Die Handballer spitzen auf Historisches

10. Juni 2013, 18:41
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Was Fußballern und Volleyballern verwehrt blieb, kann das Handball-Nationalteam schaffen: die sportliche Qualifikation für eine EM. Goalgetter Robert Weber ist trotz Flutkatastrophe fokussiert

Bad Tatzmannsdorf - So richtig relaxt wirkt Robert Weber im Foyer des Thermenhotels Avita in Bad Tatzmannsdorf nicht - trotz Mittagessens in Badeschlapfen, kurzer Trainingshose und T-Shirt. Und daran war nicht die Trainingseinheit des österreichischen Handball-Nationalteams im wenige Kilometer entfernten Oberwart schuld. Weber lebt und arbeitet im deutschen Magdeburg, das von der Flutkatastrophe besonders schlimm getroffen wurde. "Unser Haus wurde am Sonntag evakuiert", sagte der 27- jährige Vorarlberger dem Standard. "Meine Ehefrau Lisa ist bei der Familie eines befreundeten Spielers untergekommen."

Das Haus, 50 Meter vom Damm entfernt, ist bedroht. Weber, der in der deutschen Handball-Bundesliga Neunter der Torschützenliste wurde, hat aber bisher Glück gehabt. Die ganze Mannschaft hat das letzte Liga-Spiel freiwillig abgesagt, um in der überfluteten Stadt mitzuhelfen. Hunderte Sandsäcke wurden befüllt, Freitagnacht wurde durchgemacht. "Magdeburg lebt für Handball", sagt Weber, der seit vier Jahren dort spielt. "Aber es gibt Wichtigeres. Wenn es noch schlimmer gekommen wäre, hätte ich dem Nationalteam abgesagt."

Dabei können die Handballer in dieser Woche etwas schaffen, das den männlichen Kollegen der Abteilungen Fußball und Volleyball bisher verwehrt blieb: die reguläre Qualifikation für die Endrunde einer Europameisterschaft. EM-Teilnahmen gab es für die Kicker (2008), Handballer (2010) und Volleyballer (2011) nur dank Fixtickets als Veranstalterland.

Serbien an der Tabellenspitze

Am Donnerstag (17, ORF Sport Plus) tritt das Team in Bosnien-Herzegowina an und sollte punkten. Am Mittwoch hat nämlich Serbieneinen wichtigen Auswärtssieg gefeiert. Beim Debüt von Ljubomir Vranjes als Kurzzeit-Coach gewannen die Serben in Russland 29:28 (17:11) und übernahmen in Gruppe 7 mit nun sieben Punkten aus fünf Matches die Tabellenspitze. Russland hält als Zweiter bei sechs Zählern, Österreich ist Dritter mit deren fünf. Die Top zwei sowie der beste der sieben Gruppendritten fahren zur EM. Abschließender Gegner der Österreicher ist nach dem Spiel in Sarajevo die Mannschaft Russlands am Sonntag in Innsbruck.

"Bei uns regiert Spaß und Harmonie. Wir sind gut drauf. Und wir sind die bessere Mannschaft", sagte Weber vor der Abreise am Dienstag. Er erinnerte an den Heimsieg im Oktober 2012. "Da haben wir sie mit elf Toren Differenz weggehauen."

Teamchef Patrekur Johannesson, der den Kader bis auf die sieben Deutschland-Legionäre schon vergangenen Mittwoch im Burgenland zusammenzog, überließ nichts dem Zufall. Er versorgte alle Kaderspieler seit dem sensationellen Sieg (31:28) und Remis (30:30) im April gegen Vizeeuropameister Serbien fast wöchentlich mit Videos. Johannesson erwartet einen anderen Gegner als beim 35:24 in Linz. "Wir sind vorbereitet", sagte der Isländer. "Aber in erster Linie", teilte Kapitän Viktor Szilagyi die Meinung des Coachs, "schauen wir auf uns. Wir haben mehr Erfahrung."

Weber ist mit Frau Lisa wegen des Hochwassers in Telefonkontakt, aber sonst "zu hundert Prozent fokussiert. Ich bin torgeil. Das war ich schon als Siebenjähriger, daran hat sich nichts geändert." (David Krutzler, DER STANDARD, 10.6.2013)

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    Robert Weber (li), der Legionär aus Magdeburg.

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