Zoodesignerin: "Wildtiere leben nicht in Häusern"

    Porträt12. Juni 2013, 05:30
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    Monika Fiby berät Zoos vom Masterplan bis zu den Gehegen: Ein Spannungsfeld zwischen Tierschutz und Geschäft

    Ein Lieblingszoo? Nein, ein solcher existiere nicht. Nicht für Monika Fiby: "In der idealen Welt würde es gar keinen geben." Weil wir von einer idealen Welt weit entfernt sind, arbeitet sie in dem Beruf, "um das Beste aus Zoos zu machen". Der Beruf heißt Zoodesignerin, die Branche Zooplanung. Monika Fiby berät Zoos, als eine von etwa 50 in diesem Job weltweit. Das Spektrum reicht vom Masterplan bis zur Gehegeplanung.

    Unterschiede im Umgang mit Tieren

    In Indien, Russland, China, Südafrika, Kuwait und vor allem in Europa profitieren Zoos von ihrer Expertise, mal als Zoodesignerin, mal als Vortragende. Die kulturspezifischen Unterschiede sind enorm, sagt sie im Gespräch mit derStandard.at: "Besucher sind nicht überall gleich lieb zu den Tieren." Und auch nicht gleich diszipliniert. Faktoren, die in der Planung berücksichtigt werden müssen. Etwa wenn es um die Barriere zwischen Besuchern und Gehege geht. Was braucht es, um die Tiere vor Menschen zu schützen? Stecken mutieren nicht selten zum verlängerten Arm von Besuchern, erzählt Fiby, um mit Tieren "Kontakt" aufzunehmen.

    Besucher am Land disziplinierter

    Während am Land meist ein einfacher Handlauf als Begrenzung von Besucherwegen reicht, braucht es in Städten weitere Vorkehrungen. Zusätzliche Gitter beispielsweise, um Kinder und Erwachsene vor ihrem Übermut zu schützen. "Am Land", berichtet Fiby, "halten sich die Besucher eher an Spielregeln." Die Anonymität in der Stadt bringe Barrieren zum Einsturz, buchstäblich. Neben dem Verhältnis von Tier und Mensch gilt es noch andere Spezifika zu beachten. Die Größe von Gruppen etwa: "Wenn man hier für eine Schulklasse plant, geht man von 20 bis 30 Personen aus. Im südafrikanischen Pretoria sind es aber 60." Und im arabischen Raum sind Großfamilien nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Je mehr Besucher sich gleichzeitig beim Gehege befinden, desto mehr Platz müssen die Einblickstellen bieten. Logisch, wenn man daran denkt.

    Datenbank "ZooLex"

    Zoodesignerin ist die 50-jährige Wienerin über Umwege geworden. Die Richtung gewiesen hat ihr das Studium der Landschaftsplanung, geebnet wurde der Weg durch ein Stipendium, das sie für ein Master-Studium in die USA führte. Im Fokus stand die Entwicklung einer internationalen Plattform zur Beschreibung von Tiergehegen. "Zoolex" nennt sich diese Datenbank. Zu finden sind dort Angaben zur Größe von Gehegen, für welche Tiere sie gebaut wurden, was für die Besucher und Tierpfleger gemacht wurde, Fotos, Übersichtspläne und vieles mehr. Weltweit und für die Orientierung gedacht. "Da geht es um Geben und Nehmen", sagt Fiby. "Planer lassen sich hier inspirieren." Kostenlos, denn ein Teil von "Zoolex" wird über ein paar Werbeeinschaltungen finanziert, der Rest kommt von ihrem Idealismus. Die dritte Säule sind Unterstützer, die Texte gegenlesen und übersetzen. Für den monatlichen Newsletter etwa, der wird in sechs Sprachen verschickt.

    Zwischen dem Kindheitswunsch, sich beruflich mit Tieren zu beschäftigen, und der Etablierung als Zoodesignerin lagen einige Stationen. Das handwerkliche Rüstzeug hat Fiby in den USA gelernt: "In Europa gab es damals überhaupt nichts." Damals, das war Mitte der 90er Jahre, ein Markt dafür Fehlanzeige. Nach dem Studium der Landschaftsplanung heuerte sie zunächst als Straßenplanerin bei der Stadt Wien an. Ein Job, der in seiner Komplexität mit Zooplanung gut vergleichbar sei: "Es geht darum, unterschiedliche Nutzergruppen mit einem Objekt zufriedenzustellen."

    Internationale Orientierung

    Als Türöffner zu Zoos entpuppte sich dann die Datenbank "Zoolex", die sie noch nebenbei betrieb. Der erste Auftrag kam aus Deutschland, ein Wildpark in Wiesbaden engagierte sie, die weiteren über ihre Reputation: "Ich wurde auf Empfehlungen hin beispielsweise von den Vier Pfoten kontaktiert." Am Radar sind aber meist internationale Auftraggeber: "Der österreichische Markt ist zu klein." Abhängig von Aufträgen verbringt Fiby im Schnitt rund ein Viertel ihrer Arbeitszeit im Ausland. "Am Anfang hat mir das extrem viel Spaß gemacht, jetzt reagiere ich auf Flughäfen eher aversiv." Der Grund seien die Sicherheitskontrollen: "Man wird durchgeschleust wie bei einem Viehtransport. Die sind auch nicht artgerecht."

    Eine spezifische Ausbildung für Zooplanung gibt es nicht. Wer sich für den Beruf interessiert, sollte Landschaftsplanung studieren, rät Fiby. Und nicht Architektur. "Wildtiere leben schließlich nicht in Häusern." Das Wissen über das Zusammenspiel von Klima, Pflanzen, Boden und den Tieren ist Voraussetzung für den Beruf. "Welchen Boden gibt es? Welche Pflanzen wachsen dort? Welche verwende ich für das Gehege? Welche Pflanzen sind für die Tiere giftig? Welche werden von ihnen zerstört?" Auch Fragen des nachhaltigen Wirtschaftens.

    Tierschutz im Vordergrund

    Nachhaltigkeit und Artenschutz sind überhaupt Themen, die Fiby am Herzen liegen. Weniger die Größe des Areals sei entscheidend, auf die Ausstattung komme es an. Ein ständiges Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen von Tieren und dem finanziellen Kalkül der Zoobetreiber? "Hier muss man einen gangbaren Weg finden." Kollidieren die Vorstellungen der Geschäftsführung mit ihren Prämissen in Sachen Tierschutz, lehnt sie Jobs auch ab. Die interessantesten Aufträge kämen ohnehin meist von Tierparks, wo das Streben nach Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund stehe. Und von Dauerkunden, manche begleitet Fiby seit vielen Jahren: "Bei denen kann man die Entwicklung sichtbar beeinflussen."

    Identifikation: Personal ins Boot holen

    Was man bei der Konzeption von Gehegen noch beachten muss, ist die Einbeziehung der Tierpfleger. "Es funktioniert besser, wenn die sich damit identifizieren können." Das betrifft etwa die Verortung der Futterstellen und den Arbeitsaufwand des Personals. "Geht sich das mit den bestehenden Ressourcen aus oder braucht es mehr Personal?" Rahmenbedingungen, die im Vorfeld abzuklären sind. Zum Beispiel auch jene nach der Zucht. "Es gibt Tierarten, die in Zoos gezüchtet werden, aber nicht jeder Zoo ist automatisch dazu in der Lage." Etwa weil Platz und Personal fehlen.

    Die Konkurrenz in der Branche sei heute deutlich größer als noch vor einigen Jahren. Genauso wie der Grad der Professionalisierung. In großen Zoos existieren eigene Planungsabteilungen, beispielsweise in Schönbrunn. Einer der europäischen Zoos, die nicht auf ihrer Auftragsliste stehen. Generell komme sie bei Ausschreibungen großer Zoos nur im Team zum Zug. Große Planungsbüros sind für solche Aufträge ausgestattet. Weil diesen oft die zoologische Perspektive fehlt, wird Fiby dann als Beraterin engagiert, inhaltlich angesiedelt zwischen den Bedürfnissen der Zooverantwortlichen und den Gestaltungsmöglichkeiten der Fachplaner.

    "Tiere sehen, riechen, hören, spüren"

    Als wichtigste gesellschaftliche Aufgabe von Zoos sieht Fiby Empathiebildung: "Man soll Tiere sehen, riechen, hören und spüren." Stimuliert werde das Interesse, wenn ein Zoo mehr als eine reine Tierbeschau ist. Etwa in Verbindung mit einem Didaktik-Konzept. "Pfiffig" seien Crossover-Einrichtungen, die mit ganzheitlicher Herangehensweise punkten - beispielsweise das Arizona-Sonora Desert Museum in den USA. Zoo, Botanischer Garten und Museum - alles auf einem Fleck. Das Gegenteil davon sind "Betonwüsten", die als Zoos firmieren. Auch in Europa? "Ja, viele", sagt Fiby. Wäre sie nur Touristin, würde sie einen weiten Bogen um diese Einrichtungen machen. Als Zoodesignerin versucht sie, das Beste aus ihnen zu machen. (Oliver Mark, derStandard.at, 12.6.2013)

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    Zoolex

    • Monika Fiby, Zoodesignerin.
      foto: privat

      Monika Fiby, Zoodesignerin.

    • Das Wissen über das Zusammenspiel von Klima, Pflanzen, Boden und den Tieren ist Voraussetzung für den Beruf.
      foto: privat

      Das Wissen über das Zusammenspiel von Klima, Pflanzen, Boden und den Tieren ist Voraussetzung für den Beruf.

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