Intendant Pereira: Vorzeitiger Abgang eines Ungeliebten

  • Die neue Salzburger Struktur steht: Sven-Eric Bechtolf wird mit Präsidentin Helga Rabl-Stadler 2015 und 2016 Salzburg leiten.
    foto: apa

    Die neue Salzburger Struktur steht: Sven-Eric Bechtolf wird mit Präsidentin Helga Rabl-Stadler 2015 und 2016 Salzburg leiten.

  • Bis 2014 bleibt Alexander Pereira Chef.
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    Bis 2014 bleibt Alexander Pereira Chef.

Das Kuratorium der Salzburger Festspiele hat entschieden: Der Vertrag mit Pereira wird vorzeitig 2014 aufgelöst

Danach übernimmt Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf, er wird die Festspiele 2015 und 2016 interimistisch leiten.

Salzburg - Er muss also doch vorzeitig gehen, auch wenn er die Salzburger Festspiele gerne bis 2016 betreut und parallel dazu für die Mailänder Scala geplant und - ab 2015 - voll gearbeitet hätte: Der Vertrag mit Salzburgs Intendant Alexander Pereira wird nach Turbulenzen (samt Rücktrittsdrohungen) mit 30. September 2014 aufgelöst. Dies bedeutet aber: Pereira muss nicht gleich abdanken; er wird die kommenden zwei Salzburger Sommer betreuen und dies bei vollen Bezügen. So beschloss es das ihm längst mit herzlicher Abneigung begegnende Kuratorium.

Die Festspieljahre 2015 und 2016, die Pereira - nach eigenen Angaben - schon ziemlich ausgeplant hat, wird der momentane Salzburger Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf zusammen mit Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler betreuen. Weiters wurde entschieden: Die Position des Intendanten wird gleich ausgeschrieben, die erste Saison des künftigen Cheflastenträgers soll 2017 sein.

Einer eigenen Findungskommission werden sich die potenziellen Kandidaten indes nicht stellen. Kuratoriumsvorsitzende Andrea Ecker, Vertreterin des Bundes, meinte, es werde für die Ausschreibung keine solche geben: "Das Kuratorium ist die Findungskommission." Bewerbungen, die auch ein klares, somit niemanden mehr zu spät überraschendes Festspielkonzept enthalten mögen, werden jedenfalls bis 2. September angenommen. Und: Eine Entscheidung für den Posten des Intendanten soll noch in diesem Jahr fallen. Allerdings nicht nur diese: Ausgeschrieben wird auch der Posten für die Präsidentschaft der Festspiele, die noch bis 2014 Helga Rabl-Stadler innehat.

In ihrem Fall klingt jedoch alles nach Verlängerung: Schließlich meinte Rabl-Stadler, die auch kaufmännische Leiterin der Festspiele ist, sie würde sich für den Posten des Festspiel-Präsidenten bewerben. "Ich bin gebeten worden, und ich werde es machen."

Pereiras Ideenverwalter

Bechtolf wiederum meinte, Pereira, der ihn engagiert hatte, habe für 2015 und 2016 fantastische Programme vorgeplant. "Jetzt alles umzuschmeißen, wäre eine Profilneurose, die ich nicht habe. Ich finde es ehrenvoll, diese Festspiele wie vorgeplant umzusetzen. Es ist ein großes Vertrauen, das mir da entgegengebracht wird. Ich bedauere Alexanders Weggang. Ich glaube, wir müssen jetzt vor allem dafür sorgen, dass Pereiras Ideen das Licht der Welt erblicken."

Nebenbei wurde auch das umstrittene (den Streit zwischen Kuratorium und Pereira befeuernde) Budget der Festspiele 2014 genehmigt. Und zwar in der von Pereira und Rabl-Stadler überarbeiteten, also abgespeckten Form. Die Höhe des Budgets beträgt nunmehr 61,037 Millionen Euro.

Dabei interessant: Das Programm 2014 liefe laut Pereira sogar fast wie geplant. "Ich habe auf eine konzertante Oper verzichten müssen und Konzerte umgeschichtet. Der Unterschied war aber nur gut eine Million - wir waren nicht so weit auseinander." Zu Programmteilen: Die neue Oper von György Kurtag würde es 2015 geben, "es existieren bereits 90 Seiten Partitur. 2014 werden wir eine Oper von Marc-Andre Dalbavie produzieren."

Ewiges Thema Sponsoren

Zum Thema Sponsoren meinte Pereira, dass wegen seiner Arbeit für Mailand aus Salzburg keine Sponsoren abgezogen würden. "Darüber hinaus aber werden die Festspiele einiges an Energie aufwenden müssen, um zusätzliche Sponsorengelder aufzutreiben", sagte jener, der nicht mit der halben Gage (wie von Nochlandeshauptfrau Gabi Burgstaller gefordert) auskommen wird müssen. "Immerhin habe ich diese Programme ja auch voll geplant."

Insgesamt dürften sich alle erleichtert gefühlt haben - wie nach Ende einer grotesk kurzen Ehe: Sogar Kurator Heinz Schaden, der Pereira bis dato mit markigen Worten getriezt hatte, sprach von einem geordneten Übergang: "Die folgenden beiden Jahre sind programmiert, dann trennen sich unsere Wege. Mir war es wichtig, nicht im Streit zu scheiden." Pereira wiederum meinte, er werde sich mit Begeisterung in die zwei Sommer stürzen.

Nach dem Intendantenspiel ist indes vor dem Intendantenspiel: So meinte Schaden bezüglich der Salzburger Personensuche für 2017: "Markus Hinterhäuser ist uns willkommen, diese Jahreszahl 2017 ist nicht zufällig". Sympathieträger Hinterhäuser, der bei der Intendantenkandidatur in Salzburg seinerzeit just Pereira unterlag, ist bis 2016 Intendant der Wiener Festwochen. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 12.6.2013)

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