Dudenhöffer: "Arbeitslose keine guten Autokäufer"

11. Juni 2013, 10:45
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In einer Studie prognostiziert der Experte der Autoindustrie das schlechteste Jahr seit Jahrzehnten

Duisburg - 2013 könnte für Europas Autoindustrie vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise und anhaltend hoher Arbeitslosigkeit einer Studie zufolge das schlechteste Jahr seit Jahrzehnten werden. Die Autoverkäufe in Westeuropa würden in diesem Jahr voraussichtlich fünf Prozent unter dem Niveau des Vorjahres liegen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Unsichere Zukunft

Knapp 11,9 Millionen Fahrzeuge könnten in den 27 EU-Staaten und den Staaten der Europäischen Freihandelszone verkauft werden. Damit wäre 2013 "das schlechteste Autojahr der letzten dreißig Jahre".

"Arbeitslose sind keine guten Autokäufer und deshalb geht die europäische Autoindustrie durch ihr schwerstes Jahr seit der ersten Ölkrise" Anfang der 1970er Jahre, hieß es in der Studie. Die Jugendarbeitslosigkeit sei auf einem Rekordhoch, und die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern wie Frankreich und Italien bleibe "weiter schlecht". Für die kommenden beiden Jahre müsse deshalb weiter mit einem schwachen Wirtschaftswachstum gerechnet werden. Die Chancen für eine schnelle Erholung des Automobilmarktes seien damit "null".

Schwache Auslastung

Wegen der schwachen Nachfrage durch die Autokäufer werde die Auslastung der Autofabriken in Europa sogar so schlecht ausfallen, wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht, hieß es in der Studie. In den Fabriken in Südländern wie Frankreich, Italien, Portugal oder Spanien werde die Auslastung der Standorte voraussichtlich von über 62 Prozent auf rund 58 Prozent sinken. Am schlechtesten werde das Jahr voraussichtlich für die italienischen Standorte ausfallen, mit einer Auslastung von 49 Prozent. In Frankreich seien die Fabriken schätzungsweise zu 51 Prozent ausgelastet.

Die Staatsschuldenkrise trifft in Europa vor allem Autohersteller, die ihre Fahrzeugen zu einem erheblichen Teil in südlichen Ländern verkaufen. Dies sind vor allem französische Hersteller oder italienische Automarken. In Deutschland ist insbesondere Opel stark von der Krise betroffen.

Im Mai um ein Zehntel weniger Pkw-Neuzulassungen - Seit Jänner -9,1 %Fachhandel/Kfz-Industrie/Volkswirtschaft/Österreich/Wien - Heimischer Automarkt kommt nicht in Schwung: Rückwärtstempo beschleunigt - Kfz-Neuzulassungen insgesamt im Mai 8,6 Prozent tiefer

Heimischer Markt beschleunigt Rückwärtstempo

Im Mai wurden in Österreich mit 29.094 Pkw um 10,2 Prozent weniger Neuwagen zum Verkehr zugelassen als im Mai 2012, im April hatte das Minus lediglich 5,9 Prozent betragen. In den ersten fünf Monaten lagen die Pkw-Neuzulassungen mit 139.925 Stück um 9,1 Prozent unter jenen von Jänner bis Mai des Vorjahres, gab die Statistik Austria am Dienstag bekannt.

An Kfz-Neuzulassungen insgesamt gab es im Mai mit 40.471 Stück um 8,6 Prozent weniger als ein Jahr davor und um 10,0 Prozent weniger als im April 2013. Der Anteil der Pkw an den gesamten Neuzulassungen machte 71,9 Prozent aus. Bei den Pkw nahm die Zahl der Neuzulassungen im Jahresabstand bei benzinbetriebenen (Anteil 44,3 Prozent) um 9,7 Prozent ab, jene der dieselbetriebenen (Anteil 54,6 Prozent) sank um 11,2 Prozent.

Am Nutzfahrzeugmarkt entwickelten sich die Lkw-Neuzulassungen positiv. Sie stiegen bei Lkw der Klasse N3 um 25,2 Prozent, in der Klasse N2 um 11,3 Prozent und bei Sattelzugfahrzeugen um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rückläufige Tendenzen gab es dagegen bei Lkw der Klasse N1 (-15,6 Prozent) und Agrar-Zugmaschinen (-14,2 Prozent). Neuzulassungen von Motor- und Leichtmotorrädern wuchsen um 12,1 bzw. 9,7 Prozent, dafür sank deren Zahl bei Motorfahrrädern um 10,9 Prozent. (APA, 11.6.2013)

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    Die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern wie Frankreich und Italien bleibe "weiter schlecht", heißt es in der Studie.

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