Goldener Käfig für die Kunst

10. Juni 2013, 18:39
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Nach vierjährigem Umbau wurde die Städtische Galerie im Lenbachhaus München wiedereröffnet. Um 59,4 Millionen Euro wurde sie vom britischen Architekten Lord Norman Foster saniert und erweitert

Seit 1929 fungiert die neoflorentinische Villa, die der Maler Franz von Lenbach 1890 bezog, als Museum; vor einem Monat wurde sie nach vierjährigen Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten wiedereröffnet. Für den Erweiterungsbau hatte das Büro Foster + Partners ursprünglich einen schwarzen Kubus vorgesehen, nun trägt er Gold und messingfarbene Metalllamellen - einige Grade differierend vom ockerfarbenen Anstrich des Altbaus. Dessen Außenwand wurde zur Innenwand, doch das Raumspektakuläre verspielt Foster durch ein schmales Galeriegeschoß, bereits jetzt Abstellfläche für unbenutztes Stehpartymobiliar, und durch zu viele zu schmale Stiegen.

Das Atrium ist trotz Olafur Eliassons Hängelichtarbeit Wirbelwerk wenig mehr als eine schmucklose Durchgangszone zu den einzelnen Sammlungsteilen.

Das 19. Jahrhundert ist umfangreicher denn je, von Noch-Direktor und Sammlungsleiter Helmut Friedel (ab Jänner 2014 heißt sein Nachfolger Matthias Mühling) nach Genres und Medien geordnet: Landschaft, Porträt, kleine Arbeiten auf Papier. Der Weg zu Biedermeier und Realismus ist ironisch, führt vorbei an skurrilen Textilarbeiten von Erwin Wurm.

Solche Kontraste sind beabsichtigt. Den Übergang zum Impressionismus markiert Richard Serras Raumskulptur Gate von 1987. Dieses Gestaltungsprinzip zieht sich bis ins - klimatisch jetzt schon zarte Defizite aufweisende - zweite Obergeschoß, zum Herzstück der Sammlung: den Arbeiten des Blauen Reiters. Hier stechen die bunten Wände ins Auge.

Arbeiten von Marc und Macke hängen auf Wasserfarbenblau, Neue Sachlichkeit auf sachlichem Weiß, Interieurs von Münter und Macke auf Sonnenblumengelb, Delaunay und Klee auf erdigem Braun mit untergemischten Kristallpartikeln.

Bei der Kunst nach 1945, geordnet nach Malern, Stilen oder Medien, werden die Ausstellungsräume immer kleiner, teils so eng, dass in einer Videoprojektion von Angela Bullock Betrachter ungewollt ins Bild ragen. Joseph Beuys hingegen, seit mehr als 30 Jahren künstlerischer Gravitationspunkt des Hauses, wird raumgreifend und außergewöhnlich elegant präsentiert. Die drei historischen Prunkräume sind eher lieblos integriert worden. Selbst bei regem Andrang sind sie erstaunlich leer, vielleicht weil sie so dunkel sind. Wirklich innovativ dagegen ist das Licht überall sonst, dank der eigens entwickelten LED- Beleuchtungstechnik. (Alexander Kluy, DER STANDARD, 11.6.2013)

  • Olafur Eliassons "Wirbelwerk" im Atrium.
    foto: epa/felix hoerhager

    Olafur Eliassons "Wirbelwerk" im Atrium.

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