Wiener Zinshäuser unterm Hammer

10. Juni 2013, 14:27
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Neuer "Marktplatz" für Zinshaus-Interessenten: Eugen Otto und Oliver Brichard veranstalten im Oktober die "1. Wiener Zinshaus-Auktion", weitere sollen folgen

Wer in Wien ein Zinshaus erwerben möchte, findet ab kommendem Herbst dafür einen weiteren "Marktplatz" vor: Die beiden Wiener Immobilienprofis Eugen Otto (Otto Immobilien) und Oliver Brichard (Brichard Immobilien) veranstalten am 17. Oktober erstmals eine "Zinshaus-Auktion". Dabei werden zwei Mietzinshäuser in den Bezirken Landstraße (3.) und Wieden (4.) "unter den Hammer" kommen.

Mithilfe einer solchen Auktion, die in Österreich auf "freiwilliger Basis" seit 2008 durchgeführt werden kann (als "Feilbietung" - Details siehe unten), könne man mit seinem Angebot den größtmöglichen Kreis an Interessenten ansprechen und so theoretisch den bestmöglichen Preis erzielen, sind sich die beiden Immobilien-Unternehmer sicher.

"Marktpreis entsteht 'live'"

Bei der Auswahl der Objekte, die zur Versteigerung kommen, werde sehr selektiv vorgegangen, erklärte Otto am Montag bei der Vorstellung der Pläne im Radisson Blu Palais Hotel am Wiener Parkring, wo die Auktion im Oktober stattfinden wird: "Wir werden keine Ladenhüter anbieten", viel wichtiger sei es, erstklassige Immobilien anzubieten, als eine große Anzahl.

Die Möglichkeiten einer Auktion versuchte Otto auch mit einem zwar hypothetischen, aber durchaus in der Praxis häufig vorkommendem Beispiel zu erläutern: "Drei Geschwister erben als Miteigentümergemeinschaft gemeinsam ein Zinshaus. Sie wollen es zwar verkaufen, sind sich aber über den erzielbaren Preis uneins. Mit einer groß angekündigten und breit beworbenen Versteigerung wendet man sich nun aber an ein größtmögliches Zielpublikum."

Auf der Auktion selbst könne dann "'live' beobachtet werden, wie der Marktpreis entsteht", ergänzte Brichard. Und dieser könne auch schon einmal um bis zu 30 Prozent über dem Verkehrswert zu liegen kommen, das hätten frühere öffentliche Feilbietungen gezeigt.

Mehrmonatiger Vorlauf

Für den 17. Oktober werden keine weiteren Objekte mehr angenommen. Die Auktion wird ausschließlich mit diesen beiden Zinshäusern vonstatten gehen, die übrigens keiner Miteigentümergemeinschaft gehören, sondern der Architektenkammer. Diese ist gerade dabei, ihren Pensionsfonds aufzulösen, weil ihre kammer-eigene Pensionsversicherung per 1. Jänner 2013 in das staatliche Pensionsversicherungssystem FSVG überführt wurde. Ihren Immobilienbestand muss die Kammer nun zu Geld machen.

Wer als Abgeber Interesse an der Auktion hat, kommt also frühestens für die zweite Zinshaus-Auktion im Frühjahr in Frage. Zweimal jährlich sollen die Versteigerungen nämlich nun stattfinden, so Otto - wobei man freilich erst den Verlauf der ersten Auktion abwarten müsse.

Wer sein Zinshaus versteigern lassen will, sollte sich ohnehin rund ein halbes Jahr vor dem Termin an die "Auktionatoren" wenden, denn es brauche einen "mehrmonatigen Vorlauf", betonte Otto. Schließlich müssten Gutachten erstellt werden, und jeder Interessent habe selbstverständlich die Möglichkeit, die Häuser zu besichtigen. Auf einer eigens erstellten Website kann man zudem nach vorhergehender Registrierung in Grundbuchsauszug, Gutachten sowie auch in bestehende Mietverträge Einsicht nehmen.

Nebenkosten beachten

Wer bei der Auktion mitbieten möchte, aber nicht selbst in Erscheinung treten kann oder will, kann auch einen Vertreter schicken. Dieser benötigt allerdings eine Spezialvollmacht.

Und wer denkt, mit dem erzielten "Meistbot" sind sämtliche Kosten abgedeckt, irrt: Mitbieter sollten immer auch die 3,5-prozentige Grunderwerbssteuer sowie die 1,1-prozentige Grundbucheintragungsgebühr im Auge behalten, die wie bei jedem Liegenschaftskauf vom Kaufpreis anfallen.

Und dann ist da freilich noch die Provision für die Auktionatoren: Wie bei einem "normalen" Immobilienverkauf sind auch hier bis zu sechs Prozent an Provision für die Maklertätigkeit möglich. Wer diese zahlt – Käufer und/oder Verkäufer -, kann individuell vereinbart werden, die getroffene Regelung ist dann vor der Auktion in den Unterlagen ersichtlich. Otto und Brichard vertreten jedenfalls die Meinung, dass diese Kosten "vor allem der Abgeber tragen sollte, um den Auktionsprozess zu unterstützen".

Möglichkeit seit 2008

Die Möglichkeit, freiwillige "Feilbietungen" (im Gegensatz zu behördlichen Zwangsversteigerungen, Anm.)  von Liegenschaften durchzuführen, wurde  2008 mit dem Feilbietungsrechtsänderungsgesetz geschaffen. "Die Versteigerung erfolgt hier nicht durch ein Gericht, sondern unter Beiziehung eines Notars, der nach dem Zuschlag die notwendige Amtsbestätigung für das Grundbuch ausstellt und das Meistbot entsprechend den Versteigerungsbedingungen verteilt", erklärte Stefan Artner von der Rechtsanwaltskanzlei Dorda Brugger Jordis, der Ottos und Brichards Zinshaus-Auktion juristisch begleitet.

Der Zuschlag wird vom Notar in Form eines notariellen Protokolls beurkundet. Nach vollständigem Erlag des Kaufpreises erfolgt anschließend auf Grundlage des Protokolls und der Versteigerungsbedingungen die Eintragung des Erwerbers im Grundbuch. (Martin Putschögl, derStandard.at, 10.6.2013)

  • Dieses Zinshaus in der Reisnerstraße 61 kommt am 17. Oktober unter den Hammer. Es enthält 15 Wohnungen und acht Büros, die alle vermietet sind.
    foto: otto & brichard gsbr

    Dieses Zinshaus in der Reisnerstraße 61 kommt am 17. Oktober unter den Hammer. Es enthält 15 Wohnungen und acht Büros, die alle vermietet sind.

  • Das Objekt in der Belvederegasse 18 ist demgegenüber kein "klassisches" Wiener Zinshaus, stammt es doch nicht aus der Gründerzeit, sondern aus dem Jahr 1994. Für den Käufer hat das durchaus Vorteile: hier gelten keine Mietzinsbeschränkungen laut Mietrechtsgesetz.
    foto: otto & brichard gsbr

    Das Objekt in der Belvederegasse 18 ist demgegenüber kein "klassisches" Wiener Zinshaus, stammt es doch nicht aus der Gründerzeit, sondern aus dem Jahr 1994. Für den Käufer hat das durchaus Vorteile: hier gelten keine Mietzinsbeschränkungen laut Mietrechtsgesetz.

  • Eugen Otto (li.) und Oliver Brichard setzen auf ihre "geballte Expertise" und wollen nun zweimal pro Jahr Zinshaus-Auktionen veranstalten.
    foto: otto & brichard gsbr

    Eugen Otto (li.) und Oliver Brichard setzen auf ihre "geballte Expertise" und wollen nun zweimal pro Jahr Zinshaus-Auktionen veranstalten.

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