Anlage-Ebbe setzt Schwellenländern zu

10. Juni 2013, 18:35
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Die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens und Lateinamerikas haben an den internationalen Kapitalmärkten zu kämpfen

Die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens und Lateinamerikas haben an den internationalen Kapitalmärkten zu kämpfen. Ihre Währungen sind unter Druck, Investoren haben zuletzt Geld abgezogen.

Wien - Jahrelang konnten sich die Schwellenländer der Flut an billigem Geld kaum erwehren. "Währungskrieg" nannte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega die Politik der Notenbanken in den Industrienationen. Denn mit der Geldflut wurden die Währungen der Schwellenländer aufgewertet und die Unternehmen im weltweiten Wettbewerb damit weniger kompetitiv.

Doch die Kapitalflüsse sind zuletzt ausgetrocknet. In der ersten Juni- Woche haben Anleger mehr als vier Milliarden Dollar aus Schwellenländer- Aktienfonds abgezogen, zeigen Daten von EPFR. Aus Fonds, die in Hartwährungsanleihen von Emerging Markets investieren, ist so viel Geld abgezogen worden wie seit 2007 nicht. Die Währungen vieler Schwellenländer haben sich zusammen mit dem Investorenvertrauen verflüchtigt. Die indische Rupie ist am Montag auf ein Allzeittief gegen den US-Dollar gefallen, auch andere asiatische Währungen haben vergangene Woche deutlich mehr als drei Prozent abgegeben. Der brasilianische Real hat seit März mehr als zehn Prozent abgewertet. Vergangene Woche hat die Regierung eine Steuer gestrichen, mit der sie die Investitionen von Ausländern am Anleihenmarkt weniger attraktiv machen wollte.

In den vergangenen zwei Jahren haben Währungen von der türkischen Lira über den südafrikanischen Rand bis zum brasilianischen Real zwischen 13 und 30 Prozent gegen den US-Dollar nachgegeben. Gegen den Euro immerhin zwischen acht und 25 Prozent. Gareth Leather, Analyst bei Capital Economics, betont aber, dass es nicht nur ein Ende des Risikoappetits vieler Investoren gebe: "Die fallenden Rohstoffpreise haben die Währungen von Exporteure wie Australien und Neuseeland getroffen." Tatsächlich hat der Neuseeland-Dollar und der australische Dollar seit ersten Mai mehr als acht Prozent gegen den Euro nachgegeben.

Dazu kommen - wie zuletzt in der Türkei - politische Risiken. Die Proteste lassen sich auch an der türkischen Währung ablesen. Die Lira ist gegen den Euro seit dem Ausbruch der Proteste am 28. Mai um über 5,5 Prozent gefallen.

Schwellenmärkte lahmen

Das zusätzliche Risiko eines Schwellenländer-Investments hat sich für Anleger zuletzt nicht ausgezahlt. Der internationale Index für Schwellenländer-Aktien, der MSCI EM, hat seit Jahresbeginn fünf Prozent verloren, der Index der Industrienationen, MSCI World, liegt zwölf Prozent im Plus. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 11.6.2013)

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    Ausgetrocknet? Zuletzt haben sich die Kapitalflüsse in die Schwellenländer umgekehrt. Aktien und Währungen haben gelitten.

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