Das Vergnügen feiert auf Kuba ein Comeback

13. Juni 2013, 05:30
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In Havanna werden Bars restauriert und wiedereröffnet, von ihrem Lohn aber können viele Kubaner nicht leben

Im Jahr 2006 wurde Fidel Castro am Darm operiert. Seither hat sein Bruder Raúl im sozialistischen Kuba das Sagen. Dieser hat damit begonnen, die Wirtschaft des Landes Schritt für Schritt zu liberalisieren. Seit 2008 etwa dürfen die Kubaner Computer und Handys frei kaufen, seit 2011 Immobilien und gebrauchte Autos. Auch die Banken dürfen mittlerweile Kredite an Privatpersonen vergeben. Im Jänner dieses Jahres trat dann - wenn auch mit Einschränkungen - die Reisefreiheit in Kraft, die den Kubanern jahrzehntelang verwehrt worden war. Einen freien Internetzugang dagegen haben die meisten noch immer nicht.

Bohren und Hämmern für den Aufschwung

Vor allem in der Hauptstadt Havanna sehe man den Umschwung, berichtet die Welt. Überall werde gebaggert und gehämmert. Luxusmarken feierten ein Comeback, Designerhotels reihten sich an teure Restaurants. Havanna renoviert alte Bars, in denen schon Ernest Hemingway Cocktails trank und knüpft an den Glanz der 1950er-Jahre an.

Damals war die Stadt eine Vergnügungsmeile der Amerikaner. Mit dem Spaß hatte Fidel Castro unmittelbar nach dem Sieg seiner Revolution Schluss gemacht. So verfiel nach 1959 etwa auch das "Sloppy Joe's", die Eckbar aus dem Film "Unser Mann in Havanna". Auch sie wurde jetzt restauriert und wiedereröffnet - unter staatlicher Führung.

Konvertibler und nicht konvertibler Peso

Nicht nur Touristen kehren in diese Bars ein, auch immer mehr Kubaner können sich die Cocktails am Prado leisten. Wer dazugehören will, braucht allerdings Devisen. Neben dem nationalen Peso gibt es auf Kuba auch den konvertiblen Peso (CUC). Dieser ist an den US-Dollar gebundenen und etwa 24 Mal so viel wert; ihn geben auch die Touristen aus. Rum und Markenkleidung etwa, aber auch Hygieneartikel, gebe es mittlerweile nur noch gegen CUC, so die Welt.

Das Blatt berichtet von Ingenieur Francisco, der nebenbei Taxi fährt, von Chemikerin Lybia, die Zimmer vermietet, von Hotelmanager Iván, der alte Handys aus dem Ausland repariert und sie dann gewinnbringend weiterverkauft. Von den umgerechnet 20 Dollar, die Lehrer, Ärzte und Ingenieure im Monat verdienen, könne man nämlich nicht mehr leben. Auch, weil die staatliche Lebensmittelkarte zusammengestrichen wurde.

Rasanter Wandel in der Gastronomie

Mit diesen können die Kubaner seit 1962 subventionierte Grundnahrungsmittel wie Zucker, Milch, Kartoffeln und Fleisch kaufen. In welcher Menge, legt das System fest. Abhängig ist das von Alter und Geschlecht. Kinder unter sieben Jahren bekommen zum Beispiel einen Liter Milch pro Tag, genauso Schwangere. Auch Tabakwaren, Heizöl und sonstiger Haushaltsbedarf können über diese so genannten Libretas bezogen werden.

Mehr als 400.000 der rund elf Millionen Kubaner arbeiten derzeit selbständig in der Privatwirtschaft. Ein besonders rasanter Wandel ist in der Gastronomie zu beobachten. Seit Restaurants Angestellte und mehr als zwölf Sitzplätze haben dürfen, explodiere das Angebot, so die Welt. Die neuen Unternehmer fordern Fischereilizenzen oder eine Teilprivatisierung des Transportwesens, die Machtfrage aber stelle diese Generation bisher nicht. (part, derStandard.at, 13.6.2013)

  • In der Hauptstadt Havanna zeigt sich der wirtschaftliche Aufschwung Kubas bisher am deutlichsten.
    foto: epa/alejandro ernesto

    In der Hauptstadt Havanna zeigt sich der wirtschaftliche Aufschwung Kubas bisher am deutlichsten.

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    2013 wurde die aus dem Film "Unser Mann in Havanna" bekannte Bar "Sloppy Joe's" unter staatlicher Führung wiedereröffnet.

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    Autor Ernest Hemingway (li.) und die Schauspieler Alec Guinness (Mi.) und Noel Coward, die anlässlich der Dreharbeiten zu "Unser Mann in Havanna" im Jahr 1959 in der Bar waren.

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