US-chinesisches Verhältnis: Taktisches Abtasten

Kommentar9. Juni 2013, 18:18
5 Postings

China hat seit 2007 gut 50 Milliarden Dollar in den USA investiert und ist der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten

Die am häufigsten zu solchen Anlässen geäußerte Einschätzung lautet so: Das Management des amerikanisch-chinesischen Verhältnisses sei nicht bloß die weltpolitisch wichtigste Aufgabe des 21. Jahrhunderts, davon hänge im Wesentlichen auch das weitere Schicksal der Menschheit ab. Vertragen sich etablierte und kommende Supermacht nicht, dann werde es für alle ungemütlich.

Diese Argumentation hat vieles für sich. Der "Sunnyland Summit" gibt aus dieser Perspektive aber noch wenig Aufschluss über den Stand der Dinge. Barack Obama und Xi Jinping haben nur Materien berührt, bei denen sie unmittelbar kongruente Interessenlagen haben: In Nordkorea wollen beide, salopp formuliert, Ruhe im Karton haben. Eine Anerkennung der nuklearen Bewaffnung Pjöngjangs schließen sie aus, obwohl diese de facto erfolgt ist. Heikle Themen wie eine tatsächlich substanzielle Kooperation etwa in Fragen der Cybersicherheit, des Schutzes intellektuellen Eigentums und der Aufrüstung im Pazifik dagegen sparten die Präsidenten - offiziell zumindest - aus. Wo Uneinigkeit ist, sollte nicht noch offener Streit dazukommen.

Neben dem gegenseitigen taktischen Abtasten der beiden Herren wurde aber auch klar, dass die zwei Länder viel mehr voneinander abhängen als seinerzeit die USA und die Sowjetunion. China hat seit 2007 gut 50 Milliarden Dollar in den USA investiert und ist der größte Gläubiger der Staaten. Auch das zwingt zu einer gewissen Besonnenheit. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 10.6.2013)

Share if you care.