Ohne Ehrgeiz kein Traum in Amerika

    9. Juni 2013, 18:24
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    Und am Ende der Karriere steht ein Haus am See. Britta Grebe-Llewellyn (48), Wasserskifahrerin aus Gmunden, die Europa davonsprang, lebt in West Palm Beach, Florida. Ihr Mann ist immer noch, ihr Sohn ist bereits aktiv

    Lake Worth - Britta Grebe ist einerseits noch sehr jung gewesen, andererseits ziemlich alt. "Ich werde Weltmeisterin", das teilte sie im zarten Alter von vier Jahren und im Brustton der Überzeugung ihrer Mutter mit. Dann turnte sie fleißig, dann ruderte sie recht brav und sogar zu einem Meistertitel in der Jugendklasse. Doch dass weder Turnen noch Rudern, sondern Wasserskifahren ihr Sport sein sollte, hat sie erst mit siebzehn überrissen. "Ich hab also eigentlich", sagt Britta Grebe, "sehr spät damit angefangen."

    Dabei lag Wasserskifahren auf der Hand, weil der Traunsee vor der Tür. Die Gmundnerin Grebe hatte die Wasserskifahrer oft vom Ruderboot aus beobachtet, "und das sah schon recht cool aus". Als sie es selbst versuchte, stand sie ihre erste Runde, und sehr bald war ihr klar: "Erstens - das ist mein Sport. Und zweitens - ich muss nach Amerika gehen." Gehen ist natürlich relativ, geflogen ist sie schon, und zwar nach dem Abschluss der Handelsschule und nach Florida. Franz Oberleitner, Österreichs herausragender Wasserskifahrer und in der Folge sieben Jahre lang an Brittas Seite, hatte ihr die Rutsche zur Swiss Ski School in Clermont gelegt.

    "Ich habe meinen American Dream gelebt", sagt Grebe. Sie arbeitete in der Wasserskischule, ging nebenbei als Haushaltshilfe, um dazuzuverdienen. Traumhaft waren aber vor allem die Trainingsbedingungen, auch bei Skiers Dream, der Wasserskischule, die Grebe und Oberleitner selbst eröffneten und bis zu ihrer Trennung 1991 führten.

    Sehr, sehr enttäuscht

    Es war das Jahr, in dem Grebe ihre erste Weltmeisterschaft bestritt, in Villach holte sie Bronze im Springen, das ihre Domäne war. Aus österreichischer Sicht war der dritte Platz - nach fast drei Jahrzehnten ohne Medaille - eine Sensation. Aus der Sicht Grebes, die zwischenzeitlich geführt hatte, war der dritte Platz eine große Enttäuschung. "Ich hab zuerst nur geheult und erst nach einigen Tagen realisiert, welcher Erfolg mir da gelungen war."

    Da kam schon ein wesentlicher Charakterzug zum Vorschein, der kaum enden wollende Ehrgeiz. Er spornte ihren Trainingseifer an, er sollte ihr auch nach Verletzungen wieder auf die Sprünge helfen. Spaß machte das Wasserskifahren sowieso, auch in der Zeit nach Oberleitner. Grebe übersiedelte nach Palm Beach, an einen Wasserski-See. "Ein Haufen junge Leute trieben sich dort herum", sagt Grebe, "wir sind gemeinsam zum Lunch und ins Kino gegangen." Dort und so lernte sie Jaret Llewellyn kennen, einen fünf Jahre jüngeren Kanadier, der einer der weltbesten Wasserskifahrer war und nach wie vor ist. 1993 kamen sie zusammen, 1996 kam Sohn Dorien dazu, im selben Jahr wurde geheiratet, standesamtlich im Mai in den USA, kirchlich im September in Schloss Ort in Gmunden.

    Jaret (42) ist nach wie vor aktiv, Grebe (48) hat 2007 ihre Karriere beendet. Sie war Weltrekordlerin, sie holte zehn EM-Titel und 51 österreichische. International siegte sie vor allem im Springen, hierzulande gewann sie alles, also auch in den Disziplinen Slalom und Figurenlauf sowie notabene in der Kombination. Es war die Zeit, in der man sich in Wettkämpfen noch fast ausschließlich vom Boot ziehen ließ, Wasserskilifte kamen erst auf. Doch dem Lift und der damit verbundenen zweiten Art von Titelkämpfen verdankte es Grebe, dass sie auch zu Weltmeisterinnenehren kam, 1998 und 2000.

    Bei der traditionellen WM ist Grebe stets leer ausgegangen. Wenn sie nicht im Vorfeld erkrankt war, verletzte sie sich, und wenn sie sich nicht im Vorfeld verletzt hatte, wurde sie krank. Auch deshalb bezeichnet sie nun ihren EM-Triumph 1996 als "den größten Erfolg". Am 16. Mai hatte sie Dorien zur Welt gebracht, fünf Tage vorher war sie noch auf Skiern gestanden, "halt auf sicher". Drei Wochen nach Doriens Geburt begann Grebe zu trainieren, weitere vier Wochen später begann sie zu springen. "Ich bin blöd auf die Schnauze gefallen", eigentlich aufs Steißbein, das brach. Die EM stieg knapp zwei Monate später in Dänemark, Grebe war halbwegs fit, hatte aber genau gar nichts trainiert, wollte das Springen auslassen. "Doch Jaret hat mit meinem Coach gepackelt, sie haben meine Sprungski mitgenommen."

    "Sehr, sehr cool"

    Die Ski sprangen nicht von alleine. Nach der Qualifikation lag Grebe noch an vierter Stelle, und plötzlich war er wieder da, der Ehrgeiz. Bei der Siegerehrung stand die Österreicherin ganz oben, und sie hielt ihren dreizehn Wochen alten Sohn im Arm. "Das war schon sehr, sehr cool." Mag sein, dass Dorien davon nicht viel mitbekommen hat, umso mehr bekam er von seinen Eltern mit. Auch den kaum enden wollenden Ehrgeiz. Dorien ist, no na, ein toller Wasserskifahrer, doch er spielt auch ausgezeichnet Eishockey, besucht seit zwei Jahren in Boston eine elitäre Schule, bei der akademisch wie sportlich viel weitergeht. Es gibt Kundige, die Dorien den Sprung in die NHL zutrauen, er wird sich demnächst entscheiden müssen zwischen dem Wasser in flüssigem und jenem in gefrorenem Zustand.

    Familie Grebe-Llewellyn ist nach wie vor in Palm Beach daheim, nicht weit vom Meer entfernt, in Lake Worth. Ihr Haus hat 350 Quadratmeter Grundfläche, da braucht es keine zweite Etage, es liegt direkt an einem 800 Meter langen und gut 150 Meter breiten Baggersee. 14 Häuser stehen dort an einer halben See-Längsseite, das Grebe-Grundstück ist das letzte in der Reihe. "Wir schauen hinaus zur Schanze", sagt Grebe, "und die Schanze schaut zu uns." Nur drei der 14 Familien am See fahren Wasserski, die anderen sehen gerne zu, mit zeitweiligem Motorbootlärm haben alle gerechnet, als sie hingezogen sind. Oft kommt Besuch. "Ich hol mir quasi Österreich hierher", sagt Britta Grebe.

    Sehr, sehr familiär

    Bei Red Bull war sie seinerzeit eine der ersten gesponserten Sportlerinnen, jetzt ist sie für Red Bull USA tätig, als "Athletes Performance Manager". Sie organisiert Camps und kümmert sich um alle Red-Bull-Sportler im amerikanischen Osten. "Mein Job ist es herauszufinden, was sie brauchen, um noch besser sein zu können. Ein Traumjob." Ansonsten liebt sie es, ihrem Mann und vor allem ihrem Sohn beim Wasserskifahren und beim Siegen zuzusehen. Bei der WM im November in Chile könnten die beiden sogar aufeinandertreffen. Bis dahin sollte Jaret, der sich im Training einen Hüft- und einen Wadenbeinbruch zuzog, wieder fit sein.

    Britta Grebe war auch nicht selten verletzt, nach einem Bandscheibenvorfall 2009 ist sie dreieinhalb Jahre lang nicht mehr Wasserski gefahren. Vor einem Monat hat sie es wieder versucht. "Es hat zwei Seelängen gedauert", sagt sie. "Aber ich hab noch recht viel können." Sie geht es wieder an, sie will "wieder ein bisserl mehr fahren", aber nur zum Spaß. Das ist ehrgeizig genug. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 10.6.2013)

    • Britta Grebe lebte und lebt ihren American Dream.
      foto: privat

      Britta Grebe lebte und lebt ihren American Dream.

    • Nach 25 Jahren sowie zehn EM-Titeln hinter dem Boot und zwei WM-Titeln (Lift) tat Britta Grebe 2007 den letzten Wettkampfsprung ihrer Karriere.
      foto: werner biermayr

      Nach 25 Jahren sowie zehn EM-Titeln hinter dem Boot und zwei WM-Titeln (Lift) tat Britta Grebe 2007 den letzten Wettkampfsprung ihrer Karriere.

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