Die Seele der Salzburger Festspiele

Kopf des Tages9. Juni 2013, 19:05
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Helga Rabl-Stadler ist eine konsequente, harte Arbeiterin - seit Anbeginn

Es war im Sommer 1999. Der Regisseur Frank Baumbauer, damals für das Schauspiel der Salzburger Festspiele verantwortlich, ließ seiner Wut über Helga Rabl-Stadler, der Festspielpräsidentin, freien Lauf: "Es ist nur so, dass ich sie auf der Stelle umbringen möchte, den Hals müsste ich ihr umdrehen. Dann ist sie tot. Dann wäre das auch vorbei." Sie sei eine liebenswerte und nette Person, "aber auch so blöd, dass es kaum auszuhalten ist".

Helga Rabl-Stadler, die langjährige ÖVP-Politikerin, war 1995 zur Präsidentin ernannt worden. Die ersten Jahre müssen ziemlich hart gewesen sein. Denn man zerriss sich das Maul über sie. Einerseits weil sie Miteigentümerin des Salzburger Modehauses Resmann war - und sich bis dahin nicht durch Affinität zur Kunst ausgezeichnet hatte. Andererseits weil sie weder ihrem Vorgänger Heinrich Wiesmüller noch Mortier und dessen Konzertchef Hans Landesmann intellektuell ebenbürtig schien. Für sie sprach lediglich, 1948 in Salzburg geboren worden zu sein.

Aber Helga Rabl-Stadler ist eine konsequente, harte Arbeiterin - seit Anbeginn. Mit 22 Jahren (kurz zuvor hatte sie ihren leiblichen Vater, den mehrfachen ORF-Generalintendanten Gerd "Tiger" Bacher, kennengelernt) promovierte sie in Jus. Dann machte sie sich als Innenpolitikjournalistin einen Namen - unabhängig von Peter Rabl, mit dem sie verheiratet war und zwei Söhne hat.

Auch als Festspielpräsidentin "streberte" sie. Und sie brachte mit der Zeit alle Intriganten zum Verstummen. Rabl-Stadler kämpft unermüdlich um Sponsoren, sie geht auf Roadshows, sie bewegt sich sicher sowohl auf dem politischen Parkett wie in der Festspiel-Society - oft in klassischen Kostümen von Akris. Sie fordert viel von ihrem Team, aber sie hat auch ein "Gefühl für die gegenseitige Zumutbarkeit". Und seit zwei Jahren ist sie nicht nur Repräsentationsfigur des Renommierfestivals, sondern auch für das Budget verantwortlich.

Dass ihr Vertrag nicht noch einmal verlängert werden würde, war Rabl- Stadler, dieser Tage 65 geworden, klar. Sie sagte, dass sie im Herbst 2014 aufhören werde: "Wenn es den Leuten noch leidtut, dass ich gehe." Nun könnte es aber sein, dass es wegen des Wechsels von Intendant Alexander Pereira an die Scala für die Sommer 2015 und 2016 eine Interimslösung braucht. Man kann sich sicher sein: Helga Rabl-Stadler stünde bereit (zusammen mit Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf). Die Festspiele sind eben ihr Leben. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 10.6.2013)

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    Seit knapp 20 Jahren Präsidentin: Helga Rabl-Stadler.

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