Oh Schreck, mein Kind ist weg!

11. Juni 2013, 18:29
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Es ist der Albtraum aller Eltern: Das eigene Kind irgendwo zu "vergessen" und nicht gleich zu bemerken, dass es fehlt

Im Kinowelthit "Kevin allein zu Haus" greift Regisseur Chris Columbus 1990 eine Urangst vieler Eltern auf: das eigene Baby oder Kind irgendwo zu "vergessen", zurückzulassen oder zu übersehen. Im Film verketten sich auf Basis einer kurzen elterlicher Unachtsamkeit rasch mehrere skurrile Ereignisse, die so lustig sind, dass das zugrundeliegende elterliche Versagen bald kein Thema mehr ist. In der Realität treibt alleine der Gedanke, dass sie das Kind irgendwo "vergessen" könnten, vielen Eltern den Angstschweiß auf die Stirn. Was da alles passieren kann!

Dabei haben genau das viele Eltern schon erlebt. Am Montag erst vergaß eine 33-Jährige Linzerin ihr drei Monate altes Baby in einer Trage auf dem Gehsteig und fuhr mit dem Auto davon. Sie bemerkte nach wenigen Minuten, dass das Kind im Auto fehlte und kehrte um. Zwischenzeitlich hatte sich eine beherzte Passantin der Kleinen angenommen. Die Sache endete glimpflich. Allerdings dürfte sich die Frau wegen der Vernachlässigung ihrer Aufsichtspflicht verantworten müssen.

Kinder auf Raststätten

Derartige Fälle sind häufiger als man vielleicht denkt: Ende letzter Woche wurde ein sechsjähriges Mädchen in Hessen von seinen Eltern an einer Autobahnraststätte "vergessen". Die Eltern waren mit einer Reisegruppe in einem Bus unterwegs - und bemerkten erst nach 30 Minuten, dass ihre Tochter fehlte.

Ebenfalls glimpflich endete ein Fall im März in Salzburg. Eine junge Mutter hatte damals den Kinderwagen mit ihrem Baby in einem vollbesetzten Bus stehen lassen und war alleine ausgestiegen. Nach etwa 20 Minuten waren Mutter und Kind wieder vereint.

Leider nicht glimpflich endete ein Fall im März in Schweden. Ein Vater hatte in Malmö seinen zweijährigen Sohn im Auto vergessen. Durch die Hitzeentwicklung im  Wagen starb das Kind.

Verhängnisvolles Multitasking

Zum Zurücklassen von Kindern kommt es meist in unübersichtlichen Stresssituationen, in denen die Eltern abgelenkt und unkonzentriert sind oder mehrere Dinge gleichzeitig tun (müssen). Die Linzer Mutter etwa, die ihr Baby am Gehsteig zurückgelassen hat, war gerade mit ihren drei Kindern einkaufen. Die beiden Älteren dürften gequengelt haben und die Frau hatte alle Hände voll zu tun, sie im Wagen anzuschnallen. Währenddessen stand die Babytrage mit der Jüngsten auf dem Gehsteig.

Gegen das Zurücklassen von Kindern hilft also am ehesten, tief durchzuatmen, sich nicht hetzen zu lassen und mit konzentrierter Gelassenheit durchs Leben zu gehen. (red, derStandard.at, 11.6.2013)

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