"Instrumentalisierte" Selbstverbrennungen in Tibet

10. Juni 2013, 17:47
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Kritik an negativen Auswirkungen des Buddhismus wie der Theokratie und den politischen Ansprüchen des Klerus

Wien - "Der Dalai Lama will eine hochgradige Autonomie, die für Großtibet gilt. Also alle Gebiete, in denen Tibeter leben, wie Sichuan, Yunnan und Gansu. Das wären 27 Prozent des chinesischen Territoriums. Es ist unmöglich, die Grenzen dieser Provinzen aufzuheben, das wäre gegen die Verfassung der Volksrepublik." So beschreibt Bi Hua, die Chefredak­teurin des China Tibetology Publishing House, die grundsätzlichen Auffassungsunterschiede zwischen der chinesischen Regierung und der exiltibetischen Führung.

Bi bereiste zuletzt mit einer Delegation von Pekinger Tibetologen Österreich, um den Standpunkt Pekings in dem Konflikt an Universitäten und im Nationalrat darzulegen. Derzeit gebe es weder direkte noch indirekte Gespräche mit dem Dalai Lama, erklärte sie. Der Buddhismus habe neben seiner Bedeutung für die Menschen in Tibet auch negative Erscheinungen, wie die Theokratie und politische Ansprüche des Klerus.

Eine Verdrängung der Tibeter durch zuwandernde Han-Chinesen will Bi nicht feststellen. Von den drei Millionen Menschen in der Autonomen Region seien 2,7 Millionen Tibeter, die als Minderheit mehr Privilegien (in der Familienpolitik oder in Bildungsfragen) genössen als die chinesische Mehrheitsbevölkerung der Han.

Und warum haben sich dann seit 2009 120 junge Tibeter aus Protest gegen Pekings Politik öffentlich selbst verbrannt? Bi: "Es ist bedauerlich, dass das geschieht. Aber die Exilregierung instrumentalisiert diese Menschen, sie hat ja auch einen Leitfaden zu Selbstverbrennungen herausgegeben." (pra, DER STANDARD, 11.6.2013)

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