"Konzept in keiner Weise geeignet"

11. Juni 2013, 17:57
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Wissenschaftsrat warnt vor Linzer Medizin-Fakultät

Wien - Legistisch ist der Weg geebnet, politisch soll am 2. Juli eine Entscheidung fallen, inhaltlich aber gibt es gegen eine Medizin-Fakultät in Linz massiven Widerstand von wissenschaftlicher Seite. Der Ministerrat beschloss am Dienstag eine Novelle des Universitätsgesetzes (UG), die die Fusion von Unis (diskutiert in Innsbruck für Uni und Med-Uni) sowie die Errichtung von medizinischen Fakultäten (forciert von Oberösterreichs Landespolitik) ermöglicht.

Der Wissenschaftsrat reagierte darauf mit einer scharfen Warnung und einem Nein zum Vorhaben, in Linz eine Med-Fakultät zu errichten: "Das Konzept ist unzureichend und in keiner Weise geeignet, einen so schwerwiegenden Schritt wie die Gründung einer Medizinfakultät zu begründen. Das jüngste Linzer Treffen hat daran nichts geändert", sagte Ratsvorsitzender Jürgen Mittelstraß (Uni Konstanz) zum STANDARD.

Das im UG verankerte international zusammengesetzte unabhängige Beratungsgremium von Wissenschaftsminister, Unis, Regierung und Landtagen "rät dringend davon ab, in dieser Situation, die zudem noch im Schatten eines Wahlkampfs liegt, eine Entscheidung zu treffen, die später nicht rückgängig zu machen ist und trotz der üblichen finanziellen Schwüre zulasten des ohnehin nicht ausreichenden Universitätsbudgets gehen wird".

Mittelstraß kritisiert zudem, dass der Wissenschaftsrat, "obgleich dies zu seinen gesetzlich festgelegten Aufgaben gehört hätte, formal in die Linzer Vorgänge, abgesehen von der Teilnahme an einer Präsentationsveranstaltung, nicht eingebunden war. Unsere Bedenken sind nicht ausgeräumt." Im Übrigen sei "die Politik auch daran erinnert, dass sie vor Jahren, als die Gründung einer Medizinfakultät in Salzburg, auf der Basis einer wesentlich besseren, auch durch Vorleistungen begründeten Konzeption, zur Debatte stand, sich gegen einen vierten Medizinstandort in Österreich entschied", betont Mittelstraß.

Auch Heinrich Schmidinger, Präsident der Universitätenkonferenz, pocht auf die Einhaltung wissenschaftlicher Standards.

Minister Töchterle wertet das universitäre Engagement Oberösterreichs zwar positiv, sieht aber "noch einige Schritte zu setzen": Der Gesundheitsminister müsse den Arztberuf attraktivieren (die Fakultät wird auch mit Ärztemangel begründet), die Hochschulkonferenz (Wissenschaftsrat ist Mitglied) dürfe sich nicht dagegen aussprechen, und es müsse "frisches Geld" dafür geben. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 12.6.2013)

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