Intendant Pereira: Vorzeitiger Abgang eines Ungeliebten

Ljubiša Tošić
11. Juni 2013, 21:36
  • Die neue Salzburger Struktur steht: Sven-Eric Bechtolf wird mit Präsidentin Helga Rabl-Stadler 2015 und 2016 Salzburg leiten.
    foto: apa

    Die neue Salzburger Struktur steht: Sven-Eric Bechtolf wird mit Präsidentin Helga Rabl-Stadler 2015 und 2016 Salzburg leiten.

  • Bis 2014 bleibt Alexander Pereira Chef.
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    Bis 2014 bleibt Alexander Pereira Chef.

Das Kuratorium der Salzburger Festspiele hat entschieden: Der Vertrag mit Pereira wird vorzeitig 2014 aufgelöst

Danach übernimmt Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf, er wird die Festspiele 2015 und 2016 interimistisch leiten.

Salzburg - Er muss also doch vorzeitig gehen, auch wenn er die Salzburger Festspiele gerne bis 2016 betreut und parallel dazu für die Mailänder Scala geplant und - ab 2015 - voll gearbeitet hätte: Der Vertrag mit Salzburgs Intendant Alexander Pereira wird nach Turbulenzen (samt Rücktrittsdrohungen) mit 30. September 2014 aufgelöst. Dies bedeutet aber: Pereira muss nicht gleich abdanken; er wird die kommenden zwei Salzburger Sommer betreuen und dies bei vollen Bezügen. So beschloss es das ihm längst mit herzlicher Abneigung begegnende Kuratorium.

Die Festspieljahre 2015 und 2016, die Pereira - nach eigenen Angaben - schon ziemlich ausgeplant hat, wird der momentane Salzburger Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf zusammen mit Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler betreuen. Weiters wurde entschieden: Die Position des Intendanten wird gleich ausgeschrieben, die erste Saison des künftigen Cheflastenträgers soll 2017 sein.

Einer eigenen Findungskommission werden sich die potenziellen Kandidaten indes nicht stellen. Kuratoriumsvorsitzende Andrea Ecker, Vertreterin des Bundes, meinte, es werde für die Ausschreibung keine solche geben: "Das Kuratorium ist die Findungskommission." Bewerbungen, die auch ein klares, somit niemanden mehr zu spät überraschendes Festspielkonzept enthalten mögen, werden jedenfalls bis 2. September angenommen. Und: Eine Entscheidung für den Posten des Intendanten soll noch in diesem Jahr fallen. Allerdings nicht nur diese: Ausgeschrieben wird auch der Posten für die Präsidentschaft der Festspiele, die noch bis 2014 Helga Rabl-Stadler innehat.

In ihrem Fall klingt jedoch alles nach Verlängerung: Schließlich meinte Rabl-Stadler, die auch kaufmännische Leiterin der Festspiele ist, sie würde sich für den Posten des Festspiel-Präsidenten bewerben. "Ich bin gebeten worden, und ich werde es machen."

Pereiras Ideenverwalter

Bechtolf wiederum meinte, Pereira, der ihn engagiert hatte, habe für 2015 und 2016 fantastische Programme vorgeplant. "Jetzt alles umzuschmeißen, wäre eine Profilneurose, die ich nicht habe. Ich finde es ehrenvoll, diese Festspiele wie vorgeplant umzusetzen. Es ist ein großes Vertrauen, das mir da entgegengebracht wird. Ich bedauere Alexanders Weggang. Ich glaube, wir müssen jetzt vor allem dafür sorgen, dass Pereiras Ideen das Licht der Welt erblicken."

Nebenbei wurde auch das umstrittene (den Streit zwischen Kuratorium und Pereira befeuernde) Budget der Festspiele 2014 genehmigt. Und zwar in der von Pereira und Rabl-Stadler überarbeiteten, also abgespeckten Form. Die Höhe des Budgets beträgt nunmehr 61,037 Millionen Euro.

Dabei interessant: Das Programm 2014 liefe laut Pereira sogar fast wie geplant. "Ich habe auf eine konzertante Oper verzichten müssen und Konzerte umgeschichtet. Der Unterschied war aber nur gut eine Million - wir waren nicht so weit auseinander." Zu Programmteilen: Die neue Oper von György Kurtag würde es 2015 geben, "es existieren bereits 90 Seiten Partitur. 2014 werden wir eine Oper von Marc-Andre Dalbavie produzieren."

Ewiges Thema Sponsoren

Zum Thema Sponsoren meinte Pereira, dass wegen seiner Arbeit für Mailand aus Salzburg keine Sponsoren abgezogen würden. "Darüber hinaus aber werden die Festspiele einiges an Energie aufwenden müssen, um zusätzliche Sponsorengelder aufzutreiben", sagte jener, der nicht mit der halben Gage (wie von Nochlandeshauptfrau Gabi Burgstaller gefordert) auskommen wird müssen. "Immerhin habe ich diese Programme ja auch voll geplant."

Insgesamt dürften sich alle erleichtert gefühlt haben - wie nach Ende einer grotesk kurzen Ehe: Sogar Kurator Heinz Schaden, der Pereira bis dato mit markigen Worten getriezt hatte, sprach von einem geordneten Übergang: "Die folgenden beiden Jahre sind programmiert, dann trennen sich unsere Wege. Mir war es wichtig, nicht im Streit zu scheiden." Pereira wiederum meinte, er werde sich mit Begeisterung in die zwei Sommer stürzen.

Nach dem Intendantenspiel ist indes vor dem Intendantenspiel: So meinte Schaden bezüglich der Salzburger Personensuche für 2017: "Markus Hinterhäuser ist uns willkommen, diese Jahreszahl 2017 ist nicht zufällig". Sympathieträger Hinterhäuser, der bei der Intendantenkandidatur in Salzburg seinerzeit just Pereira unterlag, ist bis 2016 Intendant der Wiener Festwochen. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 12.6.2013)

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SALZBURG:General-Indentanten-Tochter wird endlich Präsidentin-Intendantin!

Rabl-Stadler ist die uneheliche aber ehrgeizige Tochter von ORF-General Gerd Bacher, die nun den Tiger selbst übertrumpfen will: Bacher brachte es mit 3 Unterbrechungen auf einen Amtszeit von 20 Jahren, Stadler wird es - wenn sie sich ihren Vertrag 2014 zum 4. Mal verlängern lässt, auf 21 Jahre bringen - zwei davon als Festspiel-Präsidentin/Indentantin! Mächtiges Pflaster, dieses Salzburg.

Bei Stronach in der Regierung

ist sogar ein Umzug nach Mailand für ihn eine Verbesserung der Rahmenbedingungen.

Und das Spiel geht weiter: Bechthold geht 2016 ab, Hinterhäuser folgt ihm nach.

Und nach ein paar Monaten werden sich erste Stimmen melden, die sagen werden: "Eigentlich hätten wir bei Bechtolf bleiben sollen, der war so toll. Hinterhäuser war vielleicht vor ein paar Jahren noch sehr gut, aber jetzt ist er auch älter geworden und seine Ideen zünden nicht mehr ..."

Bedauere, aber Bechthold kann Hinterhäuser weder jetzt noch in drei jahren das wasser reichen.

Das kann er ihm sehr wohl. Hinterhäuser hat in seienm Interimsjahr vieles von Flimm fertig geplant vorgefunden. Und der Macbeth mit Peter Stein und Riccardo Muti, der auf seine Idee zurückging, war ein Rückschritt in die Steinzeit der Opernkonvention.

Und bei Pereira ist alles, was er sich künstlerisch geleistet hat ein rückschritt in die steinzeit der opernkonvention.

Darum

geht es in meinem Kommentar auch gar nicht ...

Pereira wird in den nächsten Jahren immer dort sein, wo ihn seine Freundin hinzitiert. Und die interessiert sich für seine Verträge und ähnlichen Kram nicht.

er hat viel geld gebracht

das die festspiele gerne genommen naben - aber die rabl stadler konnte es nicht ertragen; dass er noch mehr bringt als sie und das auch noch getraut medial zu kommunizieren

Es liegt m.E. schon auch am Kuratorium und dem System Salzburger Festspiele. Zürich war eine einzige Erfolgsserie Pereiras, und auch in Wien leistete er gute Arbeit. Dass er nicht mit jedem kann, dürfte klar sein, aber ihn jetzt so schäbig absägen, halte ich nicht für richtig.

61,037 Millionen Euro als Budget der

Salzburger Festspiele? Das kann nicht stimmen, wo schon ein Herr Birnbacher in Kärnten 6Mille (das ist netto mit dem Patriotenrabattabzug) erhält, oder erhalten hat.
Ob der Herr Pereira ein Schaumschläger oder ein Genie ist kann ich nicht beurteilen, aber die Medientrommel weiß er zu bedienen!
Aber Reisende soll man nicht aufhalten, viel Vergnügen den Steuergeldverantwortlichen an der Scala, Pereira reitet ein, :-)

zu klein für eine hypo-alpe-adria finanzierung

weg mit ungustln bevor noch mehr schaden entsteht

Sprüche die zu Menschen passen:

"Ich bin gebeten worden, und ich werde es machen."

:-)

diese salzburger provinzpolitikerpossen sind doch sowieso ein viel besseres theater als die festspiele

...nur kosteten sie mit 5.000.000.000 schulden (die wir und unsere nachkommen jetzt bezahlen muessen) leider weit mehr , als alexander pereiras wahnwitzigste budgets jemals kosten würden

Eine Farce

Markus Hinterhäuser sei willkommen. Daher suche man erst ab 2017 einen Intendanten - per Ausschreibung, aber ohne Findungskommission. Das ist die reinste Farce, denn welcher ernstzunehmende Kandidat wird sich an dieser Ausschreibung beteiligen, wenn ohnehin schon feststeht, wer es werden wird? Die Salzburger Provzinzposse geht in den nächsten Akt.

Hinterhäuser hat 2011 sehr ordentliche Festspiele abgeliefert.

Trotzdem: Seine Berufung für 2017 – darin stimme ich Ihnen zu – wird eine Farce der übelsten Salzburger Sorte. Von den «Verantwortlichen» (haha, vgl. Osterfestspiel-Skandal) ist aufgrund ihrer fundamentalen Inkompetenz in künstlerischen Fragen und ihrer peinlichen Verhaberung ohnedies nichts Anderes zu erwarten. Aber traurig, wie wenig ein fähiger Typ wie Hinterhäuser sich um seinen Ruf schert – er hätte wohl kein Problem, eine vergleichbare Position zu finden. Und: Der Schwiegersohn (übrigens auch die Tochter) eines ehemaligen Präsidenten und Kuratoriumsmitglieds der Salzburger Festspiele hat sich prinzipiell nicht für einen Posten bei ebendieser Institution zu bewerben. Punkt. Alles andere ist: Österreich.

bonnie und clyde können ans wer gehen!

mit pereiras vorarbeit lässt es sich leicht werken.

In einer Salzburger Gruft. Ein paar lebende Leichen. Eine Dunkelmännin.

Rabl-Stadler: So, weg ist er, der Grantscherbn.
Schaden: Soll er nach Mailand gehen, der Vollkoffer.
R-St: Wo ist mein Knecht Bechtolf? Sveeeeen!!!! Eeeerrricc!!!! De Soiree bei der Wittgenstein steht nit im Programmbiachl, a Skandal!!!!
Schaden: Wo kennt ma noch schnorrn? Die Automarken samma schon alle durch...
R-St: I knöpf mir grad die Pharmaindustrie vua - lauter reiche Pickl mit an hohen DB! Die wissen goa ned wohin mit der Marie!
Schaden: Die sind bei uns guat aufghoben!
R-St: Genau! Ich bin ihnen glei voll ans Börsel gangen: die Saisonen 14 und 15 san in trockenen Tiachln!
Schaden: Und das Publikum kriagt bei der nexten Zauberflötn zwa Viagra uma sunst.
R-St: So san alle befriedigt.
Beide: Wonn des ka Kunst is!

Salzburg ist eben tiefste Provinz!

Aus welchen "Kaff" stammen Sie?

Da gibt es weing Auswahl, um etwas noch provinzielleres zu finden.

letztklassig..

..wie ein unterligakicker.

Salzburger Festspiele ein Intrigantenstadl...

Bedauerlich der Abgang Alexander Pereiras. Die Weichen für einen neuen und schon bekannten Intendanten sind bereits gestellt, denn es wird keine Findungskommission zur Ausschreibung geben. Es wird das Festspielkuratorium alleine entscheiden. Der Name ist bereits bekannt. Auch die Präsidentin hat sich aufgedrängt "ich bin ersucht worden", sich für eine weitere Position als Präsidentin zur Wahl zu stellen. Bingo - wenn da der Zug nicht noch entgleist. Naja wie sagte Welser Möst im ORF: Früher als Salzburg anrief ließen alle alles liegen und eilten - heute, ja da kommt bald keiner mehr. So ist es und so kann man in die Bedeutungslosigkeit versinken - und Salzburg ist auf dem besten Wege dazu...

Zuerst droht er mehrmals mit Rücktritt dann stellt er Leute ab die sich um seine Freundin kümmern müssen doch die geht trotzdem nach Mailand und jetzt unterschreibt er dort obwohl er es laut Vertrag nicht darf ... Ja bitte was soll man mit so einem machen?????!!

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