Steubenville: Aufdecker drohen zehn Jahre Haft

10. Juni 2013, 15:37
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Vergewaltiger im März zu Mindeststrafen verurteilt

Vor rund einem Jahr war ein 16-jähriges Mädchen in Steubenville, Ohio, Opfer sexueller Übergriffe sowie Spott und Häme über soziale Medien, unter anderem durch Mitglieder des lokalen Footballteams.

Während die junge Frau durch übermäßigen Alkoholkonsum außer Gefecht war, wurde sie zu verschiedenen Partys gefahren und dabei halbnackt und nackt fotografiert. Schließlich wurde einer der Footballspieler auch sexuell übergriffig. Dokumentiert wurde das Treiben von den Tätern über verschiedene Online-Kanäle, darunter Facebook, YouTube und Instagram. Auf Twitter schrieb einer der Sportler etwa "Das Lied dieser Nacht ist definitiv 'Rape Me' von Nirvana".

"KYAnonymous" veröffentlicht Beweise

Der Sicherheitstechniker Deric Lostutter, der sich damals hinter dem Pseudonym "KYAnonymous" verbarg, trug entscheidend dazu bei, den Fall an die breite Öffentlichkeit zu tragen. So veröffentlichte er eine breite Sammlung an Einträgen aus verschiedenen Netzwerken, die von den Beteiligten verfasst wurden. In einem Video drohte er weitere Konsequenzen an, sollten sie sich nicht bei ihrem Opfer entschuldigen.

Erst wenige Monate vor dem Vorfall begann Lostutter sich aufgrund der Dokumentation "We Are Legion" für Anonymous zu interessieren. In den Fall Steubenville schaltete er sich laut egener Aussage aber erst ein, als ihm das belastende Material von der Freundin eines in Ohio lebenden Bloggers übermittelt wurde.

"Batcat" schlägt zu

Das große Medienecho überraschte ihn und Lostutter vermied das Rampenlicht – von einem kurzen Interview mit CNN, in welchem er eine Guy-Fawkes-Maske trug – weitestgehend. Er hatte Angst, fühlte sich aber gleichzeitig auch gestärkt. "Es waren so viele Leute hinter dem Anliegen, dass es sich angefühlt hat, als hätte man eine ganze Armee an der Hand, um sich für das Richtige einzusetzen", so Lostutter gegenüber dem Mother Jones-Magazin.

Jedoch sollte es zu Kollateralschäden kommen. Die Webseite der Sportmannschaft wurde gehackt, sein Video dort gezeigt. Er betont, damit nichts zu tun gehabt zu haben. Mittlerweile hat auch ein anderer Hacker mit dem Pseudonym Batcat verlautbart, hinter dem Defacing zu stehen.

Bis zu zehn Jahre Haft drohen

Im März wurden die zwei Haupttäter verurteilt und kamen mit den Mindeststrafen von zwei und einem Jahr davon. Einen Monat später fuhr ein Dutzend FBI-Agenten in einem FedEx-Laster vor Lostutters Haus in Winchester, Kentucky, vor, stürmte seine Wohnung und beschlagnahmte seinen PC und seine Xbox.

In seinem Blog schreibt er, dass man ihn eines Verbrechens nach dem Computer Fraud and Abuse Act anklagen will, basierend auf angeblichen Kontakten zwischen ihm und "Batcat". Bis zu zehn Jahre Haft drohen ihm nun, wie Golem schreibt. An seiner Seite steht nun ein Anwalt der Whistleblower Defense League, eine Spendenkampagne zur Deckung der Verteidigungskosten wurde gestartet. (red, derStandard.at, 10.06.2013)

(Video: KYAnonymous)

  • Deric Lostutter, der belastendes Material über die Täter veröffentlicht hatte, könnte für bis zu zehn Jahre hinter Gitter kommen.
    foto: youtube

    Deric Lostutter, der belastendes Material über die Täter veröffentlicht hatte, könnte für bis zu zehn Jahre hinter Gitter kommen.

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