José Mourinho ist nun "The Happy One"

10. Juni 2013, 18:30
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Portugiese wurde bei seinem neuen, alten Arbeitgeber FC Chelsea vorgestellt - "The Special One" ist Geschichte

London - Es durfte kurz gezweifelt werden, ob da wirklich der große José Mourinho saß. Der, der sich einst selbst "The Special One" nannte und generell besser als alle anderen Fußball-Trainer sein will, grinste nur lieb und sagte: Nein, jetzt bin ich "The Happy One".

Bescheiden, fast schon demütig, hat sich der sonst so exzentrische Portugiese am Montagnachmittag bei seinem neuen, alten Arbeitgeber FC Chelsea vorgestellt - das übersteigerte Selbstbewusstsein, das ihn so manches Mal großspurig erscheinen ließ, schien im Flieger aus Spanien geblieben zu sein.

"Hart arbeiten und mein Bestes geben"

"Ich will einfach nur ruhig bleiben, jeden Tag hart arbeiten und mein Bestes geben", sagte der 50-Jährige während der gut einstündigen ersten Pressekonferenz nach seiner Rückkehr zu den Blues: "Am liebsten würde ich morgen mit dem Training anfangen." Der Klub, und auch das kam aus Mourinhos Mund höchst überraschend, "ist wichtiger als wir alle."

Zum ersten Mal in seiner Karriere heuere er bei einem Verein an, den "ich schon liebe", sagte Mourinho, der in den vergangenen drei Jahren den spanischen Rekordmeister Real Madrid trainiert hatte, dort aber nie wirklich glücklich geworden war: "Das ist eine neue Art von Gefühl für mich."

250 Medienvertreter

Über 250 Medienvertreter hatten sich in der edlen Harris-Suite versammelt, um "ihren" Star-Coach gebührend zu empfangen. Die Pressekonferenz wurde zudem im Internet in die ganze Welt übertragen. Ob er den Rummel genieße? "No", sagte Mourinho zwar, verriet aber durch sein spitzbübisches Lächeln, wie sehr er diese Anerkennung in Madrid vermisst hatte.

"Ich versuche, offen und ehrlich zu euch zu sein", sagte er: "Ich weiß doch, dass ich das machen muss. Lasst uns das schnell erledigen - ich will hier arbeiten." Schon nach dem Aus im Champions-League-Halbfinale gegen Borussia Dortmund im April hatte Mourinho von den englischen Journalisten geschwärmt, die ihn - im Gegensatz zu den spanischen - "lieben" würden. Als Beweis gab es nach der Pressekonferenz Kuchen für den Coach.

"Wohlfühl-Oase"

Seine "Wohlfühl-Oase" Chelsea habe Mourinho vor fünf Jahren "einvernehmlich" verlassen. "Das war ein trauriger Moment, aber ich bereue ihn nicht", sagte er: "Ich habe danach die Champions League gewonnen und den wohl besten Moment meiner Karriere gehabt. Und bei Chelsea ist es auch gut gelaufen."

In seiner ersten Amtszeit (2004 bis 2007) hatte der Portugiese Chelsea zwar nach 50 Jahren wieder zur Meisterschaft geführt, er holte auch den Cup - der Triump in der Königsklasse allerdings wurde ihm mehrmals weggeschnappt, was ihm Klub-Besitzer Roman Abramowitsch wohl übler nahm, als Mourinho in Erinnerung hat.

"Geliebt werden will ich für das, was ich von jetzt an mache"

"Ich trage mehr Verantwortung, und die Erwartungen sind höher", sagte Mourinho zu seiner zweiten Amtszeit: "Ich will dafür respektiert werden, aber geliebt werden will ich für das, was ich von jetzt an mache. Die Fans können sicher sein, dass ich mein Bestes geben werde."

Was genau das sein wird, ließ Mourinho jedoch offen. "Wir sind nicht davon besessen, die Champions League zu gewinnen", sagte Mourinho, der mit dem FC Porto (2004) und Inter Mailand (2010) die Königsklasse gewann: "Natürlich will ich sie ein drittes Mal gewinnen - aber es ist kein Zwang."

Auch zum Thema Neuzugänge hielt sich Mourinho bedeckt. "Jeder Klub hat die Ambitionen, neue Spieler zu verpflichten und die Mannschaft zu verbessern. Wir haben ja schon 60 Spieler, weil die Medien in der vergangenen Woche schon 20 Einkäufe vermeldet haben", so Mourinho. (sid, 10.6.2013)

  • "The Happy One"
    foto: epa/facundo arrizabalaga

    "The Happy One"

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