Unsichere Machos, passive Frauen

10. Juni 2013, 17:52
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Im portugiesischen "Sexlab" werden die körperliche Erregung und ihre Probleme erforscht

Porto/Granada - "Wenn eine Person sexuelle Probleme hat, hat sie auch oft Vorstellungen über die Sexualität, die sie selbst für unangebracht, unrealistisch oder schlichtweg falsch hält", sagt Pedro Nobre, Koordinator des ersten Sexologischen Forschungslabor Portugals, kurz "Sexlab". Das gelte für Frauen wie für Männer. Nobre ist mit seinen Kollegen an der Universität von Porto dabei, in einer Pionierstudie "Die sexuelle Gesundheit von Mann und Frau" zu erforschen.

Aktuell widmen sich die Forscher dem weiblichen Organismus: "Wir werden den Grad der Erregung anhand dreiminütiger Videoclips messen", sagt Nobre. Den Probandinnen werden Ausschnitte aus Erotik- und Sexfilmen und neutralen Dokumentationen vorgespielt. Daten wie Puls und Blutdruck im Vaginalbereich, aber auch Hautwiderstand werden mit sogenanntem Eye-Tracking abgeglichen. Dabei wird erhoben, wohin die Augen am Bildschirm blicken, und ob und welche emotionale Reaktion das Gesehene auslöst.

Die gewonnenen Daten sollen über eine visuelle Erregbarkeit und die dazugehörigen physiologischen Abläufe Aufschluss geben. Die Wissenschafter wollen anhand der zu erhebenden Daten gängige Hypothesen über die weibliche Sexualität klären, und welche psychologischen Variablen eine Rolle spielen.

Obwohl die Datenerhebungen schon begonnen haben, werden noch weibliche Probandinnen zwischen 18 und 40 Jahren, die sich sexuell gesund fühlen, gesucht. In Summe werden 30 mehrheitlich studentische Teilnehmerinnen zur Studie herangezogen. Sie erhalten für ihr Mitwirken Warengutscheine einer Supermarktkette in der Höhe von 30 Euro. In Summe erhält das Team um Nobre für die Studien 170.000 Euro an Fördergeldern.

Die Forscher erhoffen sich durch ihre Arbeit Aufschlüsse über unterschiedliche Reaktionen der Geschlechter. Vor den Frauen waren bereits die Männer dran. Bei der Studie, die auch die erektile Funktion untersuchte und vermaß, wurden Probanden zwischen 18 und 50 Jahren herangezogen. Gerade der in Portugal weit verbreitete Typ des "Latino"-Machos hätte öfter Schwierigkeiten mit seiner Sexualität, betont Nobre. Der selbst gemachte Druck, nie Nein zu Sex zu sagen, bei keiner Penetration zu schwächeln und jede Frau in jeder Situation befriedigen zu können, produziere Versagensängste und lasse so manchen Macho erschlaffen.

Für Frauen dagegen bereite Passivität, die Erwartung des ersten Schrittes durch den Partner und das Ziel, stets Orgasmen zu haben, Probleme. Auch das würde Druck erzeugen, der schädlich für die sexuelle Gesundheit sei, sagt Nobre. Die Lösung: in erster Linie "positive, sexuelle Gedanken und Emotionen", so der Forscher. (Jan Marot, DER STANDARD, 11.6.2013)

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    Was passiert im Körper, wenn Mann oder Frau erotische Inhalte sehen? Portugiesische Forscher wollen es herausfinden.

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