Trainer: Weniger Kanada, mehr Europa

10. Juni 2013, 00:28
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Die Mehrheit der EBEL-Klubs vertraut auch im kommenden Spieljahr auf ihre bewährten Coaches. Ein Rundblick

Seit vergangene Woche Don Jackson als neuer Head Coach des EC Salzburg präsentiert wurde, steht fest, welche Trainer die elf EBEL-Teams ins kommende Spieljahr führen werden. Der Großteil der Klubs setzt 2013/14 auf bewährte Kräfte, so etwa Meister KAC, bei dem der erst Ende Dezember zum Chef aufgestiegene Christer Olsson bereits nach dem Viertelfinalerfolg gegen die Graz 99ers mit einem neuen Vertrag ausgestattet wurde. Assistent des jüngsten Trainers in der Liga bleibt nach langen und wechselhaften, letztlich aber erfolgreichen Verhandlungen Dieter Kalt, der zudem auch neuer Teamchef der U20-Nationalmannschaft wird.

Acht von elf bleiben im Amt

Ebenso bereits während der Spielzeit verlängerten die Vienna Capitals (Tommy Samuelsson), der HC Innsbruck (Daniel Naud) und die Graz 99ers (Mario Richer) die mit Saisonende auslaufenden Kontrakte ihrer Trainer. Über bestehende Verträge verfügen die Übungsleiter des Dornbirner EC (Dave MacQueen), von Olimpija Ljubljana (Bojan Zajc), des EHC Linz (Rob Daum) sowie des Villacher SV (Hannu Järvenpää). Damit gehen acht der elf Klubs in der Erste Bank Eishockey Liga ohne Änderungen auf der Cheftrainer-Position in die kommende, im September beginnende Saison.

Jackson als spektakulärster Zugang

Neubesetzungen gab es in diesem Transfersommer lediglich in Székesfehérvár, wo Marty Raymond, zuletzt zwei Jahre lang beim nun aus der EBEL geschiedenen Medveščak Zagreb auf der Bank, das Ruder übernahm, sowie in Znojmo, das zukünftig vom in der Liga noch gänzlich unerfahrenen Jiří Režnar betreut wird.

Dritter und gleichzeitig weitaus prominentester Neuzugang ist Salzburgs Don Jackson. Der US-Amerikaner kann auf eine bereits seit 24 Jahren andauernde Trainerkarriere zurückblicken. Die jüngsten sechs davon verbrachte Jackson äußerst erfolgreich bei den Eisbären Berlin, die er in diesem Zeitraum zu fünf Meistertiteln führte. Sein Vorgänger in der deutschen Bundeshauptstadt war Pierre Pagé, den er nun in Salzburg beerbt. Doch ihre Wege kreuzten sich bereits wesentlich früher: 1991 holte Pagé den frisch gekürten "Trainer des Jahres" der ECHL in seinen Betreuerstab bei den Nordiques de Québec in der NHL.

Salzburg nach der Ära Pagé

Seither besteht zwischen dem nun scheidenden Salzburg-Trainer und seinem Nachfolger ein ausgeprägtes Vertrauensverhältnis. Als sich ab Jahresbeginn immer deutlicher Abzeichnete, dass der Getränkekonzern Red Bull mit der Übernahme aller Anteile am DEL-Klub aus München sein Eishockey-Engagement auszubauen gedenkt, war die Einbindung Don Jacksons in das neue Konstrukt oberste personalpolitische Priorität für Pierre Pagé. Dass der Berliner Meistertrainer nun nicht in München, sondern am Standort Salzburg landete, kam durchaus überraschend, ist für die EBEL jedoch zweifellos ein Glücksfall.

Zwar hat der neue Head Coach in Salzburg bisher noch keinen einzigen Spieler unter Vertrag genommen, doch alleine seine Verpflichtung zerstreute die in den vergangenen Monaten von Boulevardmedien konstruierten Gerüchte, an der Salzach würde fortan nur noch eine untergeordnete Zweigstelle des Münchner Teams geführt werden.

Der durchschnittliche EBEL-Trainer

Mit seinen 56 Jahren wird Don Jackson im kommenden Spieljahr der älteste Coach in der gesamten Liga sein. Zwischen ihm und dem 42jährigen KAC-Meistermacher Christer Olsson pendelt sich das Durchschnittsalter der EBEL-Trainer bei 50,6 Jahren ein. Auffällig ist, dass die elf Übungsleiter über recht beschränkte Erfahrungen in der multinationalen Meisterschaft verfügen: Im Schnitt standen sie in ihren bisherigen Karrieren in erst 84,9 EBEL-Spielen in hauptverantwortlicher Position an der Bande. Auf die längste Laufbahn in der Liga können Villachs Hannu Järvenpää (203 Partien), Capitals-Head Tommy Samuelsson (177) und der Linzer Rob Daum (134) verweisen.

Kanadische Dominanz bröckelt

Die elf Trainer, die ihre Teams in die Saison 2013/14 führen werden, kommen aus sechs verschiedenen Nationen. Die Mehrheit, fünf Coaches, wurde in Kanada geboren, zwei in Schweden, jeweils einer in den USA, Slowenien, Finnland und Tschechien.

Von der Spielphilosophie her bleibt die Erste Bank Eishockey Liga also auch zukünftig eine nordamerikanisch geprägte, wenngleich sich in der jüngeren Vergangenheit neben dem dominanten kanadischen Stil im Besonderen nordeuropäische Spielauffassungen erfolgreich etablieren konnten: In Wien war der Schwede Tommy Samuelsson entscheidend am vollzogenen Umbau des Klubs beteiligt, der Finne Hannu Järvenpää hat dem zuvor primär entlang physischer Leitlinien ausgerichteten VSV eine spielerisch orientierte Spielanlage vermittelt und in Klagenfurt brachte mit Christer Olsson ebenfalls ein Schwede die "Mission 30" zum erfolgreichen Abschluss.

Während in den vergangenen Jahren primär steigende Zuschauerzahlen, stark wachsende Werbewerte und gelungene Erweiterungsschritte die Aushängeschilder der EBEL bildeten, bietet der sich auch in den aktuellen Besetzungen der Trainerbänke widerspiegelnde Trend der spielphilosophischen Öffnung und Verbreiterung die Möglichkeit, in der internationalen Wahrnehmung auch wieder einmal auf sportlicher Ebene zu punkten. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 10.Juni 2013)

  • Nach fünf Meistertiteln in sechs Jahren bei den Eisbären Berlin wird Don Jackson neuer Trainer des EC Salzburg.
    foto: gepa/redbull/roittner

    Nach fünf Meistertiteln in sechs Jahren bei den Eisbären Berlin wird Don Jackson neuer Trainer des EC Salzburg.

  • Der an EBEL-Spielen erfahrenste Trainer der Liga ist mit 203 Partien Villachs Hannu Järvenpää (142 bei Olimpija, 61 beim VSV).
    foto: expa/rinderer

    Der an EBEL-Spielen erfahrenste Trainer der Liga ist mit 203 Partien Villachs Hannu Järvenpää (142 bei Olimpija, 61 beim VSV).

  • Die Gliederung der elf aktuellen EBEL-Cheftrainer nach ihren Herkunftsländern.
    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Die Gliederung der elf aktuellen EBEL-Cheftrainer nach ihren Herkunftsländern.

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