Insgesamt 42,5 Jahre Haft für sechs mutmaßliche "Pink Panther"-Räuber

11. Juni 2013, 14:55
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Anführer erhielt 9,5 Jahre Haft - Urteil rechtskräftig

Sechs mutmaßliche Mitglieder der international operierenden "Pink-Panther"-Bande sind am Dienstag im Wiener Straflandesgericht zu insgesamt 42,5 Jahren Haft verurteilt worden. Die Männer im Alter zwischen 28 und 33 Jahren hatten im Vorjahr in der Bundeshauptstadt drei Juwelier-Geschäfte überfallen und dabei Schmuck im Wert von rund 228.000 Euro erbeutet.

Für ihren 30-jährigen Anführer setzte es neuneinhalb Jahre Haft, die übrigen fünf Angeklagten fassten abgestuft nach der jeweiligen Tatbeteiligung und der Anzahl ihrer Vorstrafen Freiheitsstrafen zwischen fünf und neun Jahren aus. Sämtliche Urteile sind rechtskräftig.

"Sie sehen mich als Chef"

Die Angeklagten hatte vor dem Schöffensenat umfassende Geständnisse abgelegt, zugleich aber versichert, nicht Teil des "Pink-Panther"-Netzwerks zu sein. Nikola K., der an allen drei Überfällen direkt beteiligt war, "outete" sich als Boss des Sextetts: "Sie sehen mich als Chef." Man habe mit den Überfällen "schnell zu Geld kommen wollen".

Der Mann war im Mai des Vorjahrs mit zwei unbekannten Männern aus Serbien nach Wien gereist, wo sie auf der Brünner Straße in Wien-Floridsdorf das Juwelier-Geschäft "Gold Diskont" überfielen. Nikola K. packte laut Anklage die Inhaberin an den Haaren, drückte ihr eine Pistole gegen die Brust und forderte sie auf, sich auf den Boden zu legen. Mit 3,6 Kilogramm Gold im Wert von 82.800 Euro und 7.200 Euro Bargeld gelang dem Trio die Flucht.

Die überfallene Frau hat den Coup bis heute nicht verkraftet, wie sie dem Gericht im Zeugenstand darlegte. Sie sei schon 2004 überfallen worden. Die damaligen Täter hätten ihr einen Bauchstich versetzt, als sie den Tresor nicht aufmachen wollte, erzählte sie. Seit dem nunmehrigen Raub traue sie sich nicht mehr allein ins Geschäft.

Weitere Fälle in Brigittenau

"Ich entschuldige mich, dass Sie Stress gehabt haben", bemerkte darauf hin Nikola K. "Den Stress habe ich bis heute", erwiderte die Zeugin, "ohne Schlaftabletten kann ich nicht schlafen".

Nikola K. behauptete, er habe von der Beute aus dem ersten Raubüberfall nichts gesehen. Er habe nämlich zwei Paletten mit wertlosem Zeug mitgenommen ("Ich habe das echte Gold nicht erkannt"), weshalb ihm seine Komplizen, die er aus Angst vor Repressalien gegen seine Familie nicht namentlich nennen wollte, nichts abgegeben hätten.

Am 13. Juli verübte Nikola K. dann mit einem aus dem selben Dorf stammenden Mitangeklagten einen Überfall auf den Juwelier "Bodrum" in der Jägerstraße in Wien-Brigittenau. Dabei erbeuteten sie Gold im Wert von 89.600 Euro. Nur knapp einen Monat später wurde am 18. August am unweit gelegenen Wallensteinplatz von den zwei Männern ein weiteres Juweliergeschäft ausgeraubt, wobei Nikola K. diesmal als Lenker des Fluchtfahrzeugs fungierte und sein 28 Jahre alter Komplize zwei 33 und 28 Jahre alte Landsmänner mit ins Geschäft nahm, die dort Schmuckstücke im Wert von 55.500 Euro in mitgebrachte Taschen stopften.

Verzögerter Prozessbeginn

Zwei weitere Männer, die ebenfalls mit auf der Anklagebank saßen, hatten für diesen Raub die Staubmasken gekauft, das Fluchtfahrzeug geparkt bzw. einen Parkplatz frei gehalten, um den unmittelbaren Tätern ein rasches Davonfahren zu ermöglichen.

Der Prozess hatte mit einstündiger Verspätung begonnen: Aus bisher ungeklärter Ursache hatte die Verständigung vom Verhandlungstermin die zuständige Stelle im Landesgerichtlichen Gefangenenhaus nicht erreicht. Erst ein Anruf des Richters setzte die Vorführung in Gang. Die Männer wurden daraufhin schnell aus ihren Zellen gebracht, kurzfristig mussten Justizwachebeamte zusammengetrommelt werden, die sich teilweise noch umziehen mussten, um in Uniform ihrer Begleit- und Überwachungstätigkeit nachgehen zu können.  (APA/red, derStandard.at, 11.6.2013)

  • Mutmaßliche Mitglieder der international tätigen "Pink Panther"-Bande beim Prozess am Wiener Straflandesgericht am Dienstag.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Mutmaßliche Mitglieder der international tätigen "Pink Panther"-Bande beim Prozess am Wiener Straflandesgericht am Dienstag.

  • Man habe mit den Überfällen "schnell zu Geld kommen wollen", sagten die Angeklagten.

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