Japans Notenbank hält still

11. Juni 2013, 07:58
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Die Zentralbank verzichtet auf Schritte zur Marktberuhigung

Tokio - Die japanische Zentralbank hat sich gegen Schritte zur Eindämmung der jüngsten Schwankungsanfälligkeit an den Anleihemärkten entschieden. Die Bank of Japan (BoJ) beschloss nach zweitägigen Beratungen einstimmig, ihren im April eingeschlagenen Kurs einer aggressiv gelockerten Geldpolitik unverändert fortzusetzen.

Die Börse gab nach Abschluss der BoJ-Sitzung nach, der Nikkei-Index büßte 196,58 Punkte oder 1,45 Prozent auf 13.317,62 Punkte ein. Der neue Notenbank-Gouverneur Haruhiko Kuroda will mit massiven Wertpapierkäufen die Konjunktur beleben und die jahrelange Deflation beenden. Unter Deflation versteht man eine gefährliche Spirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Nachfrage.

In Finanzmarktkreisen war im Vorfeld der BoJ-Sitzung angesichts der jüngsten Volatilität am Anleihemarkt und der Sorge über einen Anstieg langfristiger Zinsen spekuliert worden, dass die BoJ den heimischen Bankinstituten Liquidität für einen noch längeren Zeitraum als bisher zur Verfügung stellen könnte. Innerhalb der Zentralbank war überlegt worden, die Laufzeit von Krediten, die die BoJ in speziellen Geschäften an die Geschäftsbanken ausgibt, von einem auf zwei Jahre zu verdoppeln. Die Idee dahinter war, sicherzustellen, dass die Banken genügend Liquidität zum Aufkauf von Staatsanleihen haben, um so einen plötzlichen Anstieg der Zinsen zu verhindern.

Bedenken in der Zentralbank

Doch habe es bei einigen Mitgliedern des Zentralbankrats Bedenken gegeben, berichtete die Finanzzeitung Nikkei. Sie hätten befürchtet, dass so ein Schritt die Bereitschaft der Banken sinken lassen könnte, in Aktien und andere Anlagen zu investieren. Außerdem habe die Idee einer Verdopplung der Laufzeit der Kredite an Reiz verloren, da der Anstieg der Zinsen seit Monatsbeginn zum Erliegen gekommen sei. Unterdessen hob die BoJ ihre Einschätzung der Wirtschaft im sechsten Monat in Folge an. Die Wirtschaft "legt zu", formulierte die BoJ. Im Mai hatte es noch geheißen, die Wirtschaft beginne zuzulegen.

Japans Wirtschaft war im ersten Quartal mit einer hochgerechneten Jahresrate von 4,1 Prozent gewachsen. Im Vergleich zum Vorquartal legte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt um 1,0 Prozent zu, wie die Regierung am Vortag mitteilte. Unterdessen kündigte Regierungschef Shinzo Abe für Herbst Pläne für eine Steuerreform an. Vorgesehen sind Steuererleichterungen für Unternehmensinvestitionen. Laut Medienberichten will die Regierung angesichts der in jüngster Zeit an den Finanzmärkten aufgekommenen Zweifel an Abes Reformkurs die Pläne beschleunigen. Der Regierungschef will das Land mit einer Mischung aus Konjunkturpaketen, der eingeleiteten aggressiven Lockerung der Geldpolitik sowie Strukturreformen wieder auf die Beine bringen. (APA, 11.6.2013)

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