Mit der Macht des Mondes zur Feministin

Glosse11. Juni 2013, 14:43
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Von Strohfrauen, Teufelsadvokaten und Feministinnen in kurzen Röcken. Und was Sailor Moon damit zu tun hat

Als Frau, die sich für Gleichberechtigung einsetzt und gemeinhin gesehen "auf ihr Äußeres achtet", also geschminkt ist oder sich nach den traditionellen gesellschaftlichen Kleidungsvorgaben für Frauen richtet, werde ich regelmäßig gefragt: "Wie kannst du Feministin sein und gleichzeitig kurze Röcke tragen?" Kleider, lange Haare und Make-up seien Sinnbilder der Unterdrückung, des Patriarchats. Sich diesem freiwillig (was auch immer das heißen mag) unterzuordnen komme einer Selbstobjektivierung gleich.

Zweitklassige Feministinnen

Diese Kritik kommt meist von Männern, die gerne Advocatus Diaboli in Feminismus- und Sexismus-Diskussionen spielen. Oder solchen, die so tun, als würden sie lediglich Advocatus Diaboli spielen, um ihren eigenen tief liegenden Sexismus und Antifeminismus zu überspielen.

Aber nicht nur von dieser Seite kommt die Bedrängnis. Auch radikalere Feministinnen in Cargohosen und mit Kurzhaarschnitt reihen eine, wenn sie vom Aussehen her dem gängigen femininen Klischee entspricht, zuweilen als minderwertige Mitstreiterin ein.

Alles oder nichts

Dieser Vorwurf erinnert mich immer an schelmisch-spöttische Anmerkungen gegenüber Vegetariern: "Aber Soja ist auch umweltschädlich, dafür wird Regenwald abgeholzt! Warum wirst du nicht gleich Veganer?" Als müsste es in Fragen des sozialen Engagements immer ein Alles oder Nichts sein. Wenn man schon Feministin ist, muss also alles als weiblich Konstruierte abgelehnt werden.

Kopftuch oder nackt

Es gibt eben ein präzises mediales und gesellschaftliches Bild davon, wie eine Feministin auszusehen oder sich zu geben hat - eine Strohfrau, gerne abwertend als "Kampflesbe" visioniert. Dieses Bild stimmt aber nicht (mehr) mit den farbenfrohen Facetten überein, in denen es Feministinnen gibt - ja, sogar Musliminnen beziehungsweise Frauen, die "selbstbestimmt" Kopftuch tragen, bezeichnen sich heute als solche. Interessanterweise wird das Kopftuch genauso als Zeichen der Unterdrückung und Objektivierung interpretiert wie der Minirock. Angezogen wie ausgezogen - als Feministin macht man alles falsch.

Feministen in langen Hosen

Dabei wäre eine Konzentration auf Inhalte und Ziele des Feminismus wünschenswert und angebracht - statt eines ständigen Herumreitens auf der Verpackung.

Eine Inspiration hierbei könnte "Magic Girl" Sailor Moon sein: Die Anime- und Manga-Kriegerin, die mit der Macht des Mondes, ihres Schutzpatrons, gegen Geister, Dämonen und allgemein gegen das Böse kämpft. Sailor Moon entspricht dem typischen Anime-Schönheitsideal: surreal lange Beine, kurze Schulmädchen-Uniförmchen, große Glitzeraugen und höchste Stimmchen.

Gleichzeitig schaffen es die Mangas und die Zeichentrickserie aber, Frauen (es gibt natürlich für jeden Planeten eine Sailor-Kriegerin) in aller Unterschiedlichkeit dreidimensional und realistisch zu porträtieren. Da gibt es mal weniger und mal mehr burschikose Kriegerinnen und Nerdinnen - genauso wie leidenschaftliche Köchinnen und Dauerschwärmerinnen. Die Definition der Charaktere verläuft nicht über Männer und auch nicht über die Kleidung oder die äußerliche Erscheinung, sondern über die Taten der Sailor-Kriegerinnen.

Make-up

Denn hier standen Aussehen und Auftrag nie im Gegensatz zueinander: "Make-up" war sogar jener Spruch, mit dem sich Sailor Moon a.k.a. Usagi von einer weinerlichen Permanent-Pubertären in die starke, für Freiheit und Gerechtigkeit einstehende Kriegerin entwickelte. Ich bin mir daher sicher, Sailor Moon ist Feministin - genau wie ich. (Olja Alvir, daStandard.at, 11.6.2013)

  • "Sailor Moon" gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Animes und Mangas.
    foto: olja alvir

    "Sailor Moon" gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Animes und Mangas.

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