Papierindustrie will Holz für sich allein

11. Juni 2013, 17:18
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Die Firmen sind sauer, weil immer mehr in Kraftwerken verbrannt wird. Anhänger der Biomasse wittern falsche Ausreden

Wien - Wenn sich Österreichs Papier und Pappe erzeugende Industrie zu Wort meldet, dann meist im Chor. Am Dienstag war es wieder so weit. Gleich ein halbes Dutzend Spitzenvertreter der Branche fand sich in Wien ein, um gegen die zunehmende Verfeuerung von Holz in Biomassekraftwerken zu wettern. Für Unmut sorgt der geplante Bau eines Biomassekraftwerks in Klagenfurt, das in einem ersten Schritt rund 300.000 Festmeter Holz vom Markt nehmen würde - Holz, das für die Papiererzeugung fehle.

"Die Situation ist ernst", sagte Wolfgang Pfarl, Präsident der Interessenvertretung Austropapier. Gut 8000 Mitarbeiter erzeugen in 27 Betrieben jährlich rund fünf Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe. Immer mehr Holz müsse zu steigenden Kosten aus dem Ausland importiert werden, weil es in Österreich nicht mehr genug davon gebe. "Und das in einem mit Wald gesegneten Land", wie Alfred Heinzel, Chef der Heinzel Holding, anmerkte.

Kapitalvernichtung

Heinzel verwies auf das Zellstoffwerk Pöls, das unter seinem Holdingdach steht: "Im Jahr 2000 haben wir zwölf Prozent des Holzbedarfs importiert, im Vorjahr schon 40 Prozent."

Mit schuld an dieser Situation sei die Politik. Mit dem Ökostromgesetz, das im Jahr 2000 in Kraft getreten ist, wurde der Biomasse eine wichtige Rolle als Lieferant von sauberem Strom und Wärme eingeräumt.

"Überzogene Biomasseförderung vernichtet Kapital und verhindert Innovationssprünge", kritisierte Mondi-Chef Peter Oswald. Es sei unvernünftig, wenn die Biomasse mit jährlich 178 Mio. Euro subventioniert werde, aber nur 0,7 Prozent des österreichischen Energiebedarfs decken könne.

In einem offenen Brief an die Bundesregierung und die Kärntner Landesregierung warnen die Papierindustriellen vor weiteren Fehlinvestitionen. Das geplante, gut 60 Mio. Euro teure Biomassekraftwerk in Klagenfurt sei das Musterbeispiel einer verfehlten Politik. Nur 46 Prozent des Kärntner Rundholzes werden laut Heinzel in Kärnten selbst aufgebracht. Bereits jetzt müssten knapp 2,6 Mio. Festmeter importiert werden - vornehmlich aus Ungarn, Slowakei und Slowenien. Bis zum Jahr 2020 sei mit einem Mehrbedarf von etwa 22 Prozent zu rechnen: Die Differenz zwischen Aufkommen und Bedarf werde mit der zweiten Ausbaustufe des Kraftwerks Klagenfurt-Ost um etwa 600.000 Festmeter auf 3,17 Mio. Festmeter steigen. Die Ökobilanz sei mehr als fragwürdig.

"Die Papierindustrie will nur ihre Monopolstellung zurück - eine Zeit, in der sie quasi alleiniger Abnehmer österreichischen Holzes war", vermutet man beim Biomasseverband. Ein gedeihliches Nebeneinander sollte möglich sein, zumal viel Holz im Wald ungenützt verrotte.

Während die Papierindustrie für eine Aufhebung der Marktverzerrung durch falsche Subventionen plädiert, meint man bei der E-Control: "Die Förderung von Biomasseanlagen mittels Ökostrom-Einspeisetarifen macht nur dann Sinn, wenn es sich um hocheffiziente Anlagen handelt, die nicht nur Strom, sondern auch Wärme erzeugen." (Günther Strobl, DER STANDARD, 12.6.2013)

  • Um den Rohstoff Holz ist ein veritabler Streit entbrannt. Die Papierindustrie ist sauer, dass immer mehr Holz in Biomasseanlagen verfeuert wird und ihren Mitgliedsbetrieben somit verlorengeht.
    foto: christian fischer

    Um den Rohstoff Holz ist ein veritabler Streit entbrannt. Die Papierindustrie ist sauer, dass immer mehr Holz in Biomasseanlagen verfeuert wird und ihren Mitgliedsbetrieben somit verlorengeht.

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