Berlakovich will mehr Hochwasserschutz

10. Juni 2013, 12:38
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Umweltminister: Naturnaher Rückbau soll Überschwemmungsgebiete schaffen - Keine Enteignung von gefährdeten Uferabschnitten

Umweltminister Nikolaus Berlakovich unterstrich am Montag den Ruf nach mehr Hochwasserschutz in Österreich. Hauptziel der Maßnahmen sei es, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben und die künstlichen Gerinne naturnah zurückzubauen, sagte Berlakovich im Gespräch mit dem "Ö1-Morgenjournal".

Seit 2002 seien in Österreich zwei Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert worden, sagte der Umweltminister. "Wenn wir das nicht gemacht hätten, wäre die Lage weit dramatischer gewesen." Alleine Investitionen in Salzburg in der Höhe von 240 Millionen Euro hätten beim aktuellen Hochwasser einen Schaden von geschätzten fünf Milliarden Euro verhindert.

Eine Milliarde für kommende fünf Jahre

Dennoch sei es nötig, weiter Geld in die Flutvorsorge zu stecken, so Berlakovich. Zumindest eine weitere Milliarde soll in den kommenden fünf Jahren in die Hand genommen werden. Prophylaktisch müsse auch ein Bauverbot in gefährdeten, sogenannten "roten" Zonen gesetzlich umgesetzt werden.

Forderungen wie jene der CSU in Deutschland, landwirtschaftliche Flächen in überflutungsgefährdeten Gebieten zu enteignen, um "verstaatlichte" Überschwemmungsgebiete zu schaffen, lehnt Berlakovich ab. In Österreich sollen Grundstücke in Ufernähe angekauft oder mit Bauern Entschädigungen bei Überflutungen vereinbart werden.

Hochwasser Thema bei grüner Klubklausur

Die Folgen der jüngsten Hochwasserkatastrophe in Österreich haben auch die Grünen bei ihrer Klubklausur in Mauerbach beschäftigt. Klub- und Parteichefin Eva Glawischnig forderte dabei am Montag verbindliche Regelungen, um den Schutz in den kommenden zehn Jahren mit ökologischem Schwerpunkt zu verbessern. Regeln will sie das in einem Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern. Ein Beschluss im Nationalrat sei noch vor der Wahl möglich, sagte sie vor Parlamentariern und Journalisten.

Es brauche einen umweltverträglichen vorbeugenden Hochwasserschutz, mit Platz für die Flüsse, Rückbau und Renaturierung sowie Rückhaltebecken, so Glawischnig gemeinsam mit ihrem Parteikollegen, dem oberösterreichischen Umweltlandesrat Rudi Anschober. Den von diesem verantworteten Machlanddamm in Oberösterreich lobte sie als internationales Vorzeigeprojekt.

WWF fordert Hochwassergipfel

Mehr politischen Willen forderte am Montag die Umweltschutzorganisation WWF in einer Aussendung. Auf einem möglichst rasch angesetzten Bundeshochwassergipfel soll ein nationales Aktionsprogramm für einen ökologischen Hochwasserschutz beschlossen werden.

"Neben dem technischen Hochwasserschutz braucht es einen klaren Fahrplan zum Rückbau der Flusskorsette und zur Ausweitung der natürlichen Überschwemmungsflächen", erklärte WWF-Sprecher Christoph Walder. (APA/red, derStandard.at, 10.6.2013)

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    Bergepanzer in der vom Hochwasser hart getroffenen Region Hainburg.

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    Umweltminister Nikolaus Berlakovich stimmt sich auf naturnahen Flussbau ein.

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    Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober mit seinen Kollegen von der grünen Bundesspitze, Eva Glawischnig und Werner Kogler, bei der Klubklausur.

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