschlossen, seine rund 380 Bundesheer-Soldaten aufgrund der sich verschärfenden Sicherheitslage in der Region nach 39 Jahren abzuziehen. Die UNDOF-Mission existiert seit 1974, Österreich war von Beginn an beteiligt und zuletzt mit rund einem Drittel der größte Truppensteller. Vor Österreich hatten bereits Kanada, Japan und im März auch Kroatien ihre Soldaten abgezogen, wodurch die Truppenstärke auf etwas mehr als 900 Soldaten zurückging. (APA, 12.6.2012)

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    Österreichische UN-Soldaten packen ihre Sachen.

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