Jahrmarkt der Jets und Jubelmeldungen

9. Juni 2013, 17:43
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Vor Eröffnung der Luftfahrtmesse im französischen Le Bourget wächst die Nervosität unter den Flugzeugbauern

Vor Eröffnung der Luftfahrtmesse im französischen Le Bourget wächst die Nervosität unter den Flugzeugbauern: Im Kampf um Marktanteile geraten Airbus und Boeing zusehends aneinander.

Paris - Der Aerosalon Le Bourget wird zwar erst in einer Woche seine Pforten öffnen, mindestens bei zwei der mehr als 2000 Anbieter herrscht aber schon jetzt Hochspannung. Das Eurokonsortium Airbus setzt alles daran, dass seine Neuschöpfung A350 noch vor dem Messestart zum Jungfernflug abheben kann. Zugleich tut man am Geschäftssitz in Toulouse so, als wolle man sich auf keinen Fall dem Zeitdruck beugen. "Wir haben keine Lust, ein Flugzeug zu lancieren, das danach ständig am Boden liegt", meint Airbus-Chef Fabrice Brégier in hämischer Anspielung auf Boeings Dreamliner 787, der wegen Batterieproblemen vier Monate lang flachlag.

Boeing-Chef Jim McNerney will sein jüngstes Kind in Le Bourget nun aber in neuer Pracht präsentieren. Außerdem bringt er neue Pläne für einen 777X mit, eine Weiterentwicklung des bald zwanzig Jahre alten "Triple Seven" - und direkte Konkurrenz zu den größeren A350-Modellen mit mehr als 300 Passagieren. Ende Mai hatte der Boeing-Vorsitzende angetönt, Airbus habe nach dem A350 - dessen Entwicklung zwölf Milliarden Euro verschlang - gar keine Mittel mehr, ein von Grund auf neues Flugzeug zu bauen, das es mit dem 777X aufnehmen könnte.

Boeings "Papiertiger"

Brégier tat dieses Projekt bei einem internen Seminar schlicht als " Papiertiger" ab. "Wir hingegen sind daran, den Rückstand auf den 787 wettzumachen", führte er weiter aus. "Und das mit einem um 25 Prozent tieferen Kerosinverbrauch als beim 777." Gegenüber dem Dreamliner beansprucht Brégier fast zehn Prozent tiefere Betriebskosten für den A350. Boeing nennt allerdings andere Zahlen, vor allem auch gemessen am Verkaufspreis. Brégier hält sich aber nicht nur bei dem strategischen Duell im Langstreckenbereich auf. Er meint, der neue A320 Neo werde Airbus auch bei den Mittelstrecken den "Löwenanteil" - gut 60 Prozent - sichern. Denn: "Jeder weiß, dass der Neo besser ist als der 737 Max." Brégiers unüblich prahlerischen Worte sind nicht nur Selbstmotivierung, sondern Teil eines wahren "Kommunikationskrieges", wie die Pariser Fachzeitschrift Challenges schreibt.

In Le Bourget, der größten Branchenmesse der Welt, wird es erneut Großaufträge regnen. Bereits seit Jahresbeginn haben Megabestellungen Konjunktur; die indonesische Lion Air orderte zum Beispiel mehr als 200 A320-Modelle, hauptsächlich des Typs Neo, Air China bestellte 100 Jets, der Billigflieger Air Asia überlegt die Bestellung 50 weiterer Flugzeuge.

Noch umkämpfter ist der Langstreckenbereich, in dem sich Boeings 787 und 777 ein hartes, zukunftsweisendes Duell mit dem A350 liefern. Lufthansa verhandelt derzeit mit beiden Großanbietern über die Bestellung von fünfzig Maschinen. Auch andere Airlines zögern noch zwischen Boeing- und Airbus-Modellen, die zum Teil noch keine einzige Flugstunde hinter sich haben. Die zukünftige Aufstellung der beiden Rivalen in dieser strategischen Kategorie ist umso wichtiger, als auch andere Anbieter aus Russland, China und Brasilien in den Markt drängen wollen.

Noch leben die Europäer und Amerikaner bestens mit ihrem Duopol; auch in Krisenzeiten stehen die Airlines vor ihren Fabriken Schlange. Gerade die Kategorie der Großraumflugzeuge zeigt aber, dass zwischen Erfolg und Misserfolg eine dünne Linie liegt. Sowohl Boeing als auch Airbus vermögen ihre Auftragsbücher bei den Massentransportern nur mit Mühe zu füllen; der 747-8 verkauft sich schlecht, und auch der neue Doppelstock- Airbus A380 muss jeden einzelnen Kunden mühsam überzeugen.

In Le Bourget brauchen die Europäer unbedingt ein paar A380-Aufträge - schon aus Imagegründen für die ganze Airbus-Unternehmung. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 10.6.2013)

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    Ein Duell um Großaufträge und Prestigeerfolge. Airbus hofft, den A350 pannenloser zu lancieren als Boeing seinen Dreamliner.

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