Linzer Medizin-Fakultät oder: Wie Politiker denken

Kolumne9. Juni 2013, 18:29
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Wann bekommt man für Prestigeprojekte am leichtesten Zustimmung von politischer Seite? Antwort: Wenn Wahlen bevorstehen

Wann bekommt man für Prestigeprojekte am leichtesten Zustimmung von politischer Seite? Antwort: Wenn Wahlen bevorstehen. Bestes Beispiel derzeit: die vom Land Oberösterreich geforderte Medizinische Fakultät für die Universität Linz.

An der Art, wie Geld versprochen und Kosten heruntergespielt werden, zeigen sich auch die wahren Prioritäten der österreichischen Spitzenpolitik. Länder-, Stadt- und Parteiinteressen stehen im Vordergrund. Noch nie hat sich beispielsweise Finanzministerin Maria Fekter (eine Oberösterreicherin) so klar für eine Erhöhung der Uni- Budgets wegen des "Weltklasse"-Ziels der Schüssel-Regierungen ausgesprochen. Für Linz macht sie schnellzüngige Versprechungen - die sie gar nicht einlösen muss, weil sie 2014 vielleicht gar nicht mehr Ministerin ist. Der Betrieb soll nicht vor 2016/17 beginnen. Der über allem thronende Bundeskanzler Werner Faymann ist ebenfalls dafür. Klar, denn der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch, der in Zeiten des Internets dauernd "den Sack zumachen" (anstatt die "Seite schließen") will, ist Sozialdemokrat.

Zurückhaltend nach wie vor Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Er redet bloß von "neuem frischem Geld", weil ihn die Rektoren nicht mehr ernst nehmen könnten, würde er nicht die ohnehin knappen Budgets verteidigen.

Wie immer tobt der Medizin-Konflikt auch auf sprachlicher Ebene. Gegner des Projekts werden als "Quertreiber" bezeichnet oder als "befangen", obwohl Landeshauptmann Josef Pühringer der "Befangene" schlechthin ist.

Dass er die Wissens- und Kompetenzbasis des Landes stärken möchte, ist verständlich. Seine Argumente sind freilich schwach. Die Begründung, Oberösterreich brauche mehr Fachärzte (bald fehlen über tausend) fällt aus der Zeit, weil man gute ÄrztInnen mit infrastrukturellen Angeboten werben und Ausbildungsplätze an anderen Medizin-Instituten finanzieren kann - daran kann man Verpflichtungen koppeln.

Genau da, bei der wackeligen und unplausiblen Bedarfsrechnung, haken auch die Kritiker ein. Wobei die Lokalpolitiker weniger der für sie immer schon abgehobene Erhard Busek stört, sondern vielmehr der aus Linz stammende und im Linzer Uni-Rat wirkende Humangenetiker Markus Hengstschläger. Der Med-Uni-Wien-Professor hat natürlich auch das finanzielle Problem im Auge, weil er nur zu gut weiß, dass man keiner Regierung bei Geldzusagen trauen darf. ÖVP-intern wird Hengstschläger "Nestbeschmutzung" unterstellt, weil einige seiner Forschungsvorhaben von Erwin Pröll unterstützt werden - der die private Med-Uni in Krems forciert.

Das Beharren von Pühringer, Dobusch und Co auf einer Medizin-Fakultät (Wurden die nicht alle schon in eine eigene Uni verwandelt?) zeigt aber auch, dass sie die Dynamik der Stadt und des Landes auf dem Wissenssektor noch nicht begriffen haben.

Gerade der internationale Erfolg der Ars Electronica müsste zu Überlegungen führen, einen Ausbau der Linzer Uni mit international relevanten Konzepten zu betreiben. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 10.6.2013)

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