Voller "Jolie-Effekt" in Beratungsstellen

10. Juni 2013, 14:47
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Anfragen bei genetischen Beratungszentren haben sich verfünffacht - Kostenloses Programm zur Untersuchung und Behandlung

Wien - Anfang Mai hat die Schauspielerin Angelina Jolie (37) ihre vorsorgliche Brust-Amputation mit anschließender Rekonstruktion öffentlich gemacht. Der Hollywood-Star hatte aufgrund einer erblichen Veranlagung ein hohe Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Das hat offenbar auch in Österreich bei vielen Frauen Ängste geschürt. Bei der österreichweiten Hotline der Genetischen Beratung bei Erblichem Brust- und Eierstockkrebs der Universitätsklinik für Frauenheilkunde im AKH Wien haben sich die Anfragen verfünffacht, sagte Ambulanz- und Laborleiter Christian Singer am Montag.

"Wir spüren den Hype massiv", so der Gynäkologe. Gab es früher zwei telefonische Anfragen pro Tag, seien es seit den Berichten über Jolies Entscheidung zehn täglich. Es komme daher zu längeren Wartezeiten, "wir sind in Wien über mehrere Monate ausgebucht". Singer verwies darauf, dass sich Frauen auch an eines der österreichweit über 60 genetischen Beratungszentren wenden können.

Jede dreihundert- bis fünfhundertste Österreicherin ist potenzielle Trägerin der Mutationen der Brustkrebs-Gene BRCA1 und BRCA2, erläuterte Singer. Das erhöht das Krebsrisiko. Laut internationalen Studien haben Frauen mit einer solchen Mutation ein Lebenszeitrisiko von über 85 Prozent, an Brustkrebs zu erkranken, bei Nicht-Trägerinnen solcher Mutationen liegt das dieses Risiko bei zwölf Prozent.

Früherkennungsprogramm für Hochrisikopatientinnen

Vergangenes Jahr wurde deshalb in Österreich ein flächendeckendes, kostenloses Programm zur Untersuchung und Behandlung etabliert. Für die rund 25.000 Betroffenen ist die genetische Beratung, molekular-genetische Untersuchung sowie die Untersuchungsauswertung bei aufrechtem Versicherungsstatus kostenlos. "Ungefähr 15 bis 20 Prozent der betroffenen Frauen mit einer solchen Mutation entscheiden sich dann zu einer vorbeugenden, beidseitigen prophylaktischen Mastektomie", sagte Singer und verwies auf eine in den Brustkrebszentren durchgeführte Umfrage. Und: Rund ein Viertel der HochrisikopatientInnen lässt sich die Eierstöcke prophylaktisch entfernen.

Damit die kostenlose genetische Beratung in Anspruch genommen werden kann, muss eines der folgenden Kriterien in einer Linie der Familie (mütterliche oder väterliche Seite) erfüllt werden: Zwei Brustkrebsfälle vor dem 50. Lebensjahr, drei Brustkrebsfälle vor dem 60. Lebensjahr, ein Brustkrebsfall vor dem 35. Lebensjahr, ein Brustkrebsfall vor dem 50. Lebensjahr und ein Fall von Eierstockkrebs jeglichen Alters oder zwei Eierstockkrebsfälle jeglichen Alters. (APA, 10.6.2013)

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